Lade Inhalte...

Pharma-Konzern Sanofi Forscher Abbau der Forschung

Der Pharma-Konzern Sanofi stellt sich neu auf und kappt in Frankfurt mehr als 330 Stellen. Sanofi leidet zunehmend unter dem Druck der Generika-Hersteller, die günstigere Nachahmerprodukte auf den Markt bringen.

03.11.2011 18:22
Peter Dietz
Frankfurt ist größter Fertigungsstandort für Insuline. Foto: DPA/F. von Erichsen

. Sanofi streicht in Frankfurt jeden vierten Arbeitsplatz in der Forschung. Mehr als 330 Beschäftigte im Industriepark Höchst sind von dem Stellenabbau betroffen. Das bestätigte eine Konzernsprecherin am Mittwoch auf Anfrage der FR. Die Jobs sollen bis Ende kommenden Jahres abgebaut sein.

Das sei ein „massiver Einschnitt“, sagte Klaus Weihl, Betriebsratsmitglied bei Sanofi, gestern der Frankfurter Rundschau. Die Arbeitnehmer waren am Mittag bei einer Betriebsversammlung in der Jahrhunderthalle von den Plänen des Managements unterrichtet worden.

Betriebsrat Weihl und seine Kollegen befürchten, dass auf Dauer der gesamte Standort mit seinen noch 6240 Mitarbeitern „in den Grundfesten erschüttert“ wird. Denn laut einer Rahmenvereinbarung ende der vereinbarte Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen sechs Monate nach Vorstellung einer Neuausrichtung im Bereich Forschung und Entwicklung. Und da am Mittwoch der Wirtschaftsausschuss zu diesem Thema getagt habe, könnten schon Ende Mai 2012 die ersten Kollegen gefeuert werden. „Die Zeiten sozialpartnerschaftlichen Stellenabbaus sollten mit dem heutigen Tag vorbei sein“, heißt es in einem Flugblatt.

Angst vor Kündigungen

Es sei das Ziel, betriebsbedingte Kündigungen zu vermeinen, sagte die Sanofi-Sprecherin. Man werde nun mit den Vertretern der Arbeitnehmer über sozialverträgliche Maßnahmen verhandeln. Hintergrund des Stellenabbaus sei die globale Neuausrichtung der Forschung im Konzern. Dieser Prozess habe 2009 begonnen und werde nun fortgesetzt.

Weltweit soll es künftig vier Entwicklungszentren geben – je eines in den USA und in Asien sowie in Frankreich und Deutschland. In Frankfurt etwa sollen künftig rund 1000 Mitarbeiter forschen und sich dabei viel stärker als bisher „externer Quellen“ bedienen, sagte die Sprecherin. Die Produktion am Standort Höchst sei von den Maßnahmen nicht betroffen, betonte sie.

Ende vergangenen Jahres hatte Sanofi das Aus für seine Tierversuchsanstalt Kastengrund bei Hattersheim verkündet. 110 von 190 Beschäftigten verlieren im Zuge dessen ihren Job in dieser Forschungseinrichtung. Zuvor hatten schon rund 150 Frauen und Männer aus verschiedenen Entwicklungsabteilungen das Unternehmen verlassen müssen.

Druck der Generika-Hersteller

Diesen Trend sah der Betriebsrat von Beginn an mit Sorge. Es gehöre zur aktuellen Firmenstrategie, dass immer mehr Projekte gekauft werden, die bereits in einem fortgeschrittenen Entwicklungsstadium sind, hieß es. Dies gehe zulasten eigener Forschung. Mittelfristig werde das auch die Fertigung treffen, fürchten die Betriebsräte. Es sei bekannte Tatsache: Wo die Forschung ist, wird auch die Produktion sein.

Wie andere forschende Pharmaunternehmen, steht Sanofi zunehmend unter Druck der Generika-Hersteller. Denn läuft der Patentschutz wichtiger Umsatzbringer aus, können andere Firmen die Wirkstoffe nutzen und sogenannte Nachahmerpräparate preisgünstig auf den Markt bringen. Dabei profitieren die Generika-Hersteller davon, dass sie sich hohe Kosten für aufwendige Studien und Dokumentation sparen.

In Frankfurt erforschen derzeit noch 1400 Leute unter anderem Medikamente gegen Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes. Im Industriepark Höchst wird auch produziert. Frankfurt ist mit 6240 Beschäftigten weltweit einer der größten Fertigungsstandorte für Insuline.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen