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Öffentlicher Dienst Spickzettel für die Tarifdebatte

Mitten in der Krise beginnen heute die Tarifverhandlungen für zwei Millionen Beschäftigte von Bund und Kommunen. Eva Roth erklärt, was Staat und Privatwirtschaft ihren Leuten zahlen.

13.01.2010 00:01
Foto: FR-Infografik

Die Gewerkschaften fordern fünf Prozent mehr. Eine Begründung: Die Löhne in der Privatwirtschaft seien stärker gestiegen. Stimmt das?

Ganz schwierige Frage. Wenn man sich nur die Tariflöhne anschaut, ist das richtig. Im öffentlichen Dienst seien die tariflichen Stundenlöhne zwischen 2005 und 2008 um 4,9 Prozent gestiegen, sagt ein Fachmann des Statistischen Bundesamts der Frankfurter Rundschau. In der Privatwirtschaft betrug der Anstieg 6,8 Prozent. Das Problem: Beim Staat werden fast alle Angestellten nach Tarif bezahlt, in der Privatwirtschaft nicht.

Wie haben sich dann die tatsächlich gezahlten Einkommen entwickelt?

Nach einem Bericht des Magazins Stern sind die realen Gehälter von Staatsdienern seit 1990 deutlich gestiegen. In anderen Berufen seien sie dagegen gesunken. Doch erfahrene Arbeitsmarktexperten wie Karl Brenke vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) warnen: Die Fehlertoleranz dieser Auswertung sei wegen sehr niedriger Fallzahlen groß. Für einen langfristigen Vergleich der tatsächlichen Lohnentwicklung bei Staat und in Privatfirmen lägen keine guten Zahlen vor.

Was zahlt der Staat im Vergleich zur Privatwirtschaft?

Die besten Daten liefere hier das Statistische Bundesamt, sagt Brenke. Danach verdienten Fachkräfte, für deren Tätigkeiten in der Regel eine Berufsausbildung nötig ist, 2008 in der Privatwirtschaft rund 17,50 Euro pro Stunde. Im Bereich öffentliche Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung waren es nur 15,30 Euro - also 12,7 Prozent weniger.

Auch dieser Vergleich ist mit Vorsicht zu genießen. Denn beim Staat arbeiten nicht nur Tarifbeschäftigte, sondern auch Beamte - und die haben relativ geringe Abzüge. Allerdings sind auch die Durchschnittslöhne Ungelernter beim Staat niedriger als in der Privatwirtschaft, und in dieser Gruppe finden sich wohl kaum Beamte.

Wie hoch sind die Monatslöhne?

Eine Fachkraft in der öffentlichen Verwaltung erhielt 2008 inklusive Sonderzahlungen im Schnitt 2660 Euro, in der Privatwirtschaft waren es 2960 Euro. Wegen unterschiedlicher Arbeitszeiten sind diese Monatseinkünfte nicht direkt vergleichbar. Bei leitenden Angestellten ist der Unterschied besonders groß: In Behörden verdienten sie 5100 Euro im Monat, in Privatfirmen rund 7000 Euro.

Geht es nur um Löhne?

Nein. Die Gewerkschaften haben ein Forderungspaket vorgelegt. Dazu gehört eine Lohnerhöhung, von der Geringverdiener stärker als Besserverdienende profitieren sollen. Möglich wäre etwa, dass alle einen Festbetrag erhalten. Dadurch steigen die unteren Löhne prozentual stärker. Außerdem fordern Verdi und Co eine neue Altersteilzeit-Regelung. Ausgebildete sollen mindestens 24 Monate übernommen werden. Für dieses Gesamtpaket wollen die Gewerkschaften fünf Prozent mehr Geld.

Und was würde das kosten?

Insgesamt würde ein Anstieg der Lohnsumme um fünf Prozent rund 4,5 Milliarden Euro im Jahr kosten, so Verdi. Natürlich wird der Abschluss niedriger sein, drei Prozent wäre ein Riesenerfolg für die Gewerkschaften. Das würde demnach rund 2,7 Milliarden kosten. Zum Vergleich: Die jüngsten Steuerentlastungen für Betriebe, Hoteliers und Erben sorgen für staatliche Mindereinnahmen von 8,5 Milliarden im Jahr.

Was wollen die Arbeitgeber?

Die Kommunen nennen den Lohnabschluss für die Bundesländer von 1,2 Prozent eine "Orientierungsmarke" (siehe nebenstehende Meldung). Zudem fordern sie, die leistungsorientierte Bezahlung auszubauen. Bisher können sie ein Prozent der Lohnsumme verwenden, um besondere Leistungen zu honorieren. Dieser Topf soll aufgestockt werden.

Wie sind die jüngsten Tarifrunden gelaufen?

In der Tarifrunde 2008 haben die Gewerkschaften acht Prozent mehr Lohn gefordert - und für den Westen 3,9 Prozent für 2008 und 3,6 Prozent für 2009 durchgesetzt, so die Hans-Böckler-Stiftung. Gleichzeitig wurden im Westen die Arbeitszeiten erhöht. Ost-Beschäftigte erhalten laut Verdi seit 2010 genauso hohe Monatsgehälter wie ihre West-Kollegen. Allerdings arbeiten sie länger. In den beiden Jahren davor gab es laut Böckler-Stiftung nur magere Lohnzuschläge von 0,1 und 0,2 Prozent im Westen.

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