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Postbank-Modell Deutscher Bank droht heißer Herbst

Der Stellenabbau im eigenen Haus verläuft zwar reibungslos. Doch Details zum Postbank-Modell sollen im September kommen. Dann könnte es nochmal spannend werden.

Postbank-Mitarbeiter
Déjà-vu: Im Herbst könnten die Postbank-Mitarbeiter auf die Straße gehen wie zuletzt 2015. Foto: dpa

Die Deutsche Bank bleibt trotz aller Bemühungen von Vorstandschef John Cryan die Skandalnudel der Branche. So dürften die Geschäftsbeziehungen zwischen Donald Trump und der Deutschen Bank – auch wegen möglicher Verbindungen des US-Präsidenten nach Russland - noch lange nicht vom Tisch sein. Seinen Jobabbau managt Deutschlands größtes Geldhaus indes auffällig unauffällig – noch. Denn ihm könnte ein heißer Herbst drohen.

Cryan hat die Stellenstreichungen quasi geerbt. Bereits sein Vorvorgänger Josef Ackermann hatte sie eingeleitet, das Führungsduo Anshu Jain und Jürgen Fitschen setzte sie fort. Unter Cryan kam dann der Kahlschlag: Weltweit sollen bis 2018 unter dem Strich 9000 Arbeitsplätze im eigenen Haus wegfallen, davon 4000 in Deutschland, wie der Brite im Oktober 2015 ankündigte. „Ich versichere Ihnen, dass wir diesen Stellenabbau auf eine faire Art und Weise in Rücksprache mit unseren Betriebsräten vornehmen werden“, sagte er damals.

Die Verhandlungen waren langwierig, aber Cryan scheint Wort gehalten zu haben. „Verständlicherweise ist so ein Thema mit hoher Emotionalität besetzt“, sagte Jan Duscheck von der Gewerkschaft Verdi, der im August 2016 gerichtlich zum Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Bank bestellt wurde, der Frankfurter Rundschau. „Gleichwohl läuft der Stellenabbau aber nahezu geräuschlos.“ Das sei vor allem dem Engagement der Betriebsräte zu verdanken. „Wo es Härtefälle gibt, suchen sie nach guten Lösungen für die Beschäftigten“, sagte er.

Das Ziel, im Privat- und Firmenkundenbereich in Deutschland 1945 Stellen zu streichen, werde wohl bis Ende 2017 erreicht sein. „Das läuft im Rahmen der Planung.“ Das bestätigte auch die Deutsche Bank: 85 Prozent der geplanten Stellenstreichungen in diesem Bereich sowie 175 der anvisierten 188 Filialschließungen seien bereits vollzogen worden.

Durch die Integration der Postbank könnten aber auch bei der Deutschen Bank weitere Stellen wegfallen. Mit dem Einstieg in die Postbank 2008, die seit 2015 eine hundertprozentige Tochter der Deutschen Bank ist, wollte diese in den Nullerjahren in großem Stil Privatkunden erreichen.

Nach misslungenen Integrationsbemühungen sei das Gros der Beschäftigten zuletzt auf einen Börsengang oder einen Verkauf eingestellt gewesen, sagte Duscheck. Im März dieses Jahres kam dann die Kehrtwende, über die vorab monatelang spekuliert worden war: Die Postbank soll in den Konzern integriert werden.

„Mit Blick auf die Vorgeschichte gab es Unmut unter den Mitarbeitern wegen des Schlingerkurses“, sagte der Bereichsfachgruppenleiter Bankgewerbe, der mit einem Verdi-Kollegen die Deutsche Bank betreut. „Die Wiedereingliederung bietet aber zumindest die Perspektive, dass bei der Postbank als Teil des Privatkundengeschäfts der Deutschen Bank möglichst viele Arbeitsplätze erhalten bleiben können“, fügte Duscheck hinzu.

„Die Integration wird Jobs kosten, und wahrscheinlich mehr, als wir neue schaffen können“, kündigte Cryan bereits an. Wie viele Mitarbeiter gehen müssen, eventuell auch noch einmal auf Deutsche-Bank-Seite, ist noch unklar. Es dürfte sich wohl insgesamt um eine Zahl im vierstelligen Bereich handeln.

„Wichtig ist uns, dass die Mitarbeiter nicht gegeneinander ausgespielt werden“, sagte Duscheck. Das Management stelle sein Zielmodell für die Postbank aber erst im Herbst vor. Diese hatte Stand Ende März 23.000 Beschäftigte, davon 10.700 Filialmitarbeiter. Bei der Deutschen Bank arbeiten derzeit weltweit 99.700 Menschen, davon 45.000 in Deutschland.

Die Wiedereingliederung der Postbank soll bis 2022 Synergien von 900 Millionen Euro bringen. Demgegenüber stehen allerdings Abfindungs- und Umbaukosten von rund einer Milliarde Euro. Zunächst wird aber mit Hochdruck am Geschäftsmodell gefeilt. Offen ist weiterhin, über welche IT-Plattform das gemeinsame Geschäft abgewickelt werden soll.

Insider gingen zunächst davon aus, dass die Wahl auf die modernere Postbank-EDV fällt. Da diese aber nicht eins zu eins auf das Deutsche-Bank-Geschäft übertragen werden könne, gebe es inzwischen Zweifel, heißt es.

Im September sollen Details zum Geschäftsmodell vorgelegt werden. Dann läuft auch die Tarifrunde für die Postbank an, in der sich Verdi auch für eine Verlängerung des Kündigungsschutzes bis Ende 2022 stark machen will. Erste Verhandlungen sind für den 4. und 25. September angesetzt. Die zunächst für Mai anberaumte Tarifrunde wurde abgesagt, weil die Verhandlungsführerschaft auf Postbank-Seite noch einmal gewechselt hatte.

Dass beide Termine nun zusammenfallen, dürfte der Gewerkschaft nicht ungelegen kommen. Es bestehe eine hohe Mobilisierungsbereitschaft, sagte Duscheck: „Notfalls sind wir auch streikfähig.“

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