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Palmölplantagen in Sumatra Kämpfer gegen das Leid der Palmölsklaven

Auf den Palmölplantagen in Sumatra schuften die Arbeiter unter menschenunwürdigen Bedingungen. Der ehemalige Anwalt Masdon will das ändern – und riskiert viel.

Masdon
„Wir brauchen viele, die sich organisieren“: Masdon will noch mehr Arbeiterinnen und Arbeiter für seinen Kampf mobilisieren. Foto: Kathrin Hartmann

Am Ufer des braunen Flusses steht ein weißes Holzschild. „Harap hati-hati awas!!! Ada Buya“ steht da in frischer, roter Farbe. Eine Warnung vor Krokodilen. Die, sagt Masdon wütend, „kommt zu spät“. Eine Woche zuvor wurden hier zwei Frauen von einem Krokodil getötet. Sie hatten sich im Fluss gewaschen. Hier gibt es kein fließendes Wasser, der nächste Brunnen ist weit entfernt. Vom Ufer führt ein Pfad zu erbärmlichen Baracken, der Boden ist übersät mit Müll, ein Streifen Matsch stinkt bestialisch: eine offene Kloake. Nicht mal Plumpsklos gibt es hier, wo die Arbeiterinnen und Arbeiter leben.

Das Elend, in das mich Masdon geführt hat, liegt in einer riesigen Palmölplantage in Nordsumatra. Dort ließen die niederländischen Kolonialherrscher schon 1911 die ersten Ölpalmen pflanzen. Heute sind zwei Drittel der indonesischen Insel damit bedeckt. Dass für das meistproduzierte Pflanzenfett der Welt Regenwälder vernichtet und Indigene vertrieben werden, dass Orang-Utans vom Aussterben bedroht sind – all das hat für Aufmerksamkeit und Kritik gesorgt.

Leben in der Isolation

Das Leid der Palmölsklaven aber ist tief in den Plantagen verborgen. Dabei sind gerade sie es, die diesen Rohstoff so billig und die Palmöl- und Konsumgüterindustrie so reich machen – weil sie gnadenlos ausgebeutet werden und ihre Löhne noch schlechter sind als zur Kolonialzeit. Deshalb kämpft Masdon seit mehr als 20 Jahren für sie. Keine ungefährliche Angelegenheit: „In der Soeharto-Ära saß ich deswegen schon im Knast und wurde gefoltert. Heute hetzen mir Palmölfirmen Polizisten auf den Hals, die mein Büro auseinandernehmen und mich bedrohen.“ Masdon ist deshalb nicht der richtige Name des ehemaligen Anwalts, der 51-Jährige nutzt ein Pseudonym.

Vor der Baracke steht eine Kiste, in der stinkende Fische an der Sonne trocknen. In den winzigen düsteren Räumen liegen Matratzen und Tücher auf dem Boden. Manche Familien leben hier seit Generationen – seit der Kolonialzeit. Vor der Hütte sitzen vier Frauen: Sprüherinnen, die Pestizide ausbringen. Sie töten das Unkraut an den Stämmen, damit die Palmfrüchte besser geerntet werden können. Bis zu 30 Kilo wiegen die Kanister, die sie auf dem Rücken tragen und bis zu zwölfmal am Tag wieder auffüllen müssen. „Wir haben Ausschläge und Atembeschwerden“, sagt eine Frau zögerlich und zeigt ein Stück Stoff. „Eine Schutzmaske bekommen wir einmal im Jahr. Wenn sie kaputt ist, müssen wir eine neue selbst kaufen.“ Bezahlen müssen sie die von den drei Euro, die sie am Tag verdienen.

Plötzlich bremst neben uns ein Motorrad. Nach einem kurzen Wortwechsel hastet Masdon zum Auto: „Schnell weg, der ist von der Security.“ Kein Wunder, dass die Frauen so verängstigt waren. Wer aufmuckt, kann schnell seinen Job verlieren und damit auch seine Lebensgrundlage.

Als wir die Plantage der Firma Rimba Mujur Makato, ein Sublieferant des Konzerns Unilever, im Juni 2014 besuchen, wird diese vom TÜV Rheinland inspiziert. Sie soll das begehrte Nachhaltigkeitssiegel des Roundtable on Sustainable Palmoil (RSPO) erhalten. Die vom WWF, Unilever und der Palmölindustrie gegründete Initiative ist hochumstritten, weil Mitglieder illegal abholzen und Menschenrechte verletzen. Erst 2016 belegte eine Studie von Amnesty International schwere Arbeitsrechtsverletzungen auf RSPO-Plantagen: Zwang zu unbezahlten Überstunden, Einsatz des hochgiftigen, in Europa verbotenen Gifts Paraquat und gefährliche, ausbeuterische Kinderarbeit.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Ideealisten

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