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Opel Ohne Jobabbau zurück zum Erfolg

Der Autobauer Opel will mit einem ehrgeizigen Sanierungsplan bis zum Jahr 2020 wieder schwarze Zahlen schreiben.

Opel
Carlos Tavares in Rüsselsheim. Foto: afp

Carlos Tavares war am Donnerstag von Paris nach Rüsselsheim gekommen, um vor allem eins zu tun: zu appellieren. Mehrfach betonte der Chef der neuen Opel-Mutter PSA, dass die Situation beim hessischen Autobauer dramatisch sei und dass sie sich mit jedem Tag verschärfe. „Ich sage das freundlich und verantwortungsvoll“, beteuerte der Manager. „Und ich vertraue auf das Verantwortungsbewusstsein“.

Wen er damit meinte, sagte er nicht. Das war auch gar nicht nötig, denn den Teilnehmern der Pressekonferenz im Opel-Designcenter war klar, dass damit die Arbeitnehmervertreter und die Gewerkschafter angesprochen waren.

Ehrgeiziges Eckpunkte-Programm bis 2025

Tavares und der neue Opel-Chef Michael Lohscheller haben 100 Tage nach der Übernahme des Autobauers durch die Franzosen, die bislang Autos der Marken Peugeot, Citroen und DS gebaut haben, den sogenannten Zukunftsplan für die beiden neuen Marken Opel und Vauxhall vorgestellt. Es ist ein Eckpunkte-Programm bis zum Jahr 2025 und einer Zwischenstation 2020. Was sich die Manager da vorgenommen haben, ist äußerst ehrgeizig. Alswichtigste Prämisse formulierte Lohscheller: „Wir wollen unserer Ziele erreichen, ohne in Europa Werke zu schließen und ohne betriebsbedingte Kündigungen auszusprechen.“

Für Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug sind damit die maßgeblichen Voraussetzungen erfüllt, um nun konkret darüber zu verhandeln, was das für die Beschäftigten bedeutet. „Jetzt muss Konkretes auf den Tisch gelegt werden“, so der oberste Arbeitnehmervertreter. Dass die Belegschaft kleiner werden wird, ist auch ihm klar: „Wir werden sicher nicht alle frei werdenden Arbeitsplätze 1:1 ersetzen.“ Die Produktivität von Opel und der britischen Schwester Vauxhall müsse steigen.

19.000 Beschäftigte in Deutschland

Konkrete Zahlen über einen Arbeitsplatzabbau wollte am Donnerstag niemand nennen. Jobgarantien für die Beschäftigten in Deutschland bestehen bis Ende 2018. Doch es werde schon jetzt, so Lohscheller, über Kurzarbeit, Altersteilzeit und „innovative Arbeitszeitmodelle“ diskutiert. Der Automobilwissenschaftler Ferdinand Dudenhöffer hat hochgerechnet, dass „langfristig bis zu 6000 Stellen“ gestrichen werden müssen, um die Vorgaben von Tavares zu erfüllen. Das Unternehmen hat insgesamt rund 37.000 Beschäftigte, davon arbeiten mehr als 19.000 in Deutschland.

Der Portugiese Tavares schilderte noch einmal ausführlich, wie er PSA in gut fünf Jahren von einem Pleitekandidaten zu einem profitablen Unternehmen umgebaut hat. Mit gutem Grund: Das soll die Blaupause der Radikalkur für Opel sein. Um zu verdeutlichen, wie dringlich es Tavares ist, zeigte er auf großen Videowand im Designcenter die Kennziffern des Niederganges von Opel: Schrumpfen des Marktanteils in Europa von 9,22 Prozent auf 5,72 Prozent zwischen 1999 und 2016. Ein aufaddierter Verlust von 19 Milliarden Dollar im selben Zeitraum.

Und Schäfer-Klug machte klar, dass das Management nun endlich erkannt habe, dass Opel die Abgasziele für 2020 nicht erreichen kann, wenn alles so weiter wie bisher laufe. Zuvor habe er zwei Jahre lang vergeblich versucht, dem früheren Eigner General Motors die prekäre Situation klarzumachen. 95 Gramm Kohlendioxid darf die Neuwagenflotte von 2020 an noch in die Luft blasen. Derzeit sind es noch 130 Gramm.

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