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OECD Hilfe für weibliche Flüchtlinge

Frauen brauchen in Deutschland länger als in anderen Staaten, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Das zeigt eine OECD-Untersuchung. Schweden und Dänemark machen vor, wie es gehen kann.

Flüchtlinge
Frauen im Integrationskurs. Foto: Imago

Deutschland sollte nach Auffassung der Industrieländer-Organisation OECD deutlich größere Anstrengungen zur Integration weiblicher Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt unternehmen. „Frauen, die als Flüchtlinge kommen, kommen mit ganz spezifischen Herausforderungen. Dies sollte bei der Abstimmung der Maßnahmen stärker als bisher berücksichtigt werden“, sagte OECD-Arbeitsmarktexperte Thomas Liebig am Mittwoch dieser Zeitung.

Wie aus einer aktuellen Untersuchung der Organisation hervorgeht, brauchen Flüchtlingsfrauen hierzulande im Vergleich zu anderen europäischen Staaten deutlich länger, um auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen: Zehn Jahre nach der Ankunft beträgt die Beschäftigungsquote von weiblichen Flüchtlingen in Deutschland etwa 25 Prozent. 

In Schweden und Dänemark sind dann bereits rund 50 Prozent der Flüchtlingsfrauen in Lohn und Brot. Im weiteren Zeitverlauf erreicht die Quote in Deutschland rund 30 Prozent, stagniert dann aber. In Schweden hingegen nähert sie sich mit der Zeit der 70-Prozent-Marke, in Dänemark bewegt sie sich immerhin in Richtung 60 Prozent.

„Die skandinavischen Länder setzen auf ein mehrjähriges und abgestimmtes Paket zur Integration. Da scheint gerade bei Frauen erfolgreich zu sein“, sagte Liebig. Bei der Erwerbstätigkeit von männlichen Flüchtlingen hingegen erzielen die skandinavischen Länder keine besseren Ergebnisse als Deutschland. Nach drei bis fünf Jahren hat hier wie dort etwa jeder zweite Flüchtling einen Job.

„Gerade bei Frauen lohnt es sich, in Basiskompetenzen wie Sprache und Bildung zu investieren. Es war auch für uns überraschend, wie erfolgreich bei Frauen dieser Ansatz ist, auch im Vergleich zu Männern“, sagte Liebig. 

Die Forscher schlagen auch vor, mehr Integrationskurse für Frauen und Eltern anzubieten. Sinnvoll seien überdies Mentorenprogramme, mit denen sich Kontakte zur übrigen Bevölkerung herstellen ließen. Die OECD geht aufgrund vorliegender Daten davon aus, dass Kontakte mit Inländern auch die Job-Chancen von Flüchtlingsfrauen erhöhen.

Die OECD-Untersuchung soll am Donnerstag veröffentlicht werden. Sie liegt der Frankfurter Rundschau bereits vor. In der Studie heißt es, dass die Herausforderungen für die Arbeitsmarkt-Integration weiblicher Flüchtlinge besonders groß seien. So kämen viele von ihnen aus Ländern, in denen erhebliche Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen herrschten und die Erwerbstätigkeit von Frauen ohnehin niedrig sei. Zu diesen Ländern gehören etwa Syrien, der Irak, Afghanistan oder Somalia. 

In der Gesamtschau sei das Bildungsniveau weiblicher Flüchtlinge überdies geringer als das männlicher Flüchtlinge. „Zudem sind weibliche Flüchtlinge unter denen, die über wenig oder keine formale Bildung verfügen, deutlich überrepräsentiert.“ Auch bei den Sprachkenntnissen schneiden die Frauen im Durchschnitt schlechter ab. 

Eine weitere Besonderheit: Flüchtlingsfrauen werden laut OECD „mit recht hoher Wahrscheinlichkeit“ im Jahr nach ihrer Einreise schwanger. Dies dürfte damit zusammenhängen, dass die Frauen zuvor durch die Ungewissheit und Unsicherheit vor und während der Flucht an der Verwirklichung ihres Kinderwunsches gehindert worden seien.

Auch darauf müssten spezielle Integrationskurse abgestimmt sein – etwa, indem junge Mütter mehr Zeit für den Kurs bekommen. Zugleich stellt die OECD fest, dass eine Integration von weiblichen Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt auch von entscheidender Bedeutung für die Integration ihrer Kinder sei: „Die Beschäftigung zugewanderter Mütter scheint insbesondere erheblichen Einfluss auf die Erwerbstätigkeit der Töchter zu haben“, heißt es in dem Papier.

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