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Rohöl Autofahrer müssen sich auf hohe Benzin-Preise einstellen

Verkehrte Welt: Rohöl wird immer billiger, für Diesel und Benzin müssen Autofahrer dennoch immer mehr zahlen. Das ist vor allem eine Folge der anhaltenden Trockenheit.

Rhein bei Düsseldorf
Der Rhein bei Düsseldorf: Die Pegelstände sind auf den Hauptwasserstraßen so niedrig, dass Binnenschiffe nur mit halber Ladung fahren können. Foto: imago

Das gab es noch nie: Rohöl wird billiger. Benzin, Diesel und Heizöl werden teurer. „Paradox“ ist zurzeit die Lieblingsvokabel von Experten, wenn sie die Turbulenzen bei fossilen Energieträgern beschreiben. Autofahrer jedenfalls müssen sich wohl für absehbare Zeit auf hohe Preise einstellen.

Der Reihe nach: Ein Fass (à 159 Liter) der Referenzsorte Brent war am Freitagnachmittag für 72,80 Dollar zu haben. Vor knapp einem Monat waren es noch 86 Dollar. Die aktuelle Notierung wurde zuletzt im Sommer an mehreren Tagen unterschritten. US-Öl der Sorte WTI hat bereits deutlich stärker nachgegeben und ist mit rund 63 Euro so preiswert wie seit einem halben Jahr nicht mehr. Dabei hatten Analysten noch vor wenigen Wochen steil steigende Preise prognostiziert. Die magische Marke von 100 Euro schien nicht mehr fern zu sein.

Trump ist wichtiger Faktor

Ein wichtiger Faktor für das Auf und Ab ist US-Präsident Donald Trump. Einerseits geht er mit aller Macht gegen den Iran vor. Er hat das Atomabkommen mit der „Islamischen Republik“ aufgekündigt und Wirtschaftssanktionen angekündigt. Der wichtigste Faktor dabei ist, dass er Ölexporte des Landes unterbinden will. Schon allein die Ankündigung der Strafmaßnahmen, die am kommenden Montag in Kraft treten sollen, hatte die Notierungen seit dem Sommer durch Spekulation in einer steilen Kurve in die Höhe getrieben.

Iran gehört mit einer täglichen Förderung von aktuell rund 3,4 Millionen Fass zu den wichtigsten Lieferanten des noch immer wichtigsten Rohstoffs der Weltwirtschaft.

Dieser Preiseffekt hat aber überhaupt nicht in Trumps Konzept gepasst. Denn in den USA stehen die sogenannten Midterm-Wahlen an. Steigende Öl- und in der Folge höhere Treibstoffpreise würden bei den Wählern gar nicht gut ankommen – und es wäre ein Leichtes für die Wahlkämpfer der Demokraten, den Präsidenten für die Aufschläge verantwortlich zu machen.

Trump hatte in der ihm eigenen Art das Ölkartell Opec ermahnt, mehr zu pumpen, um iranische Ausfälle zu kompensieren. Die dringendste Aufforderung ging dabei an die Saudis, die nicht nur gute Beziehungen zum Präsidenten haben, sondern auch die mit Abstand wichtigsten Akteure in dem Ölkartell sind.

Tatsächlich hat die Opec im Oktober nach Berechnungen des Finanzdienstes Bloomberg ihren täglichen Output auf 33,3 Millionen Fass hochgeschraubt – das sind 430.000 Fass mehr als im Vormonat. Mit 10,7 Millionen Fass kam allein fast ein Drittel aus Saudi-Arabien. Noch etwas mehr wurde im Nicht-Opec-Staat Russland an die Erdoberfläche gebracht. Die 11,4 Millionen Fass pro Tag im Oktober-Durchschnitt sind ein historischer Höchstwert.

Präsident Wladimir Putin braucht die Einnahmen aus dem Ölgeschäft dringend, um seinen Staatshaushalt zu finanzieren. Die Förderung in den USA lag mit 11,2 Millionen Fass zuletzt nur etwas geringer. Dort wird vor allem mit der höchst umstrittenen Fracking-Methode gearbeitet. Das Bohren wurde dort in den vergangenen Monaten aber nicht wegen Trump, sondern wegen der Aussicht auf hohe Erträge intensiviert.

Sommerhitze und konstante Trockenheit

Doch die Folge war, dass vor allem in den USA die Bestände in den riesigen Tanklagern für Rohöl gestiegen sind. Das wurde von Händlern als eindeutiges Signal für einen Angebotsüberhang interpretiert, schließlich waren da die Sanktionen gegen den Iran noch gar nicht in Kraft. Die Notierungen an den Rohstoffbörsen gingen jedenfalls schon deutlich nach unten. Pessimistische Konjunkturerwartungen taten ein Übriges.

Um das niedrigere Niveau zumindest für ein paar Wochen zu stabilisieren, will die US-Regierung nun offenbar akzeptieren, dass acht wichtige Abnehmerländer iranischen Öls selbiges nach wie vor importieren dürfen, ohne Ärger mit den USA befürchten zu müssen. Südkorea, Japan, Indien, China und die Türkei sollen dazu gehören. Das hat den übelriechenden Rohstoff in dieser Woche zusätzlich verbilligt. US-Außenminister Michael Pompeo wollte am Freitag weitere Details dazu nennen.

In Deutschland ist von den Abschlägen aber so gut wie nichts angekommen. Dabei kommen normalerweise Bewegungen beim Rohölpreis mit einer Verzögerung von einigen Tagen an den Tankstellen an, und auch Heizöl macht beim Auf und Ab ziemlich synchron mit. Doch in diesem Jahr ist alles anders, wegen der Sommerhitze und der konstanten Trockenheit.

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