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Ölpest in der Nordsee Heftige Kritik an Shell

Umweltschützer werfen dem Ölkonzern Shell vor, das wahre Ausmaß der Ölpest in der Nordsee zu verschweigen. Kritisiert wird auch die Informationspolitik des Ölmultis, er erst zwei Tage nach dem Bruch einer Pipeline die Öffentlichkeit unterrichtete.

17.08.2011 09:43
Foto: Reuters

Der Mineralölkonzern Royal Dutch Shell hat nach eigener Darstellung das Leck in einer Nordsee-Pipeline fast gestopft. Ein Firmensprecher vermochte allerdings nicht zu sagen, wann das Loch endgültig abgedichtet sein wird. Es strömten nun pro Tag weniger als 320 Liter aus der Leitung, sagte der Technische Direktor von Shell, Glen Cayley, am Dienstag der BBC. Der Konzern widersprach zugleich Berichten über ein zweites Leck. Nach Schließung der ursprüngliche Austrittsstelle habe sich das Öl einen neuen Weg gebahnt. Dabei handele es sich aber nicht um ein zweites Leck, teilte das Unternehmen mit.

Die schottische Regionalregierung erklärte, weil der Ölteppich an Größe abgenommen habe, seien auch die Auswirkungen der seit Jahren größten Ölpest in der Nordsee auf die Fischerei rückläufig. Die Küstenwache fliege zweimal täglich Kontrollflüge, um die Lage zu überwachen, erklärte die britische Regierung.

Dass Shell erklärte, der Ölteppich löse sich auf natürliche Weise auf, empört Jörg Feddern von Greenpeace. „Jeder Liter Öl, der ins Meer läuft, ist einer zu viel und muss beseitigt werden“, sagte der Energieexperte gestern in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Öl sei ein Giftstoff, der schon in kleinen Mengen Pflanzen und Tiere schädigt.

Am frühen Montagnachmittag hatte der Umweltschützer die Unglücksstelle vor der schottischen Küste überflogen und eine Ölfahne entdeckt. An dem frisch ausgelaufenen Öl seien zwei Schiffe zu sehen gewesen. Feddern geht davon aus, dass Shell das wirkliche Ausmaß des Unfalls verschweigt. Zudem sei nicht klar, wo genau das Leck sei. Auf dem Meeresboden breite sich ein richtiges Spinnennetz von Leitungen aus und überall könne eine undichte Stelle sein. Feddern forderte den Energiekonzern auf, „alle Fakten auf den Tisch zu legen“.

Allein durch den alltäglichen Betrieb der 450 Plattformen gelangten über 10.000 Tonnen Öl jährlich in die Nordsee, so Feddern. „Das entspricht einem normalen Tankerunglück.“ Im Jahr 2007 seien 515 Unfälle gemeldet worden. Der größte habe sich im norwegischen Sektor ereignet. Damals seien 3500 Tonnen Öl ins Meer gelaufen.

Im britischen Sektor kam es im vergangenen Jahr offiziellen Angaben zufolge zu 187 überwiegend kleineren Unglücken. Ob das aktuelle als kleines oder großes Unglück in die Statistiken eingehen wird, ist noch nicht abzusehen.

Umweltschützer haben dem Ölmulti außerdem eine unzureichende Informationspolitik vorgeworfen. Reuters hatte am Wochenende enthüllt, dass die Öffentlichkeit erst zwei Tage nach dem Bruch der Pipeline von der Havarie unterrichtet wurde. Shell-Direktor Cayley verteidigte die Informationspolitik und sagte, man habe erst zuverlässige Erkenntnisse gewinnen wollen. Danach habe Shell die Öffentlichkeit kontinuierlich unterrichtet.

Seit dem Bruch der 180 Kilometer vom schottischen Aberdeen entfernten Pipeline flossen Shell zufolge etwa 1300 Barrel (je 159 Liter) ins Meer. Seit der Abdichtung des ursprünglichen Lecks sei aber immer weniger Öl ausgelaufen.

Die Aktie des Ölkonzerns erholte sich nach einer kleinen Abschwächung am Dienstag bereits wieder. Auf der eigenen Homepage schweigt der Konzern über seine Aktionen beim Schließen des Lecks in der Nordsee. (ipm/kho/rtr/dpa)

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