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Roland Berger Europas Ratingagentur soll in Kürze starten

Die Unternehmensberatung Roland Berger plant die Umsetzung einer europäischen Ratingagentur - als Gegengewicht zu den drei marktbeherrschenden US-Agenturen. Staatliche Beteiligungen sind nicht vorgesehen.

27.04.2012 21:59
Thomas Magenheim
Die Unternehmensberatung Roland Berger kündigt die Gründung einer europäischen Ratingagentur an. Foto: Guido Bergmann

Die Münchner Unternehmensberatung Roland Berger will ihre Idee einer europäischen Ratingagentur retten. Dafür müssen die Berater um Projektleiter Markus Krall aber Kompromisse eingehen. Ursprünglich wollte Berger die Wertpapierkäufer für das Rating bezahlen lassen. Im bestehenden angelsächsischen Modell zahlen die Emittenten, also die Verkäufer, was von vielen Experten als Interessenskonflikt kritisiert wird. Zumindest zum Start soll aber nun auch die europäische Ratingagentur emittentenfinanziert sein, bestätigte eine Berger-Sprecherin.

Die Politik müsse für den geplanten Systemwechsel im Bezahlmodell erst die europarechtlichen Rahmenbedingungen schaffen. Wann oder ob das überhaupt geschieht, sei offen. Zumindest vorerst würden damit auch im Berger-Modell die Emittenten von Papieren ihr Rating bezahlen. Abstriche müssen die Berater zudem bei der Anschubfinanzierung der EU-Agentur machen.

Macht von S&P, Moody’s und Fitch kappen

Finanzielle Zusagen hat Krall bislang nur von 13 europäischen Finanzunternehmen erhalten. Ursprünglich angepeilt waren 30 Investoren, die jeweils zehn Millionen Euro beisteuern sollten. Nun will sich der Berger-Partner notfalls mit der Hälfte des Betrags zufrieden geben und versuchen, den Rest später einzusammeln, sagte die Sprecherin.

Den Startschuss für die EU-Ratingagentur als Gegengewicht zum heute marktbeherrschenden US-Trio Standard & Poor’s, Moody’s und Fitch will Berger schon in den nächsten Wochen geben. Dazu werde eine Stiftung und die Ratingagentur als operative Gesellschaft gegründet, in die das Startkapital der Investoren fließt.

Roland Berger selbst will aber kein Gründungsmitglied der Stiftung werden, stellte Burkhard Schwenker als Aufsichtsratschef der Beratungsfirma klar. Rating sei kein Berger-Kerngeschäft. Zudem solle auch nur der Anschein eines Interessenkonflikts zwischen Rating- und Beratungsfirma vermieden werden. Krall stellt sich persönlich als Chef der europäischen Ratingagentur zur Verfügung und will deshalb als Partner bei Berger aussteigen. Gegen die drei US-Platzhirsche bestehen soll die Agentur auch dadurch, dass sie ihre Ratings deutlich billiger als die US-Konkurrenz anbietet. Bis eine neue Ratingagentur am Kapitalmarkt Vertrauen aufbauen kann, werde es aber einen langen Atem brauchen.

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