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Ressourcenverschwendung. Deutschland gefährdet seinen Wohlstand

Deutschland verbraucht viel zu viele Rohstoffe und Ressourcen und gefährdet damit seinen Wohlstand. Der Präsident des Umweltbundesamtes will darum mehr Carsharing und Recycling für elektronische Geräte.

Gut für die Umwelt und den Geldbeutel: Carsharing. Foto: dpa

Deutschland verbraucht viel zu viele Rohstoffe und Ressourcen und gefährdet damit seinen Wohlstand. Der Präsident des Umweltbundesamtes will darum mehr Carsharing und Recycling für elektronische Geräte.

Der Präsident des Umweltbundesamtes (UBA), Jochen Flasbarth, hat eine stärkere Förderung des Car-Sharing vorgeschlagen. Die gemeinschaftlich genutzten Fahrzeuge sollten von der Kfz-Steuer befreit werden, sagte Flasbarth. „Dies würde einen Anreiz geben, um das gemeinsame Nutzen von Autos noch populärer zu machen und die Einsparung von Rohstoffen und Energie im Verkehr voran zu bringen.“ Der Steuerausfall solle durch eine Umlage auf die restlichen Fahrzeuge ausgeglichen werden.

Der Beitrag des Verkehrssektors zur Umweltweltentlastung müsse erhöht werden, sagte der UBA-Chef. „Die bessere Ausnutzung von Autos und eine dadurch kleiner werdende Autoflotte seien ein Weg dazu. In Deutschland gibt es derzeit etwa 160.000 Car-Sharing-Nutzer, die Zugriff auf 4600 Fahrzeuge haben. Im Schnitt kommen auf jedes Auto rund 35 Fahrer. Die Gesamt-Pkw-Flotte in Deutschland beträgt 42,9 Millionen.

Flasbarth sagte, eine starke Verminderung des Ressourcenverbrauchs sei jedoch nicht nur im Verkehr, sondern in allen Sektoren hierzulande und den anderen Industrieländern zwingend. „Schaffen wir das nicht, bedroht das unseren Wohlstand – gerade in rohstoffarmen Deutschland.“ Weltweit werden pro Jahr rund 60 Milliarden Tonnen nicht-erneuerbare Rohstoffe verbraucht. Das sind 50 Prozent mehr als vor 30 Jahren. Ab Montag veranstaltet das Umweltbundesamt das Europäische und Nationale Ressourceneffizienz Forum in Berlin, auf dem auch EU-Umwelt-Kommissar Janez Potocnik und Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) sprechen werden.

Bereits jetzt seien einzelne Rohstoffe für die Industrie sehr teuer geworden, sagt Flasbarth. Es zeichne sich ab, dass viele Ressourcen knapp und unbezahlbar würden, falls die Industrieländer ihren Verbrauch nicht senken.

Weltweit werden pro Jahr rund 60 Milliarden Tonnen nicht-erneuerbare Rohstoffe - wie Energieträger, Erze, Baustoffe und Industriematerialien - verbraucht. Das sind 50 Prozent mehr als vor 30 Jahren. Der Verbrauch variiert aber deutlich. Im afrikanischen Entwicklungsland Mali sind es pro Kopf und Jahr neun Tonnen nicht erneuerbare Rohstoffe und Biomasse, in Deutschland 73 Tonnen und in den USA 86. Umweltforscher haben errechnet, dass der Ressourcenverbrauch der Industriestaaten bis 2050 auf ein Zehntel („Faktor 10“) sinken muss, wenn die Ökosysteme intakt bleiben sollen. Das „Faktor“-Konzept geht auf den früheren Vizepräsidenten des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt, Energie, Professor Friedrich Schmidt-Bleek, zurück.

EU legt Ressourcen-Roadmap vor

UBA-Chef Flasbarth lobte, dass die EU-Kommission und die Bundesregierung das Thema auf die Agenda gesetzt hätten. Brüssel hat eine Ressourcen-Roadmap vorgelegt, der Bund ein Programm Ressourceneffizienz verabschiedet, die beide Produkte und Dienstleistungen mit geringerem Ressourcenverbrauch zum Ziel haben. Jedoch müssten neue Instrumente eingesetzt werden, um schnellere Fortschritte zu erzielen, sagte der UBA-Chef. Bei einigen Ressourcen – etwa Bau-Rohstoffen wie Sand und Kies – sei die Einführung einer Steuer der beste Weg, den Recycling-Anteil zu erhöhen.

Für Elektronik-Geräte empfahl Flasbarth, eine bessere Recycling- und Demontage-Fähigkeit durch Modul-Bauweise vorzuschreiben. Als Negativ-Beispiel nannte er Tablet-Computer, deren Akku fest eingebaut ist und nicht ausgetauscht werden kann. „Dass das verschleißträchtigste Bauteil nicht einfach ersetzt werden kann, ist grotesk. Das muss man verbieten“, sagte er. Außerdem sei es wichtig, künftig auch ausgemusterte Elektro-Kleingeräte durch haushaltsnahe Rückgabe-Möglichkeiten zu erfassen. „Keiner fährt wegen eines kaputten Rasierers extra zum Recycling-Hof.“

Den Unternehmen empfahl Flasbarth, die Chancen der besseren Ressourceneffizienz stärker zu nutzen, die deutliche Kosteneinsparungen mit sich brächten. „Das Bewusstsein für die Probleme und Möglichkeiten ist noch zu gering.“ Er verwies darauf, dass im verarbeitenden Gewerbe der Materialkosten-Anteil 46 Prozent am Bruttoproduktionswert betrage während die Personalkosten bei unter 20 Prozent liegen.

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