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Pflegenoten Wie gut sind die Heime wirklich?

Der Pflege-TÜV soll reformiert werden. Die bisher bekannten Details lassen hoffen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn muss nun Farbe bekennen.

Die Qualität von Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten ist in einer Gesellschaft mit immer mehr und immer länger lebenden Menschen von zentraler Bedeutung. Irgendwann sieht sich so gut wie jeder mit der Frage konfrontiert, welcher Anbieter hochwertige Leistungen erbringt und welcher nicht, ob als Pflegedürftiger oder Angehöriger. Insofern war das Benotungssystem von eins bis fünf, das 2009 für die Pflegeanbieter eingeführt und vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) umgesetzt wurde, eine im Grundsatz gute Idee.

Die konkrete Ausgestaltung des „Pflege-TÜV“ ließ allerdings zu wünschen übrig. Schwerwiegende Defizite wie etwa eine mangelhafte Flüssigkeitsversorgung konnten durch Nebensächlichkeiten wie sichtbar aushängende Wochenspeisepläne ausgeglichen werden. Insgesamt flossen 82 Einzelkriterien in die Gesamtnote ein. Ergebnis: Im Schnitt erhielten Heime und ambulante Dienste eine Eins vor dem Komma. Alles gut also? Eben nicht.

Von Beginn an wurde Kritik an der Notenermittlung laut – und sie wurde lauter: Die Pflegenoten böten kaum verlässliche Orientierung und seien im Gegenteil irreführend. 2015 schließlich setzte die Bundesregierung die Pflegenoten aus. Ein neues aussagekräftiges Bewertungssystem sollte bis Ende 2018 stehen. Bislang allerdings ist dieses erst in Ansätzen erkennbar. Mit einem Start ist frühestens Mitte 2019 zu rechnen. Die bisher bekannten Details lassen aber Besserung erwarten. So wird die Zahl der Einzelbewertungen drastisch sinken und auf wesentliche Kriterien reduziert.

Haben Pflegebedürftige in den vergangenen Monaten stark an Gewicht verloren? Wurden sie am Bett fixiert? Welche Schmerztherapien kommen zur Anwendung? Reicht die Flüssigkeitsversorgung aus? Gibt es aktivierende Angebote? Liegen sich Heimbewohner wund? Insgesamt sollen zehn „Ergebnisindikatoren“, die den aktuellen Zustand der Pflegebedürftigen abbilden, sowie 15 „Prozessindikatoren“ ausreichen, die die Abläufe, Maßnahmen und Angebote der Einrichtung bewerten helfen. Die einst so wichtigen Dokumentationspflichten hingegen treten in den Hintergrund. Stattdessen werden bislang unveröffentlichte bewohnerbezogene Prüfergebnisse des MDK berücksichtigt. Auf Gesamtnoten, die als Durchschnitt der Einzelbewertungen gebildet werden, will man verzichten. Es wird also ein wenig mehr Mühe und Zeit kosten, sich über die Qualität der einzelnen Pflegeangebote zu informieren. Angesichts der Tragweite, die den Entscheidungen für diesen Dienst oder jenes Heim innewohnt, scheint der Mehraufwand aber zumutbar, ja notwendig.

Offen bleibt die Frage, ob das MDK-Konzept unverfälscht umgesetzt wird. Zunächst muss der „Pflege-TÜV 2.0“ den Pflege-Qualitätsausschuss passieren, in dem neben den Krankenkassen auch Kommunalverbände, Pflegeberufe, Sozialhilfeträger, vor allem aber Pflegeheime und ambulante Dienste vertreten sind. Letztere hatten bereits vor 2009 maßgeblich zu dem irreführenden Pflegenotensystem beigetragen und damit flächendeckende Spitzenergebnisse sichergestellt.

Kommt es wieder so? Das letzte Wort zum runderneuerten Bewertungsverfahren hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Er wird dann Farbe bekennen müssen, auf wessen Seite er steht.

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