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Plastikfolien bei Werbeaussendungen Unterschriften gegen die Plastikfolie

Der 19 Jahre alte Fabian Lehner tritt mit seiner Petition gegen die Plastikfolie von „Einkauf Aktuell“ eine Lawine los. Die Deutsche Umwelthilfe hat mittlerweile errechnet, dass die seit zwölf Jahren existierende Werbesendung per annum 2886 Tonnen Plastikmüll produziert.

Fabian Lehner
Fabian Lehner kämpft für folienfreie Werbezeitschriften. Foto: picture alliance / dpa

Samstag ist Plastiktag. Dann stopfen Postboten jedesmal knapp 21 Millionen Exemplare der Werbeaussendung „Einkauf Aktuell“ in die Briefkästen deutscher Haushalte. Das eine Fernsehzeitung und über ein halbes dutzend Werbebroschüren umfassende Päckchen will nicht jeder wirklich haben und es ist von Plastik umhüllt. „Ich hab mich fürchterlich drüber aufgeregt, als es diesen Mai zum ersten Mal in meinem Briefkasten war“, sagt Fabrian Lehner in unverkennbar bayerischem Tonfall. Unerwünschte Werbung könne er noch akzeptieren, aber in Plastik eingewickelte nicht mehr. Der 19-jährige aus Simbach am Inn wollte sich aber nicht nur ärgern sondern handeln. Nun hat er eine Lawine losgetreten und ist selbst überrascht.

„Mit so viel Unterstützung hätte ich nicht gerechnet“, gesteht der junge Mann, der sich als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr und Informatik-Assistent nicht wie ein typischer Umweltaktivist fühlt. Der erste Kontakt mit der Deutschen Post in Sachen „Einkauf Aktuell“ und Plastikmüll war ernüchternd. „Keine Antwort“, fasst Lehner ihn zusammen. Dann wurde er auf die Petitionsplattform change.org aufmerksam, ihrer Art die größte weltweit. Ende Mai 2014 hat er dort eine Kampagne gegen die Plastikfolie des Dax-Konzerns gestartet, um Mitstreiter und Aufmerksamkeit zu gewinnen. Eine neue Variante des Ringens eines Davids gegen einen Goliath hatte begonnen.

Ende Juli waren 68 000 Unterschriften gesammelt und die Post zu einem ersten Treffen bewogen. Das war allerdings nach 15 für Lehner enttäuschenden Minuten wieder vorbei. Ein Missverständnis sei das damals gewesen, sagt Post-Sprecher Erwin Nier. Man habe nicht gewusst, dass Lehner mehr als nur Unterschriften übergeben, sondern in der Sache ernsthaft diskutieren wollte.

Gut drei Monate und mehr als doppelt so viele Unterschriften später trafen sich David und Goliath dann Anfang November in München auf Augenhöhe. Drei Stunden lang diskutierten Lehner, Post und Experten des jeweiligen Vertrauens, wie „Einkauf Aktuell“ weniger umweltschädlich oder vorzugsweise ganz ohne Plastikhülle zu verteilen ist. Die Deutsche Umwelthilfe hat mittlerweile errechnet, dass die seit zwölf Jahren existierende Werbesendung per annum 2886 Tonnen Plastikmüll produziert. Das entspricht immerhin dem Verbrauch an Kunststoffverpackungen von mehr als 80 000 Bundesbürgern, also einer Stadt wie Worms.

Lehner konfrontierte die Post mit dem Beispiel Ikea. Der Möbelhändler heftet eigene Werbung unter Verzicht auf Plastik per Klebepunkt zusammen. Man könne die einzelnen Werbebroschüren von „Einkauf Aktuell“ auch dadurch vor dem Zerfleddern schützen, indem man sie ineinandersteckt und faltet oder mit einer Banderole bündelt, findet der Niederbayer.

Die Post versprach, Alternativen zum Plastik zu prüfen und auch, wie man die Folie wenigstens zur Hälfte aus Recyclingmaterial fertigt. Gegenüber neu aus Erdöl hergestelltem Plastik wäre das eine Energieeinsparung von rund 80 Prozent und schon einmal ein erfreulicher Fortschritt, sagt BUND-Umweltexperte Johann Meindorfer. Er war Teil der jüngsten Expertenrunde und berät Lehner.

Nächstes Treffen Ende Januar

Für Ende Januar 2015 wollen die Post und ihr Kritiker sich wieder treffen, um dann möglichst eine Lösung zu finden, mit der beide Seiten zurechtkommen, sagt Nier. Seine Petition lässt Lehner vorerst dennoch weiterlaufen. Man wisse ja nie, wie ernst es die Post wirklich meint, wenn der von ihm entfachte Medienrummel einmal nachlässt. „Es ist besser, wenn der Druck bleibt“, findet der misstrauische Aktivist.

Wer „Einkauf Aktuell“ nicht haben will, brauche übrigens an seinem Briefkasten nur einen entsprechenden Aufkleber anbringen, merkt Nier an. Briefträger seien angewiesen, das nicht zu ignorieren. Die Post reagiere auf solche Willensbekundungen zudem damit, dass man weniger Exemplare der Großwerbesendung produziert. So könnte jeder seinen Teil zur Eindämmung der Werbeflut beitragen.

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