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Ökonomie Karl Marx ist wieder da

Vor 150 Jahren erschien „Das Kapital“ von Karl Marx. Sein Werk begeisterte Revolutionäre, verärgerte Volkswirte und erlebt seit der Finanzkrise eine Renaissance.

Karl Marx
Marx verband in „Das Kapital“ sein enormes Wissen aus Geschichte, Philosophie und Volkswirtschaft mit politischen Vorstellungen. Foto: afp

Nur wenige Schriften übten in der Menschheitsgeschichte eine solche Wirkung aus. Vor 150 Jahren veröffentlichte der Philosoph und Ökonom Karl Marx den ersten Band von „Das Kapital – Kritik der Politischen Ökonomie“. Damit prägte er vor allem im 20. Jahrhundert die Weltpolitik, begeistere Revolutionäre von Lenin über Mao bis zu Fidel Castro und Che Guevara. Bis heute löst die grundlegende Kritik an der Ausbeutung der Arbeiterklasse und die Prophezeiung vom Untergang des Kapitalismus heftige Kontroversen aus. Zwar ignorieren die angelsächsischen Ökonomen, die in der Volkswirtschaftslehre den Ton angeben, den Deutschen weitgehend, wie Hans-Werner Sinn feststellt. Dies aber sei ein Fehler, meint der langjährige Präsident des liberalen, streng marktwirtschaftlich ausgerichteten Ifo-Instituts. 

Zwar habe der Sozialismus entgegen der Marxschen Prognose nicht gesiegt, sondern den Systemwettbewerb mit dem Kapitalismus verloren. Marx habe aber auch nur wenig über den Sozialismus geschrieben, sondern sich intensiv mit der kapitalistischen Marktwirtschaft beschäftigt. Dabei habe er „viele interessante Gedanken geäußert, die nachhaltigen Einfluss auf die weitere Entwicklung und den Erkenntnisprozess der Volkswirtschaftslehre und der anderen Sozialwissenschaften hatten“.

So offen wie Sinn gehen nicht viele Professoren mit dem Werk um. Selbst in diesen modernen Zeiten und fast drei Jahrzehnte nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion gründen Studenten wie etwa in Münster eigene Leseclubs, um mehr über „Das Kapital“ zu erfahren, das in den Vorlesungen an den Universitäten kaum oder gar nicht auftaucht. Einer einfachen Aufgabe stellen sie sich damit in ihrer Freizeit nicht. Für sein Kommunistisches Manifest von 1848 hatte der Gelehrte Marx nur wenige Stunden und Tage gebraucht, um darin in klarer Sprache zur Revolution aufzurufen. An seinem Hauptwerk arbeitete er sich viele Jahre ab und überarbeitete es mehrmals grundlegend. Die Bände zwei und drei veröffentlichte sein Freund und Unterstützer Friedrich Engels erst nach dem Tod von Marx im Jahre 1883 und baute dabei vor allem im dritten Band auch eigene Formulierungen ein. 

Theorie zur Erklärung des gesamten Weltenlaufs

Das Kapital geht weit über die Ökonomie hinaus. Marx verbindet darin sein enormes Wissen aus Geschichte, Philosophie und Volkswirtschaft mit politischen Vorstellungen zu einer gewaltigen Theorie zur Erklärung des gesamten Weltenlaufs. In seinen volkswirtschaftlichen Betrachtungen griff er auf Klassiker der damals jungen Zunft wie Adam Smith und David Ricardo zurück. Mit Ricardo, einem der großen liberalen Ökonomen des 19. Jahrhunderts, teilt er die Einschätzung, dass der Wert eines Gutes durch die Arbeit bestimmt werde, die man zu seiner Herstellung braucht. Marx baut darauf seine Theorie vom Mehrwert auf, mit der er die Profitjagd im Kapitalismus erklärt. Die Arbeiter werden demnach immer nur so viel Lohn erhalten, damit sie sich das Essen, die Kleidung und den Schlafplatz leisten können, die sie zum Überleben benötigen. Dieser karge Lohn macht den Tauschwert der Arbeit aus. Der aber liegt laut Marx im Kapitalismus deutlich unter dem Gebrauchswert der Arbeit, dem Wert der produzierten Waren.

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