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Prozess gegen Ex-Infineon-Chef eingestellt Schumacher im siebten Himmel

"Das kriegen Sie von uns schwarz auf weiß, Herr Schumacher", sagt der Richter: Der Hauptvorwurf der Bestechlichkeit sei nicht nachgewiesen worden. Staatsanwalt und Verteidigung stimmen zu. Von Thomas Magenheim

26.10.2009 13:10
Thomas Magenheim
Ulrich Schumacher, ehemals Chef von Infineon, muss sich wegen Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr, Untreue, versuchten Betrugs und Steuerhinterziehung vor Gericht verantworten. Foto: Foto: dpa

München. Der Korruptionsprozess gegen den früheren Infineon-Chef Ulrich Schumacher endet vorzeitig mit einem Freispruch in den Hauptanklagepunkten. Darauf hätten sich Staatsanwaltschaft und Verteidigung nach einer Beratung hinter verschlossenen Türen geeinigt, verkündete Richter Peter Noll am Landgericht München. Schumacher habe während der sechswöchigen Verhandlung keine Bestechlichkeit nachgewiesen werden können. Das deutet auf einen Freispruch mangels Beweisen. Das formelle Urteil will Noll diesen Mittwoch verkünden. "Sie bekommen es schwarz auf weiß, Herr Schumacher", versicherte er dem sichtlich erleichterten Angeklagten.

Sein Mandant werde nur wegen Steuerhinterziehung im Umfang von rund 10000 Euro zu einer höheren Geldzahlung verurteilt, ergänzte Schumacher-Anwalt Hanns Feigen. "Keine Bestechlichkeit, keine Untreue, kein Betrug", listete er die in sich zusammengebrochenen Anklagepunkte auf. Schumacher, der heute den chinesischen Chipkonzern Grace leitet, zeigte sich angesichts der Wendung im Prozess erfreut. Fünfeinhalb emotional hoch belastende Jahre seines Lebens seien nun vorüber und er habe seine Unschuld beweisen können.

Die Staatsanwaltschaft hatte ihm ursprünglich vorgeworfen, sich vom Geschäftspartner Udo Schneider die Teilnahme an Autorennen bezahlt haben zu lassen. Insgesamt seien 300 000 Dollar in Schumachers Taschen geflossen. Im Gegenzug habe Schneider Aufträge von Infineon erhalten. Während des spektakulären Prozesses gegen den einstigen Börsenstar war die Anklage nach und nach fragwürdig geworden. Geladene Belastungszeugen sagten Entlastendes aus. Kronzeuge Schneider verhedderte sich in Widersprüche und wurde unglaubwürdig.

Eine Verurteilung Schumachers sei unwahrscheinlich, hatte Noll danach erklärt. Der Prozess endete am Montag, vorzeitig, nachdem auch der als Zeuge geladene Infineon-Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley Schumacher entlastet hatte. Dieser sei 2004 nicht gefeuert worden, weil Infineon ihm Bestechlichkeit zur Last gelegt habe, sondern weil der damals vier Mitglieder zählende Vorstand total zerrüttet gewesen sei, sagte Kley. Zwar hätten die drei anderen damaligen Vorstände die Vermutung geäußert, dass Schumacher sich habe schmieren lassen. Das sei von der internen Revision und extern von einer beauftragten Kanzlei ohne große Ergebnisse nachgeprüft worden.

Nachgewiesen habe man Schumacher lediglich fünf ungenehmigte Charterflüge auf Kosten von Infineon. Außerdem habe er einen von der Firma bezahlten Gärtner privat genutzt. "Hinterbleibsel einer feudalen Zeit", kommentierte der Infineon-Oberaufseher. Für seinen Konzern dürfte der am Mittwoch ergehende Freispruch teuer werden. Denn Infineon enthält Schumacher bislang auch wegen der staatsanwaltschaftlichen Korruptionsvorwürfe 2,6 Millionen Euro Abfindung vor. Die will der vor seinem Freispruch stehende Topmanager, der bereits eine erste Abfindungsrate von 2,6 Millionen Euro erhalten hat, nun seinerseits vor Gericht erstreiten. Infineon will dies aber weiter gerichtlich verhindern. Bei einer Verurteilung hätte Schumacher jedoch Gefängnis gedroht und seine Managerkarriere wäre beendet gewesen.

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