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Patientenberatung Zweifel an neutraler Beratung

Die Patientenberatung soll ab 2016 an ein Unternehmen vergeben werden, dass auch für Krankenkassen arbeitet. Wie neutral ist die Beratung in Zukunft?

Bei Problemen mit der Krankenkasse können sich Patienten an die UPD wenden. Foto: imago/MiS

Bürger, die sich an die Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD) wenden, haben oftmals ein Problem mit ihrer Krankenversicherung: Die Kasse will bestimmte Leistungen nicht übernehmen oder der Versicherte fühlt sich von der Versicherung unter Druck gesetzt. Bisher konnte sich der Ratsuchende sicher sein, neutral beraten zu werden. Künftig ist die Sache aber nicht mehr ganz so klar. Denn die Patientenberatung soll an ein Unternehmen vergeben werden, das auch für Krankenkassen arbeitet. Patientenschützer, Ärzte und auch Politiker warnen vor diesem Schritt.

Eine gesetzliche Patientenberatung wurde 2006 eingeführt. Beauftragt wurde damals die UPD, die als gemeinnützige GmbH organisiert ist. Gesellschafter sind der Sozialverband VdK, die Verbraucherzentrale Bundesverband und der Verbund unabhängige Patientenberatung. 80 Beschäftigte beraten kostenfrei vor Ort in 21 Servicestellen und über eine Hotline. Jährlich werden etwa 80 000 Gespräche geführt. Finanziert wird die UPD durch den Spitzenverband der Krankenversicherung, also durch die Versicherten selbst. Bisher fließen jährlich fünf Millionen Euro, ab 2016 werden es neun Millionen Euro sein.

Der Auftrag an die UPD zur Patientenberatung läuft aber nur bis Ende der Jahres. Für die Zeit ab 2016 wurde die Aufgabe vom Spitzenverband für sieben Jahre neu ausgeschrieben. Auch die UPD hat sich beworben, doch alles deutet darauf hin, dass diesmal ein anderes Unternehmen erfolgreich ist: Der auf Gesundheitsthemen spezialisierte Callcenter-Betreiber Sanvartis.

Sanvartis betreibt in Duisburg ein Callcenter und ist nach eigener Darstellung für verschiedene Krankenkassen unter anderem im sogenannten Versorgungsmanagement tätig. Dabei geht es etwa darum, Chroniker richtig zu beraten. Derartige, an sich gute „Beratungsleistungen“ von Kassen sind aber in Verruf geraten. Durch die Arbeit der UPD hatte sich herausgestellt, dass Kassen lange krankgeschriebene Versicherte mitunter unter Druck setzen, rasch wieder arbeiten zu gehen.

Unbekannt ist, ob Sanvartis damit etwas zu tun hat. Es bleibt aber zumindest fraglich, ob durch die Nähe des Unternehmens zu Kassen künftig noch eine wirklich neutrale Beratung der Patienten gewährleistet ist. Hinzu kommt, dass Sanvartis offenbar auch für die Pharmaindustrie arbeitet. So werden auf der Homepage einige große Pharmafirmen als Referenzen genannt.

Regionalstellen in Gefahr

Und noch etwas stört selbst Abgeordnete der großen Koalition: Man habe große Sorge, dass Sanvartis als Callcenter-Anbieter die 21 regionalen Beratungsstellen nicht weiter betreiben werde, sagte ein Parlamentarier der Frankfurter Rundschau. Dabei sei die Vor-Ort-Betreuung sehr wichtig, denn gerade bei Patientenangelegenheiten müssten Berge von Akten durchgearbeitet werden.

Der Patientenbeauftragte der Regierung, Karl-Josef Laumann, versicherte, er werde seine Zustimmung nur geben, wenn die Unabhängigkeit der Patientenberatung, die Regionalität und die Bürgernähe gewährleistet seien. Derzeit sieht es nicht danach aus, als könne Sanvartis diese Anforderungen erfüllen.

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