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Rainer Wend Der Neue bei der Post

Rainer Wend verlässt den Bundestag. Der Sozialdemokrat wechselt zum 1. April 2009 zur Deutschen Post und wird zuständig für die Bereiche Politik und Nachhaltigkeit.

10.12.2008 00:12
MICHAEL BERGIUS
Rainer Wend
Rainer Wend ist bei der Deutschen Post künftig für Politik und Nachhaltigkeit zuständig. Foto: dpa

Etwas ganz Neues wolle er machen. Mit dieser Ankündigung überraschte Rainer Wend im vergangenen August nicht nur seine Kollegen in der Bundestagsfraktion. Verlässt jemand das Schiff SPD, weil ihm der Kurs des damaligen Kapitäns Kurt Beck nicht mehr passt? Will da einer nochmal richtig Kohle machen? Es gab und gibt wichtigere Fragen; dennoch wollte man wissen, was aus einem wird, der seit 1998 im Parlament saß, den Vorsitz des Wirtschaftsausschusses inne hatte und zuletzt immerhin wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD war.

Jetzt ist es raus. Der 54-jährige Ostwestfale wechselt zum 1. April 2009 zur Deutschen Post und wird zuständig für die Bereiche Politik und Nachhaltigkeit. Wend, seit 1970 SPD-Mitglied, wird Nachfolger der früheren Gewerkschaftschefin und EU-Kommissarin Monika Wulf-Mathies. "Ich hatte mehrere Angebote, die ich abgelehnt habe. Eigentlich hatte ich mich auf eine freiberufliche Tätigkeit eingerichtet", sagt der Noch-Abgeordnete der FR. Das Angebot vom Rhein habe er "erst vor zwei, drei Wochen bekommen", betont der Volksvertreter, der jahrelang als Anwalt arbeitete, bevor er in den Bundestag ging.

Den neuen Brötchengeber, der zuletzt durch Liechtenstein oder Steuerhinterziehung von sich reden machte, nennt Wend "ein absolut seriöses Unternehmen". Sein künftiger Job zwischen Bonn, Brüssel, Berlin, Washington und Asien gleicht dem eines Konzern-Außenministers. "Gesellschaftliche Verantwortung, Nachhaltigkeit - da lässt sich viel gestalten; eine echte Herausforderung", freut sich der Seitenwechsler.

In der SPD gehört Wend zum konservativen Seeheimer Kreis. Er hat Arbeitsmarktreformen sowie Kohlekraftwerke verteidigt und zu Aufgeschlossenheit gegenüber der Gentechnik gemahnt. Die Post will er "zukunftsfähig machen": Strenge Ziele für den CO2-Ausstoß gelber Autos, emissionsarme Frachtflugzeuge und schonender konzerninterner Umgang mit Ressourcen fallen ihm als Stichworte ein. Auch Genossen, die ihm politisch nicht immer grün waren, nennen Wends Abgang "sauber". Sie erinnern daran, dass der künftige Lobbyist ein Gegner des Post-Mindestlohns gewesen sei. Ärgert er sich, dass just zur Bekanntgabe seines Einstiegs die Meldung umging, die Post wolle samstags keine Briefe mehr mehr befördern? "Das war ein Missverständnis", versichert der Neue.

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