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Die "Note Gut" kostet jetzt

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Von: Sebastian Wolff

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Die Stiftung am Lützowplatz in Berlin.
Die Stiftung am Lützowplatz in Berlin. © imago stock&people

Zum ersten Mal in ihrer fast 50-jährigen Geschichte verlangt die Stiftung Warentest Geld für ihr Markenzeichen "t". Das liegt daran, dass das Verbraucherschutzministerium seine Zuwendungen an die Stiftung gekürzt hat. Damit sie unabhängig bleibt.

Kaum einer Institution vertrauen die Bundesbürger mehr als der Stiftung Warentest. Ein positives Urteil in den Zeitschriften Test oder Finanztest bringt Firmen in der Regel deshalb mehr Erfolg als jede noch so aufwendige Werbekampagne. Und das aus gutem Grund: Denn die Stiftung  ist unabhängig. Sie steht nicht unter dem Verdacht,  Gefälligkeitsurteile zu treffen. Um ihre Integrität zu dokumentieren, verzichtet sie in ihren Zeitschriften bewusst auf Anzeigen von Produktherstellern.

Damit das auch in Zukunft so bleibt, muss die Finanzierung der Stiftung Warentest gesichert sein. Doch hier gibt es ein Problem: Erstmals in ihrer fast 50-jährigen Geschichte hat die Stiftung im vergangenen Jahr einen Verlust erwirtschaftet. Er beläuft sich auf 1,2 Millionen Euro. Das gab Vorstand Hubertus Primus am Mittwoch auf der Jahrespressekonferenz bekannt.

Fünf Prozent oder drei Prozent?

Der Grund: Das Verbraucherschutzministerium hat die Form seiner finanziellen Unterstützung für  die Stiftung Warentest modifiziert – mit dem Argument, ihre Unabhängigkeit zu stärken: So wurde die jährliche Zuwendung an die Stiftung gekürzt, dafür hat sie ein Kapital von 50 Millionen Euro erhalten, das ihr regelmäßige Zinsen einbringen soll. Dabei hat das Ministerium unterstellt, dass die Stiftung mit diesem Geld jährlich fünf Prozent Zinsen erwirtschaftet. Doch das war in der Niedrigzinsphase der vergangenen Jahre schlicht unmöglich. Sie holte nur drei Prozent Rendite  heraus. Und so kam der Jahresverlust von 1,2 Millionen zustande –  obwohl die Stiftung ihrer Erlöse sogar um 130.000 Euro steigerte.

Zwar hat das Ministerium die jährliche Zuwendung an die Stiftung in diesem Jahr um eine halbe Million  auf vier Millionen Euro erhöht. Ohne zusätzliche Einnahmen aber würde die Stiftung auch in diesem Jahr rote Zahlen schreiben. Zwar steigen die Erlöse durch das Online-Angebot, doch auf der anderen Seite sinken die Auflagen der Zeitschriften kontinuierlich.

Kein Schindluder mit dem Logo

Also hat sich die Stiftung etwas Neues einfallen lassen, um ihre Einnahmen zu erhöhen: Ab Juli führt sie ein Lizenzsystem für die Verwendung ihrer Markenzeichen  ein. Firmen, die dann mit einem guten Test-Ergebnis der Stiftung werben wollen, müssen künftig dafür bezahlen: Für jedes Produkt kostet eine Lizenz für ein Jahr 7000 Euro, für zwei Jahre 10.000 Euro.  Damit ist die Reklame auf dem Produkt selbst sowie in Werbematerialien, Anzeigen und im Internet abgedeckt. Firmen die darüber hinaus im Fernsehen oder Kino mit dem Logo der Stiftung werben wollen, müssen dafür 15.000 Euro für ein Jahr und 25.000 Euro für zwei Jahre zahlen. Insgesamt erhofft sich die Stiftung davon Mehreinnahmen von bis zu zwei Millionen Euro jährlich.

Vorstand Primus wehrt sich vehement gegen Bedenken, das Logo-Lizenzsystem gefährde die Unabhängigkeit der Stiftung. An den Abläufen der Tests werde sich nichts ändern und Nachtests sollen künftig sicherstellen, dass die Firmen mit dem Logo keinen Schindluder betreiben. Dennoch: Die Politik sollte die zu erwartenden Lizenzerlöse nicht als Vorwand nehmen, die Zuwendung an die Stiftung faktisch noch weiter zu reduzieren. Dafür ist deren Arbeit zu wertvoll.

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