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Ökomode Hessnatur-Belegschaft ohne Chance

Der aktuelle Eigentümer von Hessnatur, Primondo, lehnt Nachverhandlungen mit der Mitarbeiter-Genossenschaft ab. Das Netzwerk Attac kritisiert die Entscheidung und spricht von verspielter Chance.

04.06.2012 15:31
Bernd Salzmann
Hessnatur zählt zu den Vorzeigeunternehmen in der Bio-Branche. Foto: dapd

Beim Verkauf des Ökomode-Versands Hessnatur soll es nach den Vorstellungen des aktuellen Eigentümers keine Nachverhandlungen mehr geben. Ein Unternehmenssprecher der Primondo Speciality Group (PSG) reagierte am Sonntag erstaunt auf die Ankündigung der Mitarbeiter-Genossenschaft hnGeno gegenüber der Frankfurter Rundschau, auch nach dem Verkauf noch ein Angebot gemeinsam mit der DIH Deutsche Industrie-Holding vorlegen zu wollen.

Man sei rechtlich an den Kaufvertrag mit dem Schweizer Investor Capvis gebunden und nehme kein Angebot mehr an, erklärte der Primondo-Sprecher. „Hessnatur ist verkauft.“ Die noch ausstehende kartellrechtliche Zustimmung sei eine reine Formsache, sagte er.

Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von zuletzt 72 Millionen Euro und gut 330 Mitarbeitern stammt aus dem untergegangenen Reich des insolventen Mischkonzerns Arcandor. Der Erlös fließt an den Karstadt-Quelle- Mitarbeitertrust. Der Pensionsfonds ist der wirtschaftliche Eigentümer von Hessnatur, Primondo der juristische.

Das globalisierungskritische Netzwerk Attac und die Kampagne „Betriebe in Belegschaftshand“ kritisierten die Entscheidung von Primondo scharf. „Wir sind sauer“, sagte Jutta Sundermann von Attac im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. „Die Verkäufer von Hessnatur haben offenbar nichts gelernt. Der Verkauf an einen reinen Finanzinvestor ist inakzeptabel und steht im Widerspruch zu dem sozialen und und ökologischen Unternehmensmodell von Hessnatur.“

Die Eigentümer verspielten die Chance, hnGeno „zu einem Beispiel demokratischer Unternehmensgestaltung werden zu lassen“, sagte Sundermann weiter. Nur ein Verkauf an die Genossenschaft könne verhindern, dass Hessnatur von einem Finanzinvestor an den nächsten weitergereicht werde. Enttäuschend sei, dass über den Verkauf an Capvis in dem Wissen entschieden worden sei, dass hnGeno an einem Angebot für Hessnatur arbeitet. Der Primondo-Sprecher sagte dazu: „Es hat keinerlei Zusagen an die hnGeno gegeben.“

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