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P&R-Pleite Krumme Geschäfte mit Containern

Bei der Pleitefirma P&R gibt es erste Indizien, dass nicht alles mit rechten Dingen zugegangen ist.

Container
Das P&R-Modell sieht vor, dass Anleger keine Fondsanteile erwerben, sondern direkt einzelne Schiffscontainer. Foto: rtr

Wenn Licht in dunkle Ecken von Anlegerpleiten fällt, tritt dabei oft Unerfreuliches zu Tage. Auch im Fall der Münchner P&R als Marktführer bei der Anlage in Schiffscontainer, der vor vier Wochen Insolvenzantrag gestellt hat, zeichnet sich das ab. Gut 50 000 Anleger zittern dort um in der Summe bislang rund 3,1 Milliarden Euro.

Noch sind von den vorläufigen Insolvenzverwaltern Michael Jaffe und Philip Heinke längst nicht alle Ecken ausgeleuchtet. Aber klar ist mittlerweile, dass vor allem 2016 und 2017 von P&R Container verkauft wurden, um zugesagte Zahlungen an Anleger finanzieren zu können, wie Jaffe und Heinke sich in einem Zwischenfazit ausdrücken. Um die Sprengkraft dessen zu verstehen, muss man wissen, wie das P&R-Modell im Grundsatz funktioniert hat oder hätte sollen.

Anleger erwerben dabei keine Fondsanteile sondern direkt einzelne Schiffscontainer. Die mietet P&R zurück, um sie ihrerseits an Reeder weiterzureichen. Dabei wurden Anlegern hohe Renditen versprochen. Zuletzt haben die Mieteinnahmen aus der mutmaßlich 1,25 Millionen Einheiten umfassenden Containerflotte nicht mehr ausgereicht, um die Verpflichtungen gegenüber den Anlegern zu decken, haben Jaffe und Heinke festgestellt. Zumindest 2016 und 2017 habe P&R jedenfalls Container verkaufen müssen, um Rückzahlungen an Anleger leisten zu können.

Anlegerexperten sehen darin zumindest eine große Nähe zu illegalen Schneeballsystemen. Stefan Loipfinger spricht juristisch vorsichtig von einer „schneeballähnlichen“ Praxis. P&R ist dem Fachjournalisten erstmals 2004 negativ aufgefallen. Seit 2016 warnt er konkret davor, weshalb ihn die jüngste Pleite nicht überrascht. „Jahrelange Mietunterdeckung und Mieten, die aus Verkäufen bezahlt wurden, sprechen nicht für ein nachhaltiges Geschäftsmodell“, sagt Loipfinger. Er sieht klare Indizien, dass gemauschelt wurde und fragt sich, wie viele Container überhaupt noch vorhanden sind, um durch ihre Verwertung den Schaden für Anleger in Grenzen zu halten.

Die Frage nach der Anzahl der Container stellen sich auch Jaffe und Heinke. Sie müsste eigentlich leicht ermitteln zu sein, ist es aber nicht. Das liegt zum einen daran, dass die operativen Geschäfte der Anlegerfirma aus dem Münchner Nobelvorort Grünwald aus Zug in der Schweiz gesteuert wurden und die Datensysteme aus Zug und Grünwald angeblich vollständig voneinander getrennt sind. Wichtige Daten seien in der benötigten Form jedenfalls nicht vorhanden, bedauern die vorläufigen Insolvenzverwalter. Sie müssten nun in aufwendiger Kleinstarbeit ermittelt werden, wozu wegen des riesigen Volumens Hochleistungsrechner nötig seien.

Die Zahl der noch vorhandenen Container ist entscheidend bei der Frage nach eventuellen strafrechtlichen Verantwortlichkeiten seitens P&R und deren Wirtschaftsprüfern. Denn Letztere müssen im Detail gewusst haben, was vor sich geht und das wäre im schlimmsten Fall Anlagebetrug.

Klar ist: In mindestens einem Jahr bestand eine Mietunterdeckung von 50 Prozent – also nur die Hälfte dessen, was Anlegern versprochen wurde, hat P&R durch Container-Geschäfte mit Reedern refinanzieren können. Jaffe und Heinke wollen sich zur Frage nach einem Schneeballsystem nicht äußern bis die Bestandsaufnahme abgeschlossen ist. Das könnte Ende Mai soweit sein. Auf welchem Schaden Anleger am Ende sitzenbleiben könnten, ist völlig ungewiss.

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