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Pestizide töten Bienen Schicksalstag für Bienen

Bienen sind für die menschliche Nahrungskette unverzichtbar. Die EU will sie künftig besser schützen, am Montag soll eine entscheidende Abstimmung dazu in Brüssel erfolgen.

Apis mellifera, die westliche Honigbiene, lebt gefährlich. Landwirtschaftliche Pestizide sorgen für den milliardenfachen Tod der fleißigen Arbeiterinnen. Foto: Getty Images

Bienen sind für die menschliche Nahrungskette unverzichtbar. Die EU will sie künftig besser schützen, am Montag soll eine entscheidende Abstimmung dazu in Brüssel erfolgen.

Lautlos sterben weltweit Milliarden von Bienen. Ein Verbot bestimmter Pestizide könnte die Bienen vor dem Aussterben retten, doch bisher konnten sich die EU-Länder nicht darauf einigen. Dieser Montag jedoch könnte ein guter Tag für die Bienen werden. Die EU-Kommission steht vor der entscheidenden Abstimmung zu einem Pestizidverbot. Unmittelbar vor dem EU-Votum hat Deutschland Bereitschaft signalisiert, für ein Teilverbot zu stimmen.

„Die Bundesregierung kann sich bei der Abstimmung in Brüssel eine Zustimmung zu dem Verbot vorstellen“, sagte der Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Voraussetzung dafür sei aber vor allem „eine Klarstellung der EU-Kommission, dass Deutschland in den Bereichen, die deutlich über den EU- Schutzstandard hinausgehen, sein höheres Schutzniveau für Bienen behalten kann“. Deutschland hatte den Einsatz der Pestizide, sogenannte Neonikotinoide, bereits 2009 deutlich eingeschränkt.

Täglich drei Millionen Blüten

Die EU-Kommission will den Einsatz von drei Pestiziden, zu deren Herstellern auch das deutsche Unternehmen Bayer gehört, für den Anbau von Mais, Sonnenblumen, Raps sowie Baumwolle für vorerst zwei Jahre verbieten. Diese Chemikalien stehen im Verdacht stehen, das Bienensterben zu verursachen.

Die Honigbiene gehört zu den wichtigsten Tieren der hiesigen Landwirtschaft. Ohne sie und andere wilde Bestäuber von Blüten wie Wildbienen, Fliegen, Schmetterlinge, Käfer, auch Fledermäuse und Vögel, stünde es schlecht um unsere Ernährung. Zwar werden Pflanzen, die uns die Grundnahrungsmittel liefern wie Weizen oder Reis, mit Hilfe des Windes bestäubt. Dennoch schätzt die Welt-Landwirtschafts- und Ernährungsbehörde FAO, dass 30 Prozent der Ernährung auf der Bestäuberleistung der Bienen beruht.

Ohne Insektenbestäubung müsste dieses Drittel der Nutzpflanzen mit anderen Mitteln bestäubt werden. Bis zu 75 Prozent unserer Kulturpflanzen wären von einem Produktivitätsrückgang betroffen, Pflanzen, die zwar nicht auf Platz eins des Speisenzettels stehen, die aber zu den nahrhaftesten und beliebtesten Nutzpflanzen gehören – darunter viele wichtige Obst- und Gemüsesorten wie Äpfel, Erdbeeren, Tomaten, Mandeln sowie Futterpflanzen. Blieben die Bestäuber aus, würde die Produktion geringer ausfallen, wenn nicht sogar ausbleiben.

„Wenn Sie das nächste Mal eine Biene sehen, dann denken Sie daran, dass ein Großteil der Nahrungsmittel, die wir zu uns nehmen, maßgeblich von Insektenbestäubung abhängt“, berichtet Greenpeace im Report Bye-bye Biene. „Die Schäden, die durch das komplette Fehlen von bestäubenden Insekten entstünden, werden auf 190 bis 310 Milliarden Euro pro Jahr weltweit geschätzt!“, heißt es in einer Studie der Stiftung Mensch und Umwelt.

Der Film „More than Honey“, der das Wunderwerk der Natur in eindrücklichen Bilder aus der ganzen Welt eingefangen hat, beschreibt die Folgen einer Bienen-losen Welt. Dazu reisten Imhof und sein Team nach China. Dort ist die Welt ohne Bestäuber bereits regional Realität. Prompt ist eine neue Branche entstanden – die der Pollensammler. Händler kaufen den Bauern Blüten ab und verarbeiten sie zu Pollenpulver. Der Pollen wird von der einen Blüte abgesammelt, in Tütchen verpackt und oft Hunderte von Kilometern weiter ins Land transportiert, um dort fein säuberlich mit dem Pinsel eine ferne Apfelblüte zu bestäuben.

Die Biene macht es einfacher, vor allem auch kostengünstiger: Denn ein einziges Honigbienenvolk kann pro Tag bis zu drei Millionen Obstblüten bestäuben. Wenn Wildbienen, von denen es allein in Mitteleuropa mehr als 500 Arten, weltweit sogar rund 30.000 Arten gibt, eine Kultur besuchen, werden dort sogar rund doppelt so viele Blüten befruchtet wie beim Besuch von Honigbienen. Die Forscher vermuten, dass Wildbienen nicht mehr Pollen transportieren, dafür jedoch qualitativ bessere. „Es könnte riskant sein, ausschließlich auf Honigbienen als Bestäuber zu setzen“, schreibt Jason Tylianakis von der Universität von Canterbury in Christchurch.

Hecken und Kulturstreifen

Die Forscher machen noch auf einen anderen Zusammenhang aufmerksam: Zwar hängen Weizen oder Reis nicht von Bestäubern ab, „doch auch diese Kulturen profitieren von den Hecken und Kräuterstreifen“ entlang der Kulturen, sagt Agrarökologe Josef Settele vom Umweltforschungszentrum Halle. Denn die Nutzpflanzen werden von saugenden Insekten wie Blattläusen und Zikaden befallen, die meist mit mäßigem Erfolg mit Insektiziden bekämpft werden.

In den Blüten der Ackerrandstreifen finden die natürlichen Feinde dieser Schädlinge wie Schlupfwespen reichlich Nahrung: Die Tiere legen je ein Ei in eine Blattlaus. Die Larve entwickelt sich in der Blattlaus und tötet sie dadurch ab. Die Folge: Die Zahl der Schädlinge nimmt ab – und damit der Ernteschaden auch ohne Chemie.

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