Lade Inhalte...

Ranking Außer Moos nichts los

Der „World Competitiveness Index“ bescheinigt Deutschland gute Wettbewerbsstärke in Sachen, Bildung, Gesundheit und Patentschutz. Bemängelt werden dagegen viel zu geringe Managergehälter und Abfindungen.

Flugzeug-Montage im Cessna-Werk Wichita, USA. Foto: reuters/Jeff Tuttle

Die fähigsten Ärzte, der billigste Urlaub, die schlechtesten Banken – Ranglisten sind toll. Sie sortieren vor und ordnen ein, machen Kompliziertes einfach und Verwirrendes übersichtlich. Die Stärke der Rankings ist aber auch ihre größte Schwäche. Denn welche Kriterien herangezogen und wie sie gewichtet werden, bleibt den Machern der Tabellen überlassen. Das ist beim „World Competitiveness Index“, der die Wettbewerbsstärke von 60 Industrie- und Schwellenländern bewertet, nicht anders.

Die renommierte Wirtschaftshochschule IMD mit Sitz in Lausanne hat anhand von 300 Einzelkriterien die Konkurrenzfähigkeit eines jeden Landes ermittelt. Deutschland kommt in der jüngsten Erhebung auf einen guten neunten Rang, vor sechs Jahren belegte die Republik noch Platz 16. Der Aufstieg ist angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung in jüngerer Vergangenheit nicht überraschend. Das gilt umgekehrt auch für die Abstufung der krisengebeutelten Euro-Länder Italien, Spanien, Portugal und Griechenland. Sie finden sich zwischen dem 44. und dem 54. Rang, hinter Russland, Kasachstan und Indien.

Solche Ergebnisse sind nicht schön für Europa, aber immerhin scheinen sie trittfest. Bei genauerer Betrachtung des IMD-Index verflüchtigt sich dieser Eindruck allerdings. Beispiel Deutschland: Als zentrale Schwächen haben IMD-Experten viel zu geringe Managergehälter und Abfindungen ausgemacht. In diesen Kategorien landet die Republik auf den Rängen 55 und 53. Ähnliche Platzierungen gibt es für vermeintlich zu hohe Sozialabgaben (57) und Unternehmenssteuern (53).

Wer die Welt ausschließlich aus der Chefetage multinationaler Konzerne betrachtet, mag dies so sehen. Unlogisch ist die Bewertung gleichwohl. Denn auf der anderen Seite erhält Deutschland Spitzenbewertungen in Bereichen, in denen ohne Steuermittel und Sozialabgaben nichts geht: in Sachen, Bildung, Gesundheit, Patentschutz, innere Sicherheit, Umwelt, Kapitalmarktkontrolle, Infrastruktur und sozialer Frieden befindet sich die Bundesrepublik unter den Top Five. Ein bisschen Geld braucht’s dafür schon.

Kritik an der IMD-Rangliste

Die eigentümliche Gewichtung der Schweizer Hochschule treibt allerdings noch ganz andere Blüten. So sind Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate laut IMD geradezu sensationell wettbewerbsfähig. Sie liegen im globalen Vergleich auf den Plätzen zehn und sieben. Zentrale Begründung: Geringe Staatsverschuldung, niedrige Steuerlasten, keine Sozialabgaben. Dass Frauen am Golf meist schlecht ausgebildet, weitgehend rechtlos und kaum berufstätig sind, vermag die Wettbewerbsfähigkeit der Ölemirate in Augen der IMD nur wenig zu beeinträchtigen.

Der Ökonom Ulrich Blum, bis 2011 Leiter des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle, kritisiert die IMD-Rangliste als bloße Momentaufnahme, die über das Potenzial zu anhaltendem Wirtschaftswachstum und die Fähigkeit zu nachhaltiger Wirtschaftsweise nichts aussage. Letztlich hingen die tollen Werte der Scheichtümer allein am Ölreichtum. Außer Moos nichts los? So ähnlich. Blum zitiert Friedrich List (1789-1846), einen der Väter der modernen Volkswirtschaftslehre: „Die Kraft, Reichtum zu schaffen, ist unendlich viel wichtiger als der Reichtum selbst.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum