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Rentenfonds Versteckte Risiken bei Rentenfonds

Viele Anleger setzen auf Rentenfonds – doch die Gefahr von Verlusten ist aktuell groß. Für größere Barmittel, die diese Fonds horten, fallen inzwischen häufig Negativzinsen an – diese werden faktisch von den Kleinanlegern bezahlt.

Ein Aktienanteil von zehn bis 20 Prozent am Gesamtvermögen verbessere das Chancen/Risikoverhältnis, argumentieren Vermögensverwalter. Foto: Imago

Von den Negativzinsen seien Privatanleger nicht betroffen, beteuern die Banken. Doch das stimmt nicht in jedem Fall. Anleger, die zum Beispiel Anteile von Investmentfonds kaufen, können durchaus mit Negativzinsen belastet werden – und zwar insbesondere bei Rentenfonds, also Fonds, die in festverzinsliche Wertpapiere wie Anleihen investieren.

Für größere Barmittel, die diese Fonds horten, fallen inzwischen häufig Negativzinsen an – diese werden faktisch von den Kleinanlegern bezahlt, weil die Negativzinsen die Erträge der Fonds reduzieren. Doch nicht nur die Barmittel der Rentenfonds werden mit Negativzinsen belastet. Auch einige der in den Fonds enthaltenen Anleihen weisen bereits einen Negativzins aus. Die Renditen der meisten Rentenfonds sind deshalb inzwischen äußerst bescheiden, wenn sie überhaupt noch positiv sind.

Ungeachtet dessen sind Rentenfonds bei deutschen Anlegern noch immer äußerst beliebt. Das erklärt sich wahrscheinlich vor allem damit, dass die meisten Bundesbürger bei der Geldanlage in erster Linie Sicherheit wünschen und Risiken aus dem Weg gehen wollen.

Zudem haben Rentenfonds in der Vergangenheit durchaus attraktive Renditen gebracht. Denn die sinkenden Zinsen haben die Kurse von Anleihen kräftig steigen lassen. Doch weitere Kurssteigerungen sind angesichts eines Zinsniveaus nahe null kaum mehr zu erwarten. Im Gegenteil: Denn die Anleihen, die in diesen Fonds enthalten sind, haben deshalb Kursgewinne erzielt, weil ihr Zinssatz im Vergleich zu neu aufgelegten Anleihen attraktiver ist. Diese Gewinne drohen aber verloren zu gehen, wenn das allgemeine Zinsniveau wieder steigen sollte. Denn dann verlieren die im Fonds enthaltenen Anleihen an Attraktivität und das drückt ihren Wert.

Zu den bescheidenen Renditen und möglichen Verlustgefahren kommen bisweilen auch ungeahnte Risiken für die Fondsanleger. Denn die Manager dieser Fonds mischen immer öfter risikoreiche Schuldtitel darunter, um aufgrund der Nullzinsen überhaupt noch eine gewisse Rendite erzielen zu können. Das führt dann dazu, dass die Anleger ihr Geld faktisch riskanter anlegen als sie es wollen.

Doch Anleger können Rentenfonds, die versteckte Risiken enthalten, erkennen – und auf andere Produkte setzen, die ihrer Risikoneigung besser entsprechen. Um solche Fonds herauszufiltern, sollten Anleger sich die Rechenschaftsberichte und sogenannten Factsheets der Fonds ansehen, für die sie sich interessieren, rät Tobias Spies von der Münchner Vermögensverwaltung Huber, Reuss & Kollegen. „Auf den Factsheets gibt es meist Hinweise zu Transaktionen, durchschnittliche Bonitäten und Rendite auf Endfälligkeit.“ Je höher die Rendite der Fonds von den Sätzen von Bundesanleihen abweiche, umso höher sei die Gefahr, dass der Anleger unbewusste Risiken eingehe, sagt Spies.

Hinweise auf Risiken kann der Anleger auch dem Verkaufsprospekt entnehmen. Dieser regelt alles, was der Fondsmanager machen darf. Erlaubt der Verkaufsprospekt dem Fondsmanager große Freiräume oder gibt es hinsichtlich der Anlagestrategie sogar gar keine Beschränkungen, ist die Gefahr aus Sicht des Anlegers natürlich groß, dass der Fondsmanager höhere Risiken eingeht, ohne dass sich der Anleger darüber im Klaren ist.

„Aus der Not geboren sind immer mehr Fondsmanager gezwungen, das Risiko in ihren Produkten zu erhöhen“, bestätigt Maik Bolsmann, Geschäftsführer der B&K Vermögen GmbH in Köln. Auch er empfiehlt Anlegern, die die Risiken in den Fonds einschätzen wollen, das Studium des aktuellen Factsheets des jeweiligen Fonds. „Im Zweifelsfall sollten per Anruf bei der Fondsgesellschaft genauere Informationen eingeholt werden.“ Wenn der Fonds in der Vergangenheit deutlich besser gelaufen sei als die Konkurrenz, sollte der Anleger aufmerksam werden. „Die Gründe sind häufig im eingegangenen Risiko zu suchen“, warnt Bolsmann.

Ähnlich argumentiert der Münchner Vermögensverwalter Thomas Freiberger: „Höhere Renditen in Rentenfonds können nur mit der Inkaufnahme eines höheren Risikos erwirtschaftet werden.“ Fondsmanager würden deshalb gerne Kreditrisiken in Form von Unternehmensanleihen in diese Fonds mischen. „Ein Kreditrisiko macht sich heftig in einem schlechten Aktienumfeld wie 2008 bemerkbar“, warnt Vermögensverwalter Freiberger. „Also gerade dann, wenn ein Anleger einen Rentenfonds als Ruhekissen bräuchte.“

Fonds, die sehr viele Unternehmensanleihen oder die Wörter Credit, Corporate, High Yield, Crossover und Buchstabenkombinationen aus A, B und C enthalten, seien auf alle Fälle zu meiden, rät Freiberger. So habe bereits der größte Staatsfonds der Welt, der norwegische Pensionsfonds, festgestellt, dass die Zusatzerträge durch solche riskanten Papiere zwischen 1987 und 2011 sehr bescheiden waren und in keinem Verhältnis zum eingegangenen Risiko standen. „Meist tauchen diese Risiken zum falschen Zeitpunkt auf – also gerade dann, wenn ein von Aktienkursverlusten geplagter Anleger einen Stabilitätsanker im Portfolio bräuchte“, sagt Freiberger.

Anleger sollten Rentenfonds wählen, die auf niedrig verzinste sichere Anleihen mit mittlerer Laufzeit setzen und Aktienfonds dazu mischen, die weltweit anlegen, lautet Freibergers Rat. Ein Aktienanteil von zehn bis 20 Prozent am Gesamtvermögen verbessere das Chancen/Risikoverhältnis, wenn das Geld für mindestens drei bis fünf Jahre angelegt werde. Sinnvoll ist es hier, sich für einen kostengünstigen Indexfonds (ETF) zu entscheiden.

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