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OECD-Bericht So ungleich ist Deutschland

Vermögen ist in Deutschland ungleicher verteilt als im Durchschnitt von 19 Industriestaaten, schreibt die OECD in einem aktuellen Bericht. Es gibt aber auch eine Entwicklung, die Hoffnung macht.

21.05.2015 17:08
Die Wohlstands-Lücke
Ein Bettler vor dem Kölner Hauptbahnhof: Der Einkommens-Abstand zwischen Arm und Reich liegt in Industrieländern auf Rekordniveau. Foto: Oliver Berg/Archiv Foto: Oliver Berg (dpa)

Vermögen ist in Deutschland ungleicher verteilt als im Durchschnitt von 19 Industriestaaten, schreibt die OECD in einem aktuellen Bericht. Es gibt aber auch eine Entwicklung, die Hoffnung macht.

Die Einkommensunterschiede in Deutschland sind nach OECD-Angaben größer als in vielen anderen Industrieländern. Dies geht aus dem neuen Sozialbericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hervor, der die Entwicklung in 34 Industrienationen untersucht. In Deutschland verdienen demnach die obersten zehn Prozent der Erwerbstätigen 6,6-mal so viel wie die untersten 10 Prozent, heißt es in der am Donnerstag veröffentlichten Analyse.

Der DGB sprach von einem «Armutszeugnis für Deutschland». «In einem der wohlhabendsten Länder der Welt ist die Ungleichheit der Einkommen und Vermögen größer als in vielen anderen Industriestaaten - dagegen brauchen wir mehr Verteilungsgerechtigkeit», sagte Stefan Körzell, DGB-Vorstandsmitglied, in einer am Nachmittag verbreiteten Erklärung. Die stetig zunehmende Ungleichheit sei nicht nur eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, sie schade auch der ökonomischen Entwicklung.

Für Berechnungen aus den Jahren 2012 und 2013 liegt Deutschland unter den OECD-Ländern im Mittelfeld an Platz 14. Besonders ausgeglichen sind die Einkommen in den nordischen und einigen osteuropäischen Ländern, wie Dänemark, Slowenien, der Slowakei und Norwegen. Eine große Einkommenslücke klafft hingegen in Staaten wie Chile, der Türkei, den USA oder auch Großbritannien.

Früher stieg Ungleichheit stärker

Während der Jahre der Finanzkrise zwischen 2008 bis 2011 seien die realen Einkommen bei den oberen zehn Prozent leicht angestiegen, im unteren Bereich blieben sie gleich. Anfang der 2000er Jahre hatte es noch einen deutlicheren Anstieg der Ungleichheit in Deutschland gegeben. Trotz Krise wurde dieser Trend aber nicht fortgesetzt - anders als bei der Mehrzahl der OECD-Länder.

In Deutschland wird ein Großteil der Ungleichheit in Löhnen und Einkommen durch Steuer- und Sozialsysteme ausgeglichen, erklärte eine OECD-Sprecherin. Allerdings fordern die Experten in ihrem Bericht zu Deutschland, dass mehr in Bildung investiert und die Sozialversicherung von Menschen in Minijobs und Ähnlichem verbessert werden müsse.

In einer ersten Reaktion auf den OECD-Bericht kündigte Arbeits- und Sozialministerin Andrea Nahles (SPD) an, die Reichen in Deutschland stärker in den Blick nehmen zu wollen. «Wir wissen in Deutschland viel bis alles über die am unteren Rand der Gesellschaft, aber so gut wie nichts über die Vermögenden in unserem Land», sagte sie dem «Tagesspiegel» (Freitag). «In einer Demokratie aber sollte Reichtum keine Blackbox sein.»

Auch wenn man das Vermögen betrachtet, ist die Ungleichheit in Deutschland größer als im Durchschnitt der dabei 19 untersuchten Industriestaaten. Die reichsten zehn Prozent der Deutschen besitzen laut Bericht 60 Prozent der Nettohaushaltsvermögen, im OECD-Schnitt sind es 50 Prozent. Diese Daten seien aber schlecht zu erfassen.

"Die neue Studie der OECD zeigt, dass die soziale Spaltung in Deutschland trotz guter Wirtschafts- und Arbeitsmarktentwicklung dramatisch ist", sagte Linke-Vorsitzender Bernd Riexinger. "Statt mit einer Millionärssteuer und höheren Erbschaftssteuer gegenzusteuern setzt die Bundesregierung weiter auf die schwarze Null - auf Kosten der sozialen Gerechtigkeit." (dpa)

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