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Online Modehandel Zalando Zalando macht sich fit für die Börse

Erst vor fünf Jahren startete Zalando in einem Berliner Keller. Inzwischen ist das Unternehmen der größte europäische Online-Modehändler. Nun gibt es ein neues ehrgeiziges Ziel für Zalando: den Gang an die Börse.

Viele Päckchen, die Zalando verschickt, kommen wieder zurück: Das treibt die Verluste in die Höhe. Foto: dpa

Erst vor fünf Jahren startete Zalando in einem Berliner Keller. Inzwischen ist das Unternehmen der größte europäische Online-Modehändler. Nun gibt es ein neues ehrgeiziges Ziel für Zalando: den Gang an die Börse.

"Wir starten in die letzte Runde“ verkündet Online-Modehändler Zalando derzeit auf seiner Website. Gemeint ist der Schlussverkauf – ans Aufhören denkt bei Europas größtem Online-Modehändler schließlich niemand. Das Berliner Unternehmen wächst rasant weiter. Im vergangenen Jahr kam 50 Prozent mehr Geld in die Kasse als im Vorjahr. Der Umsatz betrug 1,8 Milliarden Euro, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. Nun stellt es sich für einen Börsengang auf, der der größte einer Internetfirma in Europa seit Ende des Dotcom-Booms im Jahr 2000 werden könnte.

Es wäre die Krönung eines rasanten Aufstiegs. Erst fünf Jahre ist es her, seit Zalando gegründet worden ist. In einem Keller eines Berliner Altbaus packten Gründer Robert Gentz und David Schneide damals die ersten Pakete. Im Jahr 2010 wurde Rubin Ritter Geschäftsführer. Seither hat sich Zalandos Umsatz verzehnfacht. Der Händler ist inzwischen in 14 europäischen Ländern aktiv. Und längst werden nicht mehr nur Schuhe verkauft, sondern auch Bekleidung. Die Firma ist zum größten Online-Modehändler Europas geworden und beschäftigt rund 4000 Mitarbeiter.

Immer noch Verluste

Das derzeit von Hauptinvestor Kinnevik auf einen Wert von knapp vier Milliarden Euro taxierte Unternehmen könnte an der Börse nach Medienberichten eine Bewertung von fünf Milliarden Euro anstreben. Und das, obwohl der Händler bislang seine Verluste nicht senken kann. Sie stiegen im vergangenen Jahr weiter an: Von rund 90 Millionen im Vorjahr auf rund 120 Millionen Euro.

Zalando verfehlte dabei das von den Gründern ausgegebene Ziel, in den Kernmärkten die Profitabilität zu erhöhen. Zwar erzielte die Firma in Deutschland, Österreich und der Schweiz einen Umsatz von einer Milliarde. Doch wie im Jahr zuvor erklärte das Unternehmen lediglich, sich dort an der Gewinnschwelle zu bewegen. Der Anteil der Verluste am Umsatz konnte gegenüber dem Vorjahr nur marginal reduziert werden. „Nicht so stark wie wir uns erhofft haben“, räumte Zalando-Chef Rubin Ritter ein.

Schuld daran sei unter anderem das Wetter gewesen. Der Sommer setzte erst spät ein, zugleich führte der milde Winter zu geringer Nachfrage nach Winterkleidung und in der Folge zu hohen Preisnachlässen. Dies habe auf die Marge gedrückt. Zugleich betonte er, dass man im letzten Jahr intensiv in Technologie und Logistik investiert habe. Zalando hatte unter anderem in Erfurt das erste selbstkonzipierte Logistikzentrum in Betrieb genommen, das das größte seiner Art in Europa werden soll. Auch ein Lager in Mönchengladbach eröffnete.

Auch im nächsten Jahr wird Zalando wohl rote Zahlen schreiben: Die Eindämmung der Verluste werde nicht die oberste Priorität haben, erklärte Ritter. In einer Situation, in der immer mehr Menschen online Mode bestellten, bleibe Zalando darauf ausgerichtet, Marktanteile zu gewinnen. Auch in Logistik soll investiert werden. Die Margen sollen verbessert werden, indem die Marketingkosten im Verhältnis zum Umsatz gesenkt werden.

Zeitpunkt ist günstig

Eine Strategie, die Sinn macht, sagt Christian Schulze, Experte für Marketing an der Frankfurt School of Finance & Management. „Zalando muss weiter Marktanteile gewinnen, um die Eintrittsbarrieren für neue Konkurrenten zu erhöhen. Sich nur auf die Profitabilität auszurichten, wäre alles andere als nachhaltig.“

Hohe Verluste in den Anfangsjahren sind für Online-Händler keineswegs untypisch: Auch Amazon verbuchte anfangs hohe Verluste. Und bei Zalando ist rund die Hälfte der Ländergesellschaften noch keine zwei Jahre am Markt. „Da sind hohe Anschubkosten normal“, sagt Schulze. „Die Frage ist allerdings, ob Zalando das auch skeptischen Investoren an der Börse verkaufen kann, die nicht überzeugt sind, dass sich mit so einem Geschäftsmodell Geld verdienen lässt.“ Er verweist darauf, dass es bislang keine Daten zu zentralen Kennzahlen wie Kundenbindungsraten oder -gewinnungskosten gibt. „Erst dann wird man sehen, wie nachhaltig Zalandos Geschäftsmodell tatsächlich funktioniert.“

Offiziell sagte Rubin Ritter am Freitag zu einem Börsengang nur, dass dieser eine interessante Option sei. Zugleich betonte er: „Bislang gibt es weder eine Entscheidung darüber noch die Notwendigkeit.“ Zwar ist Zalando mit mehr als 350 Millionen Euro Netto-Liquidität finanziell auch ohne Börsengang gut ausgestattet, um das Wachstum zu finanzieren. Doch was Ritter nicht sagte: Die Situation an den Kapitalmärkten ist derzeit vielversprechend – und niemand weiß, wie dies im kommenden Jahr aussieht.

„Die Bedingungen sind für Börsengänge von Internetfirmen günstig“, sagt IPO-Experte Martin Steinbach von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young zu der Entwicklung auf den Kapitalmärkten. „Im letzten Jahr setzten die Investoren eher auf risikoarme Immobilientitel – inzwischen suchen sie nach Möglichkeiten, in Wachstumsunternehmen zu investieren.“

Vorbild Twitter

Zalando jedenfalls wird börsentauglich gemacht. Am Freitag wurde bekanntgegeben, dass Lothar Lanz, Finanzvorstand von Axel Springer, Aufsichtsrat von Zalando wird. Lanz hat bereits ProSieben-Sat1 an die Börse gebracht. Und Investmentbanken, die den Börsengang begleiten sollen, sind offenbar auch gefunden. Laut Medienberichten fiel die Wahl auf Goldman Sachs, JP Morgan und Morgan Stanley – die gleichen Banken, die auch schon den Börsengang von Twitter und Facebook begleitet haben.

Einen Hinweis auf das Interesse der Investoren an Zalando gibt die Entwicklung des Börsenwertes des größten Anteilseigners, der schwedischen Investmentgesellschaft Kinnevik. Der hat sich 2013 mehr als verdoppelt. Nach Einschätzung der Analysten von Goldman Sachs hat das vor allem damit zu tun, dass der Wert der Zalando-Beteiligung von Investoren höher bewertet wird. Die Hoffnung lebt, dass sie Zalandos Verluste akzeptieren werden – genau wie bei Twitters Börsengang.

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