Lade Inhalte...

Opels Image Eine Frage der Psychologie

Nach dem Ende der Querelen um eine Staatshilfe kämpft Opel gegen sein Verlierer-Image. Von Frank-Thomas Wenzel

Bei Opel ist durch die Staatshilfe-Querelen Sand ins Getriebe geraten. Foto: ddp

In den nächsten Tagen dürften die ersten Exemplare auf den Straßen gesichtet werden. Das Fahrzeug gehört zur Spezies der Familienautos. Der neue Meriva. Besonderes Merkmal: Die hinten angeschlagenen Fondtüren sollen es Eltern besonders leicht machen, die lieben Kleinen auf Kindersitzen festzuschnallen. Der Meriva ist ein Hoffnungsträger für den Autobauer Opel, der seit Neuestem ohne staatliche Hilfe auskommen will.

Autotester sind begeistert. Dennoch ist längst nicht ausgemacht, dass der Meriva ein Erfolg wird. "Die Diskussion über staatliche Hilfen für Opel war kontraproduktiv", sagt Willi Diez, Professor am Institut für Automobilwirtschaft der Hochschule Nürtingen-Geislingen. Da spielt viel Psychologie eine Rolle. Wer will schon mit einem Verliererauto über die Straßen fahren? Und da kursiert bei Kunden die Angst, dass sie bei einer Pleite keine Ersatzteile mehr bekommen, dass Garantieleistungen wegfallen. Obwohl beides unwahrscheinlich ist (ein Rechtsnachfolger würde Garantien übernehmen, Werkstätten würden für Ersatzteilnachschub sorgen), wirken diese Mechanismen auf den Verkauf.

Der Marktanteil von Opel in Deutschland ist nach einer Studie des Car-Center der Uni Duisburg-Essen in den vergangenen zwei Jahren rapide gesunken und lag im April mit 6,6 Prozent auf dem niedrigsten Wert seit 40 Jahren.

Der Wettbewerb ist hart. Autofahrer haben hierzulande die Wahl zwischen 40 Marken. Warum sollen sie sich ausgerechnet ein Auto von einem Hersteller in akuter Not kaufen? Laut Car-Center wurden vom neuen Astra zwischen Dezember 2009 und Mai 2010 rund 34.000 Fahrzeuge in Deutschland verkauft. Vom VW Golf waren es mit 135.000 etwa viermal soviel.

Für Car-Direktor Ferdinand Dudenhöffer kommt hinzu, dass Opel wegen der Querelen um die Staatshilfen monatelang gelähmt war. Für den Astra wurde nur sehr zurückhaltend geworben. Die Marketing-Abteilung habe den Astra-Start verpatzt. 15.000 Autos mehr hätten verkauft werden können. Die Geschäftsführung von Opel bemüht sich jetzt, das Verlierer-Image loszuwerden. In der Mittteilung über das Zurückziehen sämtlicher Bürgschaftsanträge in Europa wird auch erwähnt, dass für den neuen Astra 160.000 Bestellungen aus ganz Europa vorlägen, für den Meriva seien es bereits 30.000.

Für Opel dürfte die Lage trotzdem schwierig bleiben. Die Konkurrenten haben ihre Projekte vorangetrieben, während die Rüsselsheimer ums Überleben kämpften. Vor allem in der Kleinwagenklasse. So wie der Up von Volkswagen stehen viele Modelle vor der Markteinführung. Opel hingegen steht noch ganz am Anfang der Entwicklung eines komplett neues Autos, das unter der Bezeichnung Junior läuft.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen