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Onlinewährung China stoppt den Bitcoin

Das kommunistische Land verbietet den Handel mit der Kryptowährung, der sich nur schwerlich kontrollieren lässt – und will stattdessen eine eigene digitale Währung einführen.

Bitcoin
Soll nach dem Willen der chinesischen Regierung nicht mehr in einer Reihe mit Dollar, Euro und Pfund stehen: der Bitcoin. Foto: Imago

Die chinesische Regierung drängt die digitale Währung Bitcoin systematisch aus dem Markt. Die Finanzaufsicht hat die entsprechenden Dienstleister aufgefordert, bis Ende Oktober ihre Geschäfte einzustellen. Eine Mehrheit der großen Anbieter will nun bereits bis kommende Woche allen Kunden ihre Guthaben zurückzahlen und den Handel einstellen. Auch die drei größten Spieler OKCoin, Huobi und BTC China stehen damit fast sicher vor dem Aus.

Derzeit läuft eine Übergangsfrist, in der Chinas Handelsplattformen ihre Geschäftsaktivität herunterfahren können. Ende Oktober wird das Volumen dort bei null ankommen; dann ist der Bitcoin-Austausch auf chinesischem Boden offiziell vorbei. An einer Bitcoin-Börse können andere Dienstleister und Privatnutzer die normale Landeswährung, in diesem Fall Yuan, gegen die Krypto-Coins anderer Marktteilnehmer handeln. Das Sterben der chinesischen Bitcoin-Handelsplätze lässt sich auf einschlägigen Webseiten, die das Handelsvolumen der Börsen darstellen, gut nachvollziehen. Während OKCoin in den vergangenen Monaten einen weltweiten Marktanteil von über zehn Prozent hatte, sind es nun bloß noch fünf Prozent. BTC China ist bereits von acht Prozent in die Bedeutungslosigkeit gefallen. Das Handelsvolumen und der Marktanteil der Bitcoin-Börsen in den Nachbarländern Südkorea und Japan sind entsprechend gestiegen.

Peking hat den neuen Kryptowährungen auf breiter Front den Kampf angesagt. Ein Bitcoin-Enthusiast berichtet auf Twitter, dass die großen Video-Plattformen des Landes seit kurzem seine Erklärvideos zurückweisen. Offenbar haben sie neue Zensuranweisungen bekommen. Auch die Finanzierung von Start-ups durch die Ausgabe von sogenannten Tokens auf Basis der Technologie hinter Bitcoin ist untersagt. 

Es ist jedoch die Haupteigenschaft von Bitcoin, sich nicht wirklich kontrollieren zu lassen. Die Nutzer können sie einfach auf ihren Rechnern speichern – oder den sogenannten privaten Schlüssel zu dem Geld auf Papier ausdrucken und notieren, um ihn sicher zu verwahren. Bitcoin lassen sich durch die Weitergabe einer Zahlungsadresse auch per E-Mail, Chat oder auf jedem beliebigen Kommunikationsweg übertragen. Gerade das hat Bitcoin in China so beliebt gemacht: Was mit den Coins passiert, ist den allzu neugierigen Augen des Staates weitgehend entzogen.
Analysten sehen in Chinas Kampagne gegen Bitcoin zwar einen Rückschlag, aber auch ein Zeichen des Erfolgs der Währungen neuen Typs. „Wenn ein großes Land wie China die Notwendigkeit sieht, den Handel zu unterbinden, dann zeigt das die Macht der neuen Technik“, schreibt Peter Van Valkenburgh von Coin Center, einer Forschungsstelle für Kryptowährungen. „Die Wirksamkeit so eines Verbots ist ohnehin fraglich.“

Gängelei kann umgangen werden

Findige Geschäftsleute bieten in China bereits Bitcoin-Geschäfte an, die über Instant Messaging laufen. Beliebt ist hier beispielsweise die russische App Telegram, die in China funktioniert und durch hohe Verschlüsselung vergleichsweise abhörsicher ist. Doch um auf diese Weise an Bitcoin aus dem Ausland zu kommen, bleibt ein altes Problem: China kontrolliert und deckelt Überweisungen über die Landesgrenze hinweg. Das Land hat seine Währung, den Yuan, auch nie für den freien Handel am Markt freigegeben. Peking behält damit die wichtigste Stellschraube des Wirtschaftsgeschehens unter Kontrolle.

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