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Plastikmüll Besser leben ohne Plastik

Frankreich zieht in den „Krieg gegen Plastik“. Verpackungen aus nicht-recyceltem Material sollen teurer werden. Die deutsche Industrie bastelt an eigenen Methoden.

Plastiktüte
Braucht man zum Einkauf von Obst wirklich eine Plastiktüte? Foto: Marcel Kusch (dpa)

Zumindest verbal geht Brune Poirson die Sache ziemlich martialisch an. „Der Krieg gegen Plastik ist erklärt“, sagte die Staatssekretärin im französischen Umweltministerium in einem Interview. Ihre Ankündigung wurde auch in Deutschland vernommen und begrüßt. Allerdings hat die Industrie hierzulande schon einen anderen Weg eingeschlagen.

Jeder Bundesbürger erzeugt pro Jahr rund 37 Kilogramm Plastikmüll. Das hat das Kölner Institut der Deutschen Wirtschaft errechnet. Die Menge ist in den vergangenen zehn Jahren um 30 Prozent gestiegen. In der EU werden nach Angaben der Deutschen Umwelthilfe (DUH) jedes Jahr 49 Millionen Tonnen Kunststoff in Verkehr gebracht. Tendenz steigend. Und damit wächst eines der größten Umweltprobleme. Die Lage verschärft sich für die Europäer noch dadurch, dass China seit Jahresbeginn keinen Plastikmüll vom Alten Kontinent mehr annimmt – bislang war der Export in die Volksrepublik einer der wichtigsten Wege gewesen, um sich des Abfalls zu entledigen.

In Europa fehlt es nun massiv an Anlagen zur Wiederverwertung. Auch deshalb ist der Anteil des recycelten Materials am gesamten Plastik-Absatz in der EU ist sehr gering – er macht nach Schätzungen der DUH nur vier bis sechs Prozent aus. Die Lage verschärft sich noch dadurch, dass es schwerer wird, den gebrauchten Verpackungen ein zweites Leben zu ermöglichen. „Immer häufiger werden Verpackungen hergestellt, die faktisch nicht mehr recyclingfähig sind“, erläutert Thomas Fischer, Experte für Kreislaufwirtschaft bei der DUH. Tüten, Folien und Schalen werden zunehmend aus komplexen, mehrschichtigen Verbundmaterialien hergestellt, die zwar dafür sorgen, dass beispielsweise Obst und Gemüse sich länger halten. Aber es ist viel zu aufwendig und zu teuer, die verschiedenen Stoffe wieder zu trennen, um aus ihnen neue Produkte machen zu können.

Deshalb jetzt die Kriegserklärung der Staatssekretärin. Ihr Ziel: 2025 soll es im Nachbarland nur noch Verpackungen aus wiederverwertetem Plastik geben. Sie will dafür neue Steuern einführen: Produkte, die mit Recycling-Plastik umhüllt sind, sollen bis zu zehn Prozent billiger werden. Hingegen sollen Waren in „frischen“ Kunststoffverpackungen zehn Prozent aufschlagen.

Die Grünen-Vorsitzende Annalena Baerbock solidarisiert sich mit Poirson: „Frankreich geht jetzt den richtigen Weg“, sagte sie der FR. „Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch eine sinnvolle wirtschaftspolitische Maßnahme. Denn umweltschädliches Verhalten muss einen Preis haben.“ Union und SPD stünden hierzulande hingegen im Kampf gegen die Plastikflut auf der Bremse.

Die französische Staatssekretärin greift Vorschläge auf, die seit Monaten in der Europäischen Union diskutiert werden. So hatte unter anderem Haushaltskommissar Günther Oettinger eine europäische Plastiksteuer ins Gespräch gebracht – deren Einnahmen den EU-Etat aufpolstern sollten. Zudem hat die Kommission vorgeschlagen, bei bestimmten Produktgruppen Plastik komplett zu verbieten. Baerbock unterstützt auch dies: „Plastik muss überall dort verbannt werden, wo es Alternativen aus nachwachsenden Rohstoffen gibt. Aus Plastikhalmen würden dann wieder Strohhalme werden. Wir fordern daher die Bundesregierung auf, die entsprechenden Vorschläge der EU-Kommission zu unterstützen.“

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