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Ressourcen Starker Preisverfall bei Rohstoffen

Der Umweltforscher Ernst Ulrich von Weizsäcker zeigt sich besorgt über den seit mehr als einem Jahr anhaltenden starken Preisverfall bei den Rohstoffen. Von Weizsäcker fordert die Einführung einer Ressourcensteuer.

Port workers check a copper shipment that is to be exported to Asia, in Valparaiso port
Im chilenischen Valparaiso wird Kupfer verladen - heute kostet es nur noch 4600 Dollar je Tonne, in der Spitze waren es 10.000. Foto: rtr

Der Umweltforscher Ernst Ulrich von Weizsäcker zeigt sich besorgt über den seit mehr als einem Jahr anhaltenden starken Preisverfall bei den Rohstoffen. Der Experte warnt davor, dass es künftig wieder „böse Preissprünge nach oben“ geben könnte und fordert die Einführung einer „sanft ansteigende Ressourcensteuer, um die langfristige Knappheit und die Schäden sichtbar zu machen“. Dies erspare „unserer ressourcenabhängigen Wirtschaft“ die durch Preissprünge drohenden Schocks und setze die nötigen Anreize für eine effizientere Nutzung der Rohstoffe, sagte Weizsäcker der Frankfurter Rundschau.

Die Preise sind nicht nur bei Erdöl, sondern auch bei vielen anderen natürlichen Ressourcen am Boden. Experten sprechen von einer Super-Baisse, die mit der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 begann, als die Nachfrage nach Industriemetallen wie Kupfer, Aluminium und Zink praktisch kollabierte. Anno 2015 verbuchte der viel beachtete CRB-Rohstoffindex erneut ein Verlustjahr, das Minus war mit rund 30 Prozent so groß wie seit 2008 nicht. Kupfer kostet heute an den Rohstoff-Börsen nur noch rund 4600 Dollar je Tonne, in der Spitze waren es 10.000. Aluminium ist für 1500 Dollar zu haben, ebenfalls weniger als die Hälfte im Vergleich zur Hoch-Zeit.

Weizsäcker, Mitglied im „Internationalen Ressourcen-Rat“ beim Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) und dessen langjähriger Co-Vorsitzender, sagt: „Das Abrutschen der Preise von mineralischen Ressourcen gibt nur den kurzfristigen Angebotsüberhang wieder, nicht die langfristige Knappheit, von den ökologischen Schäden des Bergbaus und der Nutzung ganz zu schweigen.“ Der Experte verweist dazu auf einen Bericht des Club of Rome zur Ressourcen-Problematik aus dem Jahr 2013. Weizsäcker ist Co-Präsident dieses Thinktanks.

Umweltschäden nehmen zu

Der vom italienischen Experten Ugo Bardi verfasste Report zeigt, dass viele der Rohstoffe im Erdmantel zwar noch in großer Menge vorhanden sind, deren Konzentration in den abgebauten Erzen aber ständig abnimmt. In der Folge wüchsen die Umweltschäden und der Energieaufwand pro Kilo gewonnenem Metall und anderer Ressourcen steil an. „Es geht also beim Ressourcenschutz nicht nur um die ,geologische Reichweite‘, sondern auch um ökologische Schäden vom Bergwerk bis zur Entsorgung“, so Weizsäcker. Nötig sei eine Ressourcenwende.

Der Umweltexperte schlägt vor, die Preise für Energie- und Primärressourcen künftig jährlich „um einen sehr niedrigen Prozentsatz“ anzuheben, der sich am Fortschritt bei der Ressourcenproduktivität orientiert. „Dann lohnt sich die Fortentwicklung der Effizienz und der Kreislaufführung von Rohstoffen wieder viel besser“, sagt Weizsäcker. Für die Firmen, die sich von der reinen Abfallwirtschaft auf die Wertstoff-Wirtschaft umgestellt haben, „wäre das eine großartige Nachricht“.

Einen weiteren Vorteil sieht der Experte für die Staatsfinanzen durch das Aufkommen aus der Ressourcensteuer. „Die Finanzminister hätten ihre Freude daran, selbst wenn das Steueraufkommen in der Hauptsache der Senkung anderer Steuern zugutekäme.“

Der Umweltexperte Klaus Töpfer (CDU) hatte jüngst eine Neuauflage der Ökosteuer gefordert, um „die falschen Signale“ zu stoppen, die durch den niedrigen Erdölpreis für den Klimaschutz gesetzt werden. Er schlug vor, aus den zusätzlichen Einnahmen die Integration von Flüchtlingen mit zu finanzieren.

Wie lange die Baisse bei den Energie- und Rohstoffpreisen noch anhält, ist unklar. Die China-Krise drückte die Notierungen zuletzt noch weiter herunter. Andererseits fahren Minenbetreiber und Energiekonzerne ihre Investitionen wegen der schlechten Geschäftslage derzeit stark nach unten. Der britisch-amerikanische Bergbauriese Anglo-American, Nummer fünf in der Branche weltweit, hat gar eine Radikalkur angekündigt; er will in den nächsten Jahren 85.000 von 135.000 Stellen abbauen. Diese Entwicklung lässt eine künftige Verknappung des Angebots erwarten – und das würde die Rohstoffpreise mittelfristig unweigerlich wieder steigen lassen.

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