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Pille danach Kurswechsel bei „Pille danach“

Gesundheitsminister Hermann Gröhe beharrt nicht länger auf Rezeptpflicht für die „Pille danach“ . Die Beratung soll künftig in Apotheken stattfinden.

Die „Pille danach“ Pidana muss spätestens 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Foto: imago/epd

Hermann Gröhe ist kein konservativer Hardliner, vielmehr wird er für sein pragmatisches Herangehen an die Probleme im Gesundheitswesen von vielen Seiten gelobt. Doch in einem Punkt zeigte sich der Bundesgesundheitsminister bisher hartleibig: Eine Aufhebung der Rezeptpflicht für die „Pille danach“ lehnte der CDU-Politiker strikt ab, was bereits kurz nach dem Amtsantritt der großen Koalition zum Streit mit der SPD führte. Doch nun könnten europäische Gremien Deutschland dazu zwingen, die „Pille danach“ doch frei zu geben. Gröhe hat daher einen Kurswechsel angedeutet.

„Wir haben jetzt endlich die Chance, die Rezeptfreiheit der „Pille danach“ auch in Deutschland durchzusetzen“, sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Hilde Mattheis, der FR. Erfahrungen in anderen Ländern zeigten, dass die „Pille danach“ dazu beitrage, Schwangerschaftsabbrüche zu verhindern. Deshalb trete die SPD schon lange dafür ein, die Rezeptpflicht aufzuheben. „Frauen können die „Pille danach“ auch ohne ärztliche Verschreibung sicher und effektiv anwenden“, betonte auch ihre SPD-Fraktionskollegin Mechthild Rawert.

Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA hatte sich am vergangenen Freitag dafür ausgesprochen, die „Pille danach“ mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat (Handelsname Ellaone) von der Verschreibungspflicht zu befreien. Folgt die Europäische Kommission ihrer Empfehlung, was üblich ist, würde das für die gesamte Europäische Union gelten. Bedeutung hätte das aber vor allem für Deutschland – in den meisten Nachbarländern (außer Polen) sind derartige Präparate bereits verschreibungsfrei.

Gröhe deutet Schwenk an

Ellaone ist ein relativ neues Medikament, weshalb die EMA zuständig ist. Die alleinige Freigabe dieses Präparates würde allerdings in Deutschland für ein Durcheinander sorgen. Denn es gibt ein zweites, älteres Präparat: Pidana mit dem Wirkstoff Levonorgestrel. Um die Freigabe dieses Medikamentes ging es bisher bei dem Streit in Deutschland.

Die für Pidana zuständige deutsche Zulassungsbehörde Bfarm hatte Anfang des Jahres empfohlen, das Präparat aus der Rezeptpflicht zu entlassen. Entsprechende Anträge der Bundesländer, die die SPD unterstützte, blockierte die Bundesregierung jedoch auf Initiative Gröhes. Der Gesundheitsminister argumentierte stets, für das Notfall-Kontrazeptivum sei eine intensive Beratung nötig, die nur der Arzt leisten könne.

Nachdem die Entscheidung der EMA bekannt worden war, deutete Gröhe allerdings einen Schwenk an. „Wenn diese Beratung aufgrund einer Brüsseler Entscheidung zukünftig nicht mehr zwingend durch einen Arzt vorgenommen werden muss, ist eine intensive Beratung auch in den Apotheken der richtige Weg“, erklärte er. Er werde die Frauenärzte, die Apotheken und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm) dazu einladen, gemeinsam Kriterien für eine qualitativ hochwertige Beratung zu entwickeln.

Medikamente unterscheiden sich voneinander

Mattheis begrüßte die Äußerungen. „Die Apotheker sind in der Lage und aufgrund ihrer Berufsordnung auch verpflichtet, eine kompetente Beratung zu leisten“, sagte sie. Die Apotheker könnten auch dafür sorgen, dass es eine vertrauliche Gesprächssituation gebe. Rawert betonte, mit der Beratung in den Apotheken werde gewährleistet, dass bei Verhütungspannen Frauen flächendeckend Zugang zu Schwangerschaftsverhütungsmitteln haben: „Gerade in ländlichen Gegenden werden ihnen so höchst unwürdige Situationen erspart.“

Die SPD forderte Gröhe auf, nicht nur Ellaone freizugeben, sondern auch Pidena auf Levonorgestrelbasis. Der Wirkstoff sei gut erforscht und preiswerter. Rawert erinnerte daran, dass sich auch die Weltgesundheitsbehörde WHO für die Aufhebung der Rezeptpflicht für Levonorgestrel ausgesprochen hat.

Die Medikamente unterscheiden sich voneinander. Während Pidana spätestens 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr geschluckt werden muss, kann man sich bei Ellaone bis zu 120 Stunden Zeit lassen. Dafür existieren für das neuere Präparat Ellaone bisher weniger Daten zur Sicherheit. Außerdem ist sie mit 35 Euro etwa doppelt so teuer wie Pidana.

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