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Pflege Betonköpfe

Es ist unbegreiflich, dass sich die privaten Arbeitgeber in der Pflege immernoch gegen einen Tarifvertrag wehren. Doch geht die Strategie von Verdi auf, ist es unerheblich, ob sie zustimmen oder nicht.

Der Zug rollt und ist nicht mehr aufzuhalten. In der Pflege wird es in absehbarer Zeit flächendeckende Tarifverträge geben – mit oder ohne die privaten Arbeitgeber. Der Druck der Politik ist hoch, die Einigungsbereitschaft bei Gewerkschaften und den Wohltätigkeitsorganisationen – auch den kirchlichen – ist groß. Sobald ein Tarifvertrag steht, wird ihn Arbeitsminister Hubertus Heil für allgemeinverbindlich erklären. Das ist nach allen Äußerungen aus der Bundesregierung sicher.

Es ist nach wie vor unfassbar, wie sich die privaten Arbeitgeber in der Pflege verhalten. Tarifverträge sind für sie des Teufels. Sie benehmen sich wie Fabrikbesitzer im Frühkapitalismus. Dass Tarifverträge in Zeiten des Fachkräftemangels auch ein probates Mittel sind, um Personal in die Branche zu locken und ein gegenseitiges Abwerben von Beschäftigten zu verhindern, hat offenbar keiner der Verantwortlichen bisher verstanden. Lieber setzen sie auf gnadenlosen Konkurrenzkampf und die „emotionale Erpressung“ ihrer Beschäftigten, um Rendite zu machen. Die Pflege, so wird dem Pflegepersonal erklärt, sei so wichtig, dass die persönlichen Belange hintanzustellen seien. Leider verfängt das Argument oft genug. Auch die Gewerkschaften kommen oft nicht dagegen an.

Egal wie: Geht die Strategie von Verdi auf, wovon ausgegangen werden kann, spielt es keine Rolle mehr, was die privaten Arbeitgeber in dieser Hinsicht tun. Wenn sie klug sind, ändern sie jetzt schnellstens ihre Strategie und steigen in die anstehenden Tarifverhandlungen ein. Dann haben sie noch eine Chance, die Richtung mitzubestimmen. Bleiben sie bei ihrer harten Linie, dann wird über ihre Betonköpfe hinweg entschieden.

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