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Riester-Produkte Pro und Contra Riester-Rente

Die staatlich geförderte Rente hat einen schlechten Ruf; trotzdem kann man von ihr profitieren. Die FR erklärt, wie.

Riesterrente
Die Riesterrente lohnt sich, wenn der Sparer alt wird. Foto: dpa

Riester mutet schon fast wie ein Schimpfwort an. Die nach Walter Riester benannte und 2002 eingeführte Rentenform lässt sich mitunter synonym verwenden für unflexibel, unrentabel, zu teuer. Nicht wenige haben Riester-Produkte bereits für gescheitert erklärt. Stiftung Warentest hat die Produkte der Riester-Rente in ihrer aktuellen Oktober-Ausgabe dennoch ein wiederholtes Mal einer Prüfung unterzogen. Warum? „Weil sich die Sache für den Sparer häufig trotzdem lohnt“, schreiben die Experten. Denn Riester bedeutet auch: Garantien, geschenkte Zulagen vom Staat und Steuerersparnisse. Ob sich diese rentieren, hängt von der Auswahl des Produkts und den eigenen Lebensumständen ab.

Was ist an den Vorurteilen dran?
Mit Riester wird niemand auf einen Schlag reich. Es ist eine Rente, die nach Ende des Erwerbslebens monatlich in kleinen Teilen ausgezahlt wird. Sie lohnt sich also, wenn der Sparer sehr alt wird. Bei einer Kündigung muss allerdings die komplette Fördersumme zurückgezahlt werden. Volker Stache von Müller & Veith Investment in Wiehl beklagt darüber hinaus die Kostenstruktur. Die Förderung werde letztlich von den Kosten der Vertragsverwaltung aufgefressen. „Die Anbieter nutzen den Vorwand des bürokratischen Aufwands um hohe und teilweise intransparente Kosten in einem staatlich geförderten Produkt zu verstecken“, sagt Stache. Die eingezahlten Beiträge sind zwar sicher, das ist das große Versprechen der Riester-Rente. Um diese Garantie einhalten zu können, müssen die Anbieter aber weitgehend auf Risiko verzichten. Auch bei Fondssparplänen wird ein großer Anteil in sicheren Rentenfonds geparkt, die wenig Rendite abwerfen. In lukrative Aktien wird nur ein geringer Betrag investiert. Am Ende bleiben möglicherweise nicht mehr als die eingezahlten Beiträge übrig.

Wer profitiert von Zulagen?
Für jemanden, der Anspruch auf hohe Zulagen hat, die auch die Verwaltungskosten decken, sind die Riester-Produkte aber durchaus attraktiv. Der Staat fördert Riester-Sparer mit einer jährlichen Grundzulage von 154 Euro, ab 2018 wird diese angehoben auf 175 Euro. Die volle Förderung erhält, wer inklusive der Zulagen vier Prozent des rentenversicherungspflichtigen Einkommens, mindestens jedoch 60 Euro im Jahr in den Riester-Vertrag einzahlt. Pro Kind zahlt der Staat auf den Riester-Vertrag außerdem jährlich 300 Euro – solange der Sparer kindergeldberechtigt ist und das Kind nach 2007 geboren wurde. Für vor 2008 geborene Kinder, sind es 185 Euro.

Die Rechnung ist einfach. Ist das Einkommen gering, muss prozentual weniger Eigenanteil in den Vertrag gezahlt werden, als bei hohem Einkommen. Bei gleicher Förderhöhe. Eine dreifache Mutter mit einem Verdienst von 15 000 Euro jährlich, muss nur den Mindestsatz von 60 Euro im Jahr einzahlen und erhält Zulagen von 1054 Euro jährlich. Die Förderquote beträgt 95 Prozent. „Jeder sollte sich fragen: Wie hoch ist meine individuelle Förderquote? Kann ich die hohen Verwaltungskosten kompensieren?“, rät Stache. Die Riester-Rente lohne sich seiner Ansicht nach erst, wenn die Förderquote mindestens 50 Prozent beträgt.

 

Was hat es mit dem Steuervorteil auf sich?
Haushalte mit höherem Einkommen profitieren von Zulagen allerdings weniger. „Bei Gutverdienern wirkt sich der Steuervorteil gewinnbringend aus“, sagt Markus Richert, Finanzplaner bei Portfolio Concept Vermögensmanagement in Köln. Einzahlungen bis 2100 Euro im Jahr gelten beim Finanzamt als Sonderausgaben. Dem entgegen argumentiert Stache und verweist darauf, dass die Riester-Zahlungen im Rentenalter voll versteuert werden müssen. „Wer sagt mir, dass der Steuersatz bis dahin nicht angehoben wird?“ Außerdem wird es schwierig, wenn in einer Familie beide Partner riestern. „Die Kinderzulagen des einen Partners verhindern oft die Steuerersparnisse des anderen“, warnen die Finanztest-Experten.

 

Welche Produkte empfehlen Experten?
Riester kommt in mehreren Varianten daher: Als Rentenversicherung, als Banksparplan, Fondssparplan, fondsgebundene Rentenversicherung oder Wohn-Riester als Sonderform. Am attraktivsten sei bis heute der Riester-Fondssparplan, sagt Markus Richert, Finanzplaner bei Portfolio Concept Vermögensmanagement in Köln. „Es handelt sich um Fondssparpläne bei denen Anleger nichts verlieren können“, sagt Richert. Natürlich lasse sich ein Fondssparplan auch ohne den Wattebausch eines Riester-Vertrages aufstellen. „Wenn die richtigen Aktien ausgewählt werden, fällt die Rendite ohne die Kosten eines Riester-Vertrages aller Wahrscheinlichkeit nach eher höher aus, aber es gibt keine Garantien“, sagt Richert. Der Anleger kann auch Verluste machen – das ist beim Riestern nicht der Fall.

Banksparpläne werden nur noch vereinzelt angeboten, wie Rentenversicherungen richten sie sich nach dem aktuellen Zins und werfen deshalb derzeit kaum Rendite ab. Im Test von Stiftung Warentest steht die klassische Riester-Rentenversicherung der Allianz auf Platz eins – allerdings bewerten die Tester das Angebot nur mit „befriedigend“. Besser kommen auch hier Fondssparpläne und fondsgebundene Rentenversicherungen weg. Bei Riester-Fondssparplänen werden die eingezahlten Beiträge komplett in Fonds investiert, bei Fondspolicen, also den fondsgebundenen Rentenversicherungen nur zum Teil. „Riestern nimmt den meisten Leuten die Angst in Aktien zu investieren“, sagt Richert. Entweder man gewinnt hinzu, verlieren kann man nicht.

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