Lade Inhalte...

Oxfam-Studie Null Punkte für Aldi, Rewe und Co.

Deutsche Einzelhändler stehen laut einer Oxfam-Studie in Sachen Umweltschutz, Transparenz und Menschenrechte beschämend schlecht da.

Cosa Rica
Plackerei auf einer Bananen-Plantage in Costa Rica. Foto: rtr

Der Discounter Aldi Süd will „den Anteil nachhaltig gewonnener Rohstoffe“ erhöhen sowie „negative ökologische und soziale Auswirkungen bei der Herstellung unserer Produkte minimieren“. Die „Übernahme von sozialer und ökologischer Verantwortung entlang der Produktions- und Lieferkette“ hat sich auch der Bruderkonzern Aldi Nord auf die Fahnen geschrieben. Bei Edeka bekennt man sich zum „Erhalt natürlicher Ressourcen“ sowie zu „stabilen und funktionierenden gesellschaftlichen Strukturen“. Lidl möchte „entlang der gesamten Lieferkette dazu beitragen, Ressourcen zu schonen, dem Tierwohl gerecht zu werden und das Leben der Menschen zu verbessern“. Rewe garantiert „die Einhaltung der Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) im Rahmen der jeweils geltenden nationalen Gesetzgebung“ und verpflichtet seine Lieferanten „zur Zahlung mindestens des geltenden gesetzlichen, tariflichen oder vertraglich vereinbarten Lohns“. Die Lieferanten wiederum seien verantwortlich, „diese Anforderungen auch für ihre Zulieferer sicherzustellen“.

Man könnte angesichts der löblichen Vorsätze meinen, es handele sich bei den führenden deutschen Lebensmittelketten mit einem Marktanteil von 85 Prozent um gemeinnützige Organisationen, die sich global um Umweltschutz und Arbeitnehmerrechte verdient machen. Tatsächlich ist eher das Gegenteil der Fall, wie eine aktuelle Studie der Menschenrechtsorganisation Oxfam nahe legt.

In einem Vergleich der 16 größten und am schnellsten wachsenden Supermärkte in Deutschland, den Niederlanden, den USA und Großbritannien stehen Aldi, Edeka, Lidl und Rewe in Sachen Umweltschutz, Menschenrechte und Transparenz beschämend schlecht da. „Keine dieser vier Ketten erzielte in irgendeinem untersuchten Bereich mehr als acht Prozent der möglichen Punktzahl. Deutschlands vier größte Supermärkte gehören damit zu den im globalen Vergleich am schlechtesten bewerteten Unternehmen“, heißt es in der Studie.

Vor allem die Bedingungen, unter denen Lebensmittel in den überwiegend ärmeren Weltregionen für die deutschen Einzelhandelsriesen produziert werden, entsprechen dem Oxfam-Bericht zufolge häufig nicht internationalen Arbeits- und Menschenrechtsstandards. Da werden die ohnehin kargen Mindestlöhne unterlaufen wie im Ananasanbau Costa Ricas. In Spanien, dem größten Erdbeerproduzenten Europas, klagen Pflückerinnen über sexuelle Übergriffe und Gewaltandrohungen seitens der Vorgesetzten. In anderen asiatischen, afrikanischen und lateinamerikanischen Ländern, aus denen der deutsche Lebensmitteleinzelhandel Wein, Kakao oder Bananen bezieht, gibt es Kinderarbeit, unbezahlte Überstunden, Gewerkschaftsverbote und den Einsatz hochgiftiger Pestizide ohne Schutzkleidung.

Dabei decken die Landarbeiterlöhne oft nicht einmal das absolute Existenzminimum ab. Dem Oxfam-Bericht zufolge sind 96 Prozent der Teepflückerinnen im indischen Assam mangelernährt. Oxfam vergab in der Kategorie Arbeiterrechte Aldi Nord und Süd, Edeka und Rewe jeweils null Punkte. Lidl erreichte zwei Prozent der möglichen Punktzahl.

Eden drei anderen, von Oxfam bewerteten Bereichen sieht es nicht viel besser aus. In der Kategorie Lage der Kleinbauern, die vor allem den Anteil der bäuerlichen Einkünfte am Endpreis berücksichtigt, erhielten Edeka, Rewe und beide Aldis immerhin noch vier Prozent der Punkte. Mit Blick auf Transparenz sowie besondere Maßnahmen zum Schutz von Frauen vor (sexueller) Gewalt gab es dagegen eine glatte Null. Etwas besser schnitt Lidl mit je acht Prozent für Transparenz/Kleinbauern ab. Doch auch hier: Null Prozent für den Schutz von Arbeiterinnen vor Gewalt.

Dass es auch deutlich besser geht, zeigen die beiden britischen Ketten Sainsbury’s und Tesco sowie der US-Händler Walmart. Sainsbury’s hat Tier- und Umweltschutzvereinbarungen mit Milchproduzenten getroffen, Walmart ergreift besondere Maßnahmen zum Schutz von Frauen, Tesco verpflichtet sich zu umfassenden Menschenrechtskontrollen und Transparenz, wofür der Konzern in diesen Kategorien 42 und 29 Punkte erhielt.

Solches, findet Oxfam, könnten die auch die großen deutschen Ketten leisten, zu denen unter anderem Netto (Edeka), Kaufland (Lidl), Penny und Toom (beide Rewe) gehören. Mit ihrer starken Marktposition könnten die Unternehmen soziale und ökologische Standards in der Lebensmittelproduktion durchsetzen und Menschenrechtsverletzungen verhindern, so die Autoren des Berichts. „Stattdessen missbrauchen sie ihre Macht, indem sie einen enormen Preisdruck auf Lieferanten ausüben und damit eine sozial gerechte und nachhaltige Lebensmittelproduktion erschweren oder sogar unmöglich machen.“

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen