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OECD-Studie Besser reich und kinderlos

Deutschland verwöhnt vor allem kinderlose Spitzenverdiener mit Steuersenkungen, hat die Wirtschaftsorganisation OECD ermittelt. Alleinerziehende Geringverdiener entlastet der deutsche Staat dagegen wenig.

Reichtumsuhr in Frankfurt auf dem DGB-Dach Foto: Alex Kraus

Von den Entlastungen bei Steuern und Abgaben der letzten zehn Jahre haben in Deutschland vor allem kinderlose Spitzenverdiener profitiert. Das hat die Wirtschaftsorganisation OECD in ihrer neuesten Länderstudie über die Lohnabzüge bei Arbeitnehmern ermittelt. So schrumpften bei ihnen die Abzüge zwischen 2000 und 2010 von insgesamt 56,3 Prozent auf 51,5 Prozent, also um fast fünf Prozentpunkte.

Für Alleinerziehende, die nur über die Hälfte des Durchschnittseinkommens verfügen, gab es dagegen kaum Verbesserungen. Bei ihnen sank der Anteil der Steuern und Abgaben lediglich um zwei Punkte auf 29,7 Prozent. Dieser Wert liegt zudem deutlich über dem Durchschnitt aller OECD-Länder. Er übertrifft bei Alleinerziehenden mit zwei Kindern den internationalen Wert um fast 14 Punkte. Die Belastung bei den kinderlosen Spitzenverdienern liegt dagegen nur um knapp 12 Punkte über dem OECD-Durchschnitt.

Insgesamt wird trotz des rückläufigen Niveaus laut der Studie in Deutschland der Faktor Arbeit noch immer deutlich stärker mit Sozialabgaben und Steuern belastet als in den meisten anderen OECD-Ländern. Vor Deutschland liegen bei den unterschiedlichen Haushaltstypen und Gehaltsklassen in der Regel lediglich Frankreich, Belgien und Italien. Eine weit unterdurchschnittliche Abgabenlast haben die Arbeitnehmer zumeist in Chile, Mexiko, Neuseeland, Israel und der Schweiz zu tragen.

Ein Trostpflaster für die Deutschen: Im Jahresvergleich 2009/2010 sank die Abgabenlast hierzulande stärker als der OECD-Durchschnitt. Ursache ist die von der schwarz-gelben Koalition durchgesetzte Anhebung der steuerlichen Kinderfreibeträge und die leichte Erhöhung des allgemeinen Steuerfreibetrags. In zwei von drei OECD-Ländern kam es dagegen im Zuge der Wirtschaftskrise zu einer Erhöhung der Steuer- und Abgabenlast.

Die OECD betrachtet bei ihrer Länderübersicht Alleinerziehende beziehungsweise Ehepaare mit Kindern und Singles jeweils mit dem Durchschnittseinkommen, mit 67 Prozent dieses Wertes und mit 167 Prozent. Als Durchschnittslohn wird der durchschnittliche Jahresbruttoverdienst eines kinderlosen Vollzeitarbeitnehmers in der Privatwirtschaft herangezogen. Er lag den Angaben zufolge 2010 in Deutschland bei 41.750 Euro.

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