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„Ocean Cleanup“ Leider anders als geplant

Das Projekt „Ocean Cleanup“ will die Meere von Plastik befreien. Doch es gibt Probleme.

Müll-Fangrohr
Im September wurde das Müll-Fangrohr von einem Schiff in den Pazifik gezogen. Foto: The Ocean CleanUp

Rückschlag für die Plastikfischer: Die Ozean-Reinigung, die das Team des niederländischen Erfinders Boyan Slat im Pazifik vor der kalifornischen Küste ausprobiert, funktioniert bisher nicht so wie geplant. In einem vierwöchigen Testlauf stellte sich heraus, dass der eingesammelte Plastikmüll nicht dauerhaft in dem dafür eingesetzten schwimmenden Fangarm konzentriert bleibt, sondern wieder herausdriftet. Die Konstruktion muss überarbeitet werden. Unklar ist bisher, ob sie dann funktioniert.

Slat hatte die Idee für sein Projekt „Ocean Cleanup“ 2012 entwickelt, damals war er ein 17-jähriger Schüler. Finanziert wird es vor allem durch Spenden sowie die niederländische Regierung. Die Idee des jungen Niederländers war, den Plastikmüll mit einem 600 Meter langen, bogenförmigen Rohr, das auf dem Wasser schwimmt, zu konzentrieren, ihn dort dann aufzusammeln und mit Schiffen an Land bringen zu lassen. Frühere Versuche mit Prototypen im Atlantik hatten gut funktioniert. Jetzt, vor Ort inmitten des größten der gigantischen Plastikstrudel in den Weltmeeren – dem „Great Pacific Garbage Patch –, gibt es jedoch Probleme.

Der heute 24-jährige Niederländer schreibt in einem Blogbeitrag, das 2000 Kilometer vor der Küste getestete System funktioniere „größtenteils“ wie geplant. Allerdings verbleibe das Plastik „nur für eine relativ kurze Zeit“ in dem System – ein gravierendes Problem, schließlich stellt es das ganze Konzept in Frage.

Kritiker fühlen sich bestätigt

Als Ursache vermutet Slat, dass entweder zu starker Wind den Müll wieder aus dem Halbkreis heraustreibt, oder dass der Fangarm selbst für starke Wellen sorgt, die ihn von sich weg führen. An dem Rohr hängt ein drei Meter langer „Vorhang“, der auch Plastik sammeln soll, das nicht direkt auf der Meeresoberfläche treibt. Der Fangarm war im September von San Francisco aus in den Pazifik gezogen worden.

Der Technik-Chef in Slats Team, Arjen Tjaellma, sagte zu dem Test: „Grundsätzlich arbeitet die Anlage wie gewünscht. Das Plastik treibt in die Konstruktion, wir beobachten aber auch, dass es wieder herausschwimmt. Unser Team untersucht derzeit, warum das passiert und wann. Das geschieht nämlich nicht immer.“ Das System soll nun so verändert werden, dass der Müll nicht mehr entweichen kann.

Eine Idee ist, das Fangrohr 60 bis 70 Meter breiter auseinanderzuziehen, damit es dem Wind mehr Angriffsfläche bietet und dadurch schneller durch den Müllstrudel pflügt – wodurch, so die Hoffnung, der Müll nicht mehr so leicht entweichen kann.

Slat selbst gibt sich optimistisch, die Probleme lösen zu können, die, wie er betont, bei den früheren Testläufen und in den Computersimulationen nie aufgetreten seien. Allerdings dränge die Zeit. „Das System 001 muss funktionieren, bevor wir daran denken können, es hochzuskalieren“, schreibt er.

Tatsächlich plant der Niederländer ja nicht nur einen Fangarm, sondern ein Großprojekt. Sein Ziel ist es, 2020 mit der echten Sammelaktion beginnen zu können. Slats Team hofft, dann binnen einiger Jahre die Hälfte des im Pazifik-Strudel schwimmenden Plastiks entfernen zu können.

Kritiker könnten sich durch die aktuellen Probleme bei „Ocean Cleanup“ bestätigt sehen. Tatsächlich haben frühere Untersuchungen laut dem Wissenschaftsmagazin spektrum.de gezeigt, dass der Plastikmüll oft durch Wind und Wellen weit unter die Meeresoberfläche gedrückt wird und folglich von den Fangarmen gar nicht erfasst werden kann.

Ein anderer Einwand bezieht sich darauf, dass Slat auch mit einem gut funktionierenden System einen Großteil des Plastikmülls gar nicht aus dem Meer holen kann – nämlich jene Teilchen, die kleiner als ein Zentimeter sind. Die im Wasser treibenden Kunststoffteile – von Plastiktüten über Flaschen bis Einwegrasierer – zersetzen sich nämlich durch Einwirkung von UV-Licht und Salzwasser in Mikroplastik, das sich auf dem Meeresboden absetzt oder von Meerestieren wie Plankton aufgenommen wird und dann in die Nahrungskette gelangt.

Ein anderes Bedenken konnte Slat jedoch entkräften. Der Test habe gezeigt, dass das Plastiksammeln keine negativen Folgen für das Meeresleben habe – es gibt also keinen „Beifang“. Fische können offenbar ebenso aus dem Fang-“U“ abhauen wie Plastik.

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