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RWE Milliardenschweres Kraftwerk auf der Kippe

Das Kohlekraftwerk Eemshaven ist eines der wichtigsten RWE-Projekte. Doch jetzt hat ein Gericht Genehmigungen für ungültig erklärt. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace fordert einen endgültigen Baustopp.

24.08.2011 15:39
Proteste am Rohbau des Kohlekraftwerks (Archivbild) Foto: dpa

Die Pläne des Energiekonzerns RWE zum Bau eines milliardenschweren Kohlekraftwerks in den Niederlanden stehen auf der Kippe. Das höchste Verwaltungsgericht des Landes erklärte am Mittwoch bisherige Genehmigungen für das 2,9 Milliarden Euro teure Kraftwerk Eemshaven an der Nordseeküste für ungültig. Die Auswirkungen auf das Wattenmeer und die ostfriesischen Inseln seien unzureichend untersucht worden. Ob damit der gesamte Bau, den der Versorger seit 2009 vorantreibt, infrage steht, blieb offen. „Wir müssen das Urteil erst prüfen. Es ist sehr komplex“, sagte eine RWE-Sprecherin. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte den Konzern auf, die Bauarbeiten zu stoppen.

Im Jahr 2008 hatten die niederländische Regierung und zwei Provinzen der heutigen RWE-Tochter Essent die Genehmigungen für das Steinkohlekraftwerk mit einer Leistung von knapp 1600 Megawatt erteilt. Das Kraftwerk soll in der Emsmündung vor der Insel Borkum errichtet werden. Der erste Block sollte bislang 2013 ans Netz gehen. Das Urteil des obersten Verwaltungsgerichts kann nicht angefochten werden. Ob RWE mit neuen Anträgen noch grünes Licht bekommen kann, war unklar.

Greenpeace fordert Baustopp

Gegen das RWE-Kraftwerk war unter anderem die niederländische Sektion der Umweltschutzorganisation Greenpeace zu Felde gezogen. „Jedes Kohlekraftwerk, das heute noch gebaut wird, zementiert eine falsche Energiepolitik“, sagte die Energieexpertin von Greenpeace Deutschland, Anike Peters, der Nachrichtenagentur Reuters. Das Urteil aus den Niederlanden bezeichnete sie als grandiose Nachricht. „RWE muss den Bau nun endgültig beenden“, forderte Peters.

Das Kraftwerk gehört zu den größten Neubauprojekten des zweitgrößten deutschen Energiekonzerns. Durch ein Aus würden dem Unternehmen dringend benötigte Kraftwerkskapazitäten fehlen. „Das ist ein weiterer Rückschlag für RWE, zumindest temporär, wenn nicht sogar vollständig“, sagte Merck Finck-Analyst Theo Kitz. RWE habe vermutlich mit dem dort erzeugten Strom auch teilweise die fehlende Erzeugung aus Atomkraftwerken ersetzen wollen. RWE musste nach der Atomwende die AKW Biblis A und B abschalten. Sie verfügten zusammen über einer Leistung von rund 2500 Megawatt.

Für den Konzern wäre es nicht der erste Rückschlag beim Kraftwerksbau. Im Jahr 2007 hatte RWE Pläne für den Bau eines großen Kohlekraftwerks im saarländischen Ensdorf nach Bürgerprotesten zu den Akten gelegt. Anderen Versorgern ging es kaum besser. Nach einem Gerichtsentscheid bangt der Konkurrent E.ON um den Weiterbau seines Kohlekraftwerks im nordrhein-westfälischen Datteln. Der Konzern hat bereits rund eine Milliarde Euro in den Neubau investiert. (rtr)

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