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Opel Finstere Zeiten für Opel in Eisenach

Management und Betriebsrat von Opel können sich nicht auf einen Zukunftsplan verständigen. Wenn keine Einigung gelingt, steht das Werk in Eisenach vor dem Aus.

Betriebsversammlungen deutscher Opel-Standorte
Durchleben mal wieder schwere Zeiten: Opel-Beschäftigte auf dem Weg zur Arbeit. Foto: dpa

Der Streit über die Zukunft von Opel eskaliert. Verhandlungen des Managements mit der Arbeitnehmerseite treten auf der Stelle. Das Unternehmen zahlt eine ausgehandelte Tariferhöhung aus. Doch für das Werk in Eisenach sieht es immer finsterer aus.

Opel-Chef Michael Lohscheller schreibt in einer Botschaft an die Belegschaft des Autobauers, er hätte gerne angekündigt, dass die Konzernführung der Mutter PSA „ein neues Fahrzeug für das Werk in Eisenach genehmigt hat.“ Und weiter: „Leider muss ich Sie darüber informieren, dass diese Investition noch kein grünes Licht bekommen hat“, heißt es in der Mitteilung vom Montag, die der Frankfurter Rundschau vorliegt.

Der Hintergrund: Der französische PSA-Konzern (Peugeot, Citroën, DS) hat die Vergabe von Fertigungsaufträgen für die Opel-Werke von Zugeständnissen der Belegschaft des Rüsselsheimer Autobauers insbesondere bei der Bezahlung abhängig gemacht.

Bei Opel wird in den nächsten Tagen hingegen eine Erhöhung der Gehälter von 4,3 Prozent wirksam – das hat die Gewerkschaft IG Metall für die gesamte Metall- und Elektrobranche Anfang des Jahres durchgesetzt. Für Krisenzeiten sehen die Tarifverträge allerdings vor, zeitlich befristet auch unter Tarif zahlen zu können. PSA hat dies in den vergangenen Wochen bereits an Standorten in Großbritannien, Spanien und Polen durchgesetzt.

Lohscheller hatte mehrfach gefordert, hierzulande zumindest den 4,3-Prozent-Aufschlag zu stunden – solange noch über die Zukunft der Werke verhandelt wird. Opel-Betriebsrat und IG Metall haben dies abgelehnt. Zuletzt wurde Ende vergangener Woche ergebnislos verhandelt. Die 4,3 Prozent mehr würden jetzt ausbezahlt, sagte ein Opel-Sprecher.

Zugleich wird eine Entscheidung für Eisenach auf Eis gelegt. Dort wird bislang neben dem Kleinwagen Adam auch noch der Corsa montiert. Das neue Modell des Kompaktautos aber soll komplett im spanischen Saragossa gebaut werden. Ohne den Corsa ist die Fabrik in Thüringen bei weitem nicht ausgelastet und in ihrer Existenz bedroht. Doch PSA hat die generelle Zusage gegeben, dass dort vom nächsten Jahr an ein kompakter Geländewagen (SUV) gebaut wird. „Wir wollten bereits für das erste Halbjahr 2019 den Produktionsstart eines elektrifizierbaren Fahrzeugs bekanntgeben“, so Lohscheller in seiner Botschaft. Doch leider seien „die Bedingungen für eine Genehmigung einer solchen Investition nicht ausreichend erfüllt“.

Wie geht es nun weiter? Der Opel-Chef betont, dass sich beide Seiten darauf geeinigt hätten, die Gespräche fortzusetzen. „Wir können hier keine Zeit verlieren“, fügt er mahnend hinzu. Nun müsse man andere Wege finden, um die Wettbewerbsfähigkeit der hiesigen Standorte herzustellen, ergänzte ein Unternehmenssprecher. Es gehe dabei nicht nur um die Höhe der Bezahlung, sondern auch um eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten.

Andrea Nahles nimmt PSA in die Pflicht

Wie sehr sich die Lage bei dem traditionsreichen Autobauer zugespitzt hat, wird auch angesichts eines Appells von SPD-Politikern deutlich, der am Montag veröffentlicht wurde. Fraktionschefin Andrea Nahles sowie Sozialdemokraten aus den Bundesländern mit Opel-Standorten nahmen ausdrücklich PSA-Chef Carlos Tavares in die Pflicht: „Wir erwarten die Einhaltung der Zusagen für Investitionen und Beschäftigte aus dem letzten Jahr“, forderte Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel gemeinsam mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer und dem thüringischen Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee. „Dazu zählt auch die Vertragstreue bei Tarifverträgen“, mahnte Schäfer-Gümbel. Bereits in den kommenden Tagen müsse PSA beweisen, was die Zusagen wert sind. „PSA und Opel stehen vor einer Richtungsentscheidung, und wir warnen eindringlich vor einer Sackgasse“, so Schäfer-Gümbel.

PSA hat im August vorigen Jahres Opel und die britische Schwester Vauxhall vom US-Autobauer General Motors übernommen. Zugleich haben die Franzosen damit auch eine Reihe von Zusagen über Standorte und Arbeitsplätze in den drei deutschen Werken in Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach sowie im Rüsselsheimer Entwicklungszentrum übernommen, die teilweise bis über das Jahr 2020 hinaus reichen. Betriebsbedingte Kündigungen sind allerdings nur bis zum Ende dieses Jahres Tabu. Es geht um insgesamt rund 19.000 Arbeitsplätze.

Die IG Metall wehrt sich gegen Gehaltskürzungen, weil sie eine Aufweichung des Flächentarifvertrages und das Entstehen eines Niedriglohnsektors in der Branche befürchtet. Nach Informationen der Frankfurter Rundschau wird in Arbeitnehmerkreisen nun als möglicher Kompromiss über eine befristete Absenkung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 28 Stunden ohne Lohnausgleich nachgedacht. Damit könnte Opel die Personalkosten auf Zeit senken, ohne aus dem Tarifvertrag auszusteigen. Eine ähnliche Lösung wurde bereits in den 1990er Jahren bei Volkswagen praktiziert.

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