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Rente Unerreichbarer Ruhestand

Fast die Hälfte der Erwerbstätigen hat nach eigener Einschätzung nicht die Kraft, bis 67 arbeiten zu können. Betroffen sind besonders schlecht ausgebildete Menschen.

Schwere Arbeit bei Wind und Wetter. Foto: AFP

Die Junge Union will sie, Wirtschaftsverbände fordern sie, und auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat schon für sie geworben: Die Rente mit 70 scheint ihren Befürwortern unvermeidlich, um Rentenhöhe und Beitragslast in erträglichem Verhältnis zueinander zu halten. Was als erträglich betrachtet wird, hängt allerdings von der Perspektive ab. Aus Sicht vieler Arbeitnehmer ist bereits die Rente mit 67 kaum zumutbar. Fast die Hälfte der Erwerbstätigen geht davon aus, nicht bis zum gesetzlichen Renteneintrittsalter durchhalten zu können, das in Schritten bis 2030 auf 67 Jahre ansteigen wird. Insbesondere schlecht ausgebildete Arbeitnehmer in körperlich anstrengenden Tätigkeiten sind betroffen. Dies geht aus Befragungen vor, die der DGB unter insgesamt 31 164 Beschäftigten erhoben hat. Die Umfragen wurden zwischen 2012 und 2016 für den jährlichen Gute-Arbeit-Index durchgeführt, die Antworten zum Renteneintritt aber erst jetzt ausgewertet. Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze:

Arbeitsfähig bis zur Rente?
Nur 47 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer beantworteten diese Frage eindeutig mit „Ja“, weitere zehn Prozent gaben ein „Weiß nicht“ an. 43 Prozent meinten hingegen, in ihrer aktuellen Tätigkeit nicht bis zum Erreichen des Rentenalters durchhalten zu können. Sollte dies so eintreffen, müssen die Betroffenen empfindliche Einbußen hinnehmen: Für jeden Monat vorzeitigen Renteneintritt vermindert sich die gesetzliche Rente um 0,3 Prozent. Wer also anstatt mit 67 schon mit 63 Jahren und damit zum frühestmöglichen Zeitpunkt in Rente geht, muss einen Abschlag von 14,4 Prozent in Kauf nehmen. Eine Rente in Höhe von 1200 Euro monatlich verringert sich in diesem Fall um 172,80 Euro auf 1027,20 Euro. Bei einer Rentenbezugsdauer von 20 Jahren summiert sich die Einbuße auf 41 472 Euro, bei 30 Jahren sind es 62 208 Euro.

Wer ist am zuversichtlichsten?
In den Altersgruppen der unter 55-Jährigen liegt der Anteil jener, die nicht mit einem Erreichen des gesetzlichen Renteneintritts rechnen, zwischen 42 und 47 Prozent, wobei die 25- bis 35-Jährigen die pessimistischste, die 15- bis 25-Jährigen die optimistischste Prognose abgeben. Die mit Abstand größte Zuversicht, berufstätig das gesetzliche Eintrittsalter zu erreichen, herrscht aber unter den 55- bis 65-Jährigen: Nur 34 Prozent geben an, vorzeitig in Rente gehen zu müssen, gegenüber 57 Prozent, die meinen: „Wir schaffen das.“ Der DGB erklärt den Optimismus der Älteren damit, dass in dieser Altersgruppe bereits viele erwerbsgeminderte Personen aus dem Beruf ausgeschieden sind.

Gute Ausbildung, gute Gesundheit?
Je besser die Beschäftigten ausgebildet sind, desto wahrscheinlicher ist langes Arbeiten. So gehen 58 Prozent der Berufstätigen mit Hochschulabschluss davon aus, bis zum Renteneintritt ihren Job ausüben zu können. Unter un- und angelernten Kräften sind es nur 34 Prozent, unter Beschäftigten mit Berufsabschluss 44 und unter Fachschulabsolventen und Meistern 53 Prozent. Eine zentrale Rolle spielen dabei der Gesundheit abträgliche Arbeitsbedingungen: Nur 23 Prozent der Beschäftigten, die im Alltag schwere körperliche Arbeiten verrichten müssen, werden nach eigener Einschätzung den gesetzlichen Renteneintritt erreichen. Gleiches trifft auf etwa ein Drittel der Befragten zu, die häufigem Zeitdruck, regelmäßigen Kälte-, Lärm-, Nässe- oder Hitzebelastung sowie Nachtarbeit ausgesetzt sind.

Wer glaubt durchzuhalten?
Am weitesten klaffen die Einschätzungen zur Arbeitsfähigkeit auseinander, wenn einzelne Berufsgruppen in den Blick genommen werden. Drei Viertel der Beschäftigten in Innenausbauberufen, etwa Fliesenleger, Maler und Lackierer, Trockenbauer und Estrichleger, gehen nicht davon aus, ihre Tätigkeit bis zum Renteneintrittsalter ausüben zu können. Bei Hoch- und Tiefbauberufen trifft das auf knapp zwei Drittel zu. Im Gartenbau, Pflegebereich und im Gastgewerbe sind es jeweils 59 Prozent. Am anderen Ende der Skala befinden sich Bauplaner und Architekten, Informatiker, Juristen und Verwaltungsfachleute, von denen je knapp zwei Drittel den gesetzlichen Renteneintritt zu erreichen glauben.

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