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Rentberry Startup versteigert Wohnungen an Mieter

Das Startup Rentberry vergibt in US-Städten Mietwohnungen an die Meistbietenden. Gründer Alex Lubinsky ist in seiner Heimat bereits eine Hassfigur.

San Francisco
In der kalifornischen Großstadt eilen die Mieten von Rekord zu Rekord. Foto: Reuters/USA Today

Alex Lubinsky ist zur Zeit nicht besonders beliebt in seiner Heimatstadt San Francisco, beinahe täglich muss der ukrainisch-stämmige Unternehmer Anfeindungen seiner Mitbürger und der lokalen Medien einstecken. Ein örtliches Business-Portal verglich ihn mit dem Pharma-Abzocker Martin Shkreli, der Schriftsteller Steve Silberman ging Lubinsky auf seiner Facebook Seite mit einem rüden „Fuck you“ an.

Grund für den Zorn, der dem 34 Jahre alten Ex-Financier entgegenschlägt, ist das Tech-Startup, mit dem Lubinsky seit dem vergangenen Jahr San Francisco und ein gutes Dutzend weiterer US-Städte beglückt. „Rentberry“, wie die Firma sich nennt, soll eine Art Airbnb für Dauermieten sein – eine Online Plattform, auf der man sich bequem eine Wohnung sichern kann. Der Kick für die Vermieter dabei ist, dass sie ihre vier Wände an den Meistbietenden versteigern können.

Die PR, mit der Lubinsky zunächst für seine Website geworben hatte, hat die Beliebtheit des Unternehmens nicht gerade erhöht. Der bekennenden Freimarkt-Fundamentalist versprach Vermietern, die seine Website nutzen, bis zu fünf Prozent höhere Einnahmen. In Märkten wie San Francisco und New York, wo die Mieten ohnehin schon astronomisch sind und bezahlbarer Wohnraum kaum mehr zu finden ist, war das so ziemlich das Letzte, worauf die Menschen gewartet hatten.

Daniel De Bolt, Sprecher der Mieterschutzorganisation Mountain View Tenants Coalition, kritisierte: „Das ist eine Innovation für skrupellose Vermieter, die es ihnen ermöglicht, ihre Profite noch mehr zu maximieren.“

Angesichts solcher Töne hat Lubinsky mittlerweile seine eigene Rhetorik etwas zurückgefahren. Im Gespräch mit der FR betonte er, dass es ihm natürlich nicht in erster Linie darum gehe, die Mieten in die Höhe zu treiben, sondern vielmehr, den Markt für Dauermieten transparenter und fairer zu machen. „Über Rentberry weiß jeder, was geboten wird. Und ein informierter Mieter hat eine stärkere Verhandlungsposition.“

Die Transparenz, behauptet Lubinsky, habe insgesamt sogar zu einem Sinken des Mietniveaus geführt. Im Durchschnitt der zehn Märkte, in denen Rentberry aktiv ist, sei seit dem Launch 2015 das Mietniveau deutlich gesunken. In wenig nachgefragten Wohngegenden schlage das Pendel deutlich zu Gunsten der Mieter aus, die dank Rentberry sogar Geld sparen könnten. In starken Wohnungsmärkten wie San Francisco sind hingegen die Mieten weiter gestiegen.

So scheint das Versteigern von Mietwohnraum den Markt nicht deutlich in eine Richtung zu drängen, sondern lediglich bestehende Preistendenzen zu verstärken. „Der Versteigerungs-Prozess führt nicht zwingend dazu, dass das Preisniveau ansteigt“, glaubt auch Sara Ellison, Ökonomin am Massachusetts Institute of Technology. In schwachen Märkten wie Detroit oder Oklahoma City mag das Auftauchen von Rentberry Mietwucher verhindern. In den meisten US-Städten verschlechtern Versteigerungsbörsen für Mietwohnungen jedoch die ohnehin angespannte Lage.

In New York etwa sprechen Mieterschutzorganisationen seit Jahren von einer Krise des bezahlbaren Wohnraums. Der Metropolitan Council on Housing etwa schätzt, dass 53 Prozent der New Yorker mehr als 30 Prozent ihres Einkommens für Wohnraum ausgeben. „Es ist extrem schwierig in dieser Stadt für Menschen mit mittlerem Einkommen, etwas wirklich bezahlbares zu finden“, sagt Angela Shapiro, Geschäftsführerin des Council. Versteigerungsseiten wie Rentberry, fürchtet sie, würden diese Lage noch deutlich verschärfen.

Dennoch sieht alles danach aus, dass Seiten wie Rentberry sich in den USA festsetzen. Schon jetzt sind auf Rentberry rund 100.000 Wohnungen gelistet, bis zum Ende des Jahres hofft Lubinsky, die Zahl auf eine halbe Million zu erhöhen. Und mit den Neugründungen Biddwell und Zumper hat Rentberry auch bereits Konkurrenz bekommen.

Der Erfolg solcher Portale ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass sich der Wohnungsmarkt in den Vereinigten Staaten seit der Immobilienkrise von 2008 deutlich von einem Kaufmarkt zu einem Mietmarkt verändert hat. 2009 wurde in den 100 größten US-Städten gerade einmal ein Drittel der Wohnungen vermietet, heute ist es mehr als die Hälfte.

Rentberry trägt diesem „neuen Lifestyle“ – wie Lubinsky die Reaktion auf die Krise nennt – Rechnung. Mieter mögen die Tatsache, dass das Portal die Wohnungssuche bis hin zur Vertragsunterzeichnung deutlich vereinfacht – sofern sie die Rentberry-Preise bezahlen können jedenfalls. Eine Suche in New York zeigte jüngst als Top-Angebote eine Dreizimmer-Wohnung für 7700 Dollar im hippen Stadtteil Soho und eine Zweiraumwohnung für 4475 Dollar im benachbarten Tribeca.

Dass Rentberry und Co. auch in deutschen Städten den Mietanstieg befeuern könnten, ist indes unwahrscheinlich. Obwohl Lubinsky Expansionspläne nach Europa hat, wird sein Versteigerungsmodell hierzulande wohl nicht greifen. „Wir haben zum Glück Mietpreisbegrenzungen in unseren Ballungsgebieten, die eine Preiseskalation verhindert“, meint Werner Klönne, Justiziar beim Deutschen Mieterschutzbund. Zumindest diese Neuerung aus dem Silicon Valley wird dem deutschen Verbraucher also wohl vorerst erspart bleiben.

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