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Pharma Abwehrreaktion auf Impf-Allianz

Die Impf-Allianz Gavi von Bill und Melinda Gates soll Kinderleben retten. Doch die Bielefelder Buko Pharma-Kampagne kritisiert: Gavi werfe "Entwicklungshilfegeld ohne Not aus dem Fenster".

20.04.2010 00:04
Jutta Maier
Bill Gates Foto: AFP

Das Ziel der unter anderem von Bill und Melinda Gates gegründeten Impf-Allianz Gavi ist ein hehres: Millionen Kinderleben in Entwicklungsländern will sie retten durch einen besseren Zugang zu Impfstoffen. Doch über die Wege dorthin lässt sich streiten. So kritisiert die Bielefelder Buko Pharma-Kampagne, Gavi wolle "Entwicklungshilfegeld ohne Not aus dem Fenster werfen".

Von den 1,5 Milliarden Dollar, die Gavi in den Kauf von Pneumokokken-Impfstoff investieren will, fließe der Großteil in die Taschen großer Pharmakonzerne, rügt Jörg Schaaber in der März-Ausgabe des Kampagnen-Newsletters.Die Pharma-Kampagne ist eine Aktion der Bundeskoordination Internationalismus, einem Zusammenschluss von 200 Dritte-Welt-Aktions- und -Solidaritätsgruppen sowie Einzelpersonen. Auch Oliver Moldenhauer von Ärzte ohne Grenzen spricht von "großen Mitnahmeeffekten" seitens der Pharmaindustrie.Die Kritik richtet sich gegen das Prinzip des Advance Market Commitment (AMC), das bei der Pneumokokken-Impfung erstmals zur Anwendung kommen soll. Es bevorzuge große Pharmakonzerne, da sich Universitäten und kleine Unternehmen die nötigen Investitionen nicht leisten könnten, sagt Schaaber.

Den Firmen - in diesem Fall die Pharmariesen Pfizer und Glaxo Smith Kline - wird die Abnahme von Pneumokokken-Impfstoff in großen Mengen zum Festpreis garantiert. Pneumokokken-Infektionen verursachen Lungenentzündung und Meningitis, woran vor allem in Afrika und Asien jährlich 1,6 Millionen Menschen sterben. Vereinbart wurden sieben Dollar pro Dosis für 20 Prozent des Impfstoffes, später sinkt der Preis auf je 3,50 Dollar - ein Bruchteil des Preises in Europa von etwa 66 Euro. Die Konzerne verpflichten sich, 300 Millionen Impfdosen über zehn Jahre hinweg günstiger abzugeben. 900.000 Menschenleben will Gavi so bis 2015 retten.

Schaaber rügt, die Produktionskosten pro Impfdosis würden laut von Gavi befragten Experten nur auf ein bis zwei Dollar geschätzt - in etwa so viel, wie die armen Länder nach einer kurzen Übergangszeit selbst tragen sollen. Die 1,5 Milliarden Dollar Anschubhilfe finanzierten also vor allem die Gewinne der Hersteller. Zudem sei der Preis von sieben Dollar auf Wunsch der Industrie zustande gekommen, der die geplanten fünf Dollar pro Dosis für den Bau neuer Produktionsstätten zu wenig waren.

Gavi sei einerseits eine wichtige Institution, um Basisimpfungen für Entwicklungsländer zu finanzieren, findet Moldenhauer. Sie agiere aber zu lasch, wenn es darum gehe, "Druck auf die Pharmaindustrie und ihre Preise" auszuüben. Zumal Glaxo Smith Kline als einer der Hauptempfänger des Geldes bis 2011 im Gavi-Vorstand sitze. "Gavi sollte mehr nach Alternativen zu Großkonzernen suchen, etwa die engere Zusammenarbeit mit Produzenten in Schwellenländern wie Indien."

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