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Reichtum Wohin nur mit all dem Geld?

Immer mehr Vermögende vertrauen auf Private Equity Firmen.

Der weltweite Finanzreichtum schwillt an. Immer größere Summen werden nicht in der Realwirtschaft konsumiert oder investiert, sondern angelegt. Angesichts der niedrigen Zinsen suchen viele Vermögende nach riskanteren Investments mit höherer Rendite, was nicht nur die Aktienkurse in die Höhe hievt, sondern auch die Branche belebt, die das Geld vermögender Menschen vermehrt: Private Equity.

Das Volumen des im weltweiten Finanzsektor angelegten Reichtums wird immer größer. In den vergangenen zehn Jahren hat es sich laut Berechnungen der Allianz von 100 auf über 170 Billionen Dollar vermehrt. Auf Grund des niedrigen Zinsniveaus ist mit risikoarmen Anlagen aber kein Geld mehr zu verdienen. Professionelle wie private Geldanleger gehen daher zum Beispiel an die Aktienmärkte. Der US-Aktienindex für Hochtechnologiewerte, Nasdaq, steigt von einem Rekordhoch zum nächsten. Mit rund 7400 Punkten liegt er 50 Prozent über seinem Hoch zu Zeiten der Internet-Euphorie Anfang 2000.

Der Boom lässt Aktien wie Amazon in die Höhe springen, was Amazon-Chef Jeff Bezos zu einem Vermögen von 150 Milliarden Dollar verholfen hat. Die Titel von Hoffnungsträgern wie dem Streamingdienst Netflix werden mit dem 160-Fachen eines Jahresgewinns bewertet.

Niedrige Zinsen und die Jagd nach Rendite bieten ein ideales Umfeld für private Beteiligungsgesellschaften, sogenannte Private Equity Firmen. Sie sammeln das Geld vor allem von vermögenden Privatpersonen und von institutionellen Anlegern wie Pensionsfonds und Versicherungen ein und erwerben damit Unternehmen oder Unternehmensteile. Da sie den Anlegern hohe Renditen versprechen, fließt ihnen in der derzeitigen Niedrigzinsphase massenhaft Geld zu. Zudem können sie günstig Kredite aufnehmen, um Firmenübernahmen zu finanzieren. Vor 13 Jahren wurden diese Finanzinvestoren vom damaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering als „Heuschrecken“ kritisiert, da sie im Verdacht standen, Unternehmen zum Wohle einer maximalen Rendite auszuschlachten.

Die Finanzkrise ab 2008 traf auch die Private-Equity-Branche hart, viele Fonds gingen unter. Inzwischen aber boomt die Branche wieder. Ihr verwaltetes Vermögen stieg 2017 laut Analysefirma Preqin auf drei Billionen Dollar, eine Billion davon waren noch ungenutzte Reserven. „Immer mehr Investoren strömen in diese Anlageklasse, daraus entsteht ein wachsender Druck, rentable Anlageobjekte zu finden“, so der Branchendienst Feri. Die Konkurrenz um Übernahmeobjekte treibe deren Preise in die Höhe, in den vergangenen fünf Jahren um durchschnittlich 35 Prozent.

Auch in Deutschland sind die Finanzinvestoren aktiv wie nie. Allein im ersten Halbjahr 2018 wickelten sie Transaktionen über 10,7 Milliarden Euro ab, errechnete die Unternehmensberatung Ernst & Young. Im Vorjahr war es rund die Hälfte. Größter Deal war der Eschborner Energiedienstleister Techem, den ein Konsortium um die Schweizer Partner Group Holding für 4,6 Milliarden Euro erwarb. Die Reederei Scandlines wechselte für 1,7 Milliarden Euro den Besitzer, die HSH Nordbank für eine Milliarde.

Die Frage ist allerdings, wie lange das Geschäft so flott laufen kann. Denn irgendwann steigen die Zinsen wieder. Zudem stehen die Private Equity Fonds vor einem Dilemma: „Sie verfügen über viel Kapital, das investiert werden muss. Allerdings ist die Zahl potentieller Ziele begrenzt“, so Michael Kurs von Ernst & Young. Daher müssen die Anleger immer tiefer in die Tasche greifen, was die erwarteten Renditen jedoch drückt. Die Unternehmensberater bleiben jedoch optimistisch: „Sollte nicht noch ein Schock – etwa durch eine Eskalation des Handelskonfliktes – auftreten, könnte das Deal-Volumen in diesem Jahr ein Rekordniveau erreichen.“

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