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Rocket Internet Milliardenverluste als Strategie

Zalando-Mutter Rocket Internet macht Verluste in Milliardenhöhe. Konzernchef Oliver Samwer hat kein Problem damit.

Rocket-Internet-Chef Oliver Samwer will den Eindruck vermitteln, dass alles nach Plan läuft. Foto: dpa

Auf eine Milliarde Euro summierte sich der operative Verlust, den die Firmen der Berliner Start-up-Fabrik Rocket Internet im vergangenen Jahr machten. Fast doppelt so viel wie 2014, als sich das Minus noch auf 600 Millionen Euro belief. Oder wie Rocket-Chef Oliver Samwer es formulierte: „Wir haben im vergangenen Jahr einen guten Fortschritt gemacht.“

Es läuft alles nach Plan. Diesen Eindruck versuchte Oliver Samwer am Donnerstag seinen Investoren zu vermitteln. Und er beruhigte: „2015 war das Jahr in dem die Verluste unserer strategischen Portfoliofirmen ihren Höhepunkt erreicht haben sollten.“ Langfristig sei das Ziel natürlich, die Start-ups profitabel zu machen. „Aber um das zu erreichen, ist Wachstum wichtiger als Profitabilität in den Anfangsjahren.“

Tatsächlich soll genau so das Rocket-Modell funktionieren: Hohe Verluste werden bei den Start-ups in Kauf genommen, um rasches Wachstum zu finanzieren. Das Ziel ist, schneller als ihre Konkurrenten Marktanteile zu sichern. Erst wenn eine gewisse Marktmacht erreicht ist, werden die Firmen auf Profitabilität getrimmt. Konkurrenten, die organisch wachsen, also die Expansion aus ihren eigenen Gewinnen finanzieren, haben dagegen keine Chance: Sie wachsen einfach zu langsam.

Auch der Online-Modehändler Zalando, 2008 von Rocket gegründet, ist diesen Weg gegangen. Zalando fuhr bis 2014 hohe Verluste ein, finanzierte dafür ein rasantes Wachstum und dominiert inzwischen europaweit den Online-Modehandel. Zuletzt machte Zalando knapp drei Milliarden Euro Umsatz und fuhr dabei trotz weiterem Wachstum einen Gewinn von 121,5 Millionen Euro ein.

Das Rocket-Modell ist allerdings nicht ohne Gefahr: Denn wenn schnell viel Geld investiert wird, um Kunden und Marktanteile zu gewinnen, kann dies leicht auch die Untauglichkeit eines Geschäftsmodells kaschieren. Dann wächst ein Start-up zwar, doch sobald die Marketing-Ausgaben reduziert werden, brechen die Umsätze wieder ein.

Genau dies scheint bei Jabong, ein Unternehmen nach Zalando-Modell in Indien, geschehen zu sein: Um die Verluste einzudämmen, wurden dort 2015 von Rocket die Ausgaben zurückgefahren – mit dem Ergebnis, dass das Geschäft brutal schrumpfte: Die Bestellungen nahmen von zwei Millionen im letzten Quartal 2014 auf 1,2 Millionen im letzten Quartal 2015 ab, der Umsatz brach um ein Fünftel auf umgerechnet knapp 30 Millionen Euro ein. Trotzdem konnte der Verlust nur um rund ein Drittel reduziert werden.
Auch deshalb muss Oliver Samwer noch immer Befürchtungen entgegentreten, dass sich Rocket Internet für Anleger als ein Fass ohne Boden erweisen könnte.

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