Lade Inhalte...

Nicaragua Spatenstich für Nicaragua-Kanal

Der Nicaragua-Kanal soll Atlantik und Pazifik knapp 1000 Kilometer nördlich vom Panamakanal verbinden. Bauern und Umweltschützer kämpfen gegen das umstrittene Milliardenprojekt chinesischer Investoren.

Bürger protestieren bei der Eröffnung der Baustelle für den Kanal. Foto: dpa

Es ist das größte Infrastrukturprojekt Zentralamerikas der letzten Jahrzehnte – und zugleich eines der teuersten und umstrittensten in der Region. 50 Milliarden Dollar investiert der geheimnisvolle chinesische Telekom-Milliardär Wang Jing über seine „HK Nicaragua Canal Development Investment Co. Limited“ in den Nicaragua-Kanal, der Atlantik und Pazifik knapp 1000 Kilometer nördlich vom Panamakanal verbinden soll. Präsident Daniel Ortega und Wang haben am Montagmittag (Ortszeit) bei einem festlichen Akt auf dem Platz der Revolution in Managua den Startschuss für die umfangreichen Bauarbeiten gegeben. Allerdings beginnen diese Woche noch nicht die Arbeiten an der Fahrrinne, sondern sogenannte Hilfsarbeiten wie der Bau von Straßen für die schweren Maschinen. Der Kanal soll in einer Rekordzeit von nur fünf Jahren gebaut werden und so 2019 fertig sein.

Gleichzeitig aber protestierten Tausende Bauern gegen die interozeanische Wasserstraße, weil sie die Zerstörung ihrer Lebensgrundlage befürchten. Auch Umweltschützer, die Opposition und Bürgerinitiativen in Nicaragua kritisieren, dass bei dem Projekt zahlreiche Umweltauflagen verletzt würden. 30 000 Menschen würden ihr Obdach verlieren, wenn der Kanalbau tatsächlich vorangetrieben und beendet wird. 300 geschützte Ureinwohner-Gemeinden, deren Dörfer an der geplanten Route liegen, müssten verschwinden.´

Die verschiedenen Teile des Projekts dehnen sich auf einer Fläche von ungefähr 4000 Quadratkilometern aus, was der Größe des Ruhrgebiets entspricht. Betroffen wären neben großen Urwaldflächen auch mehrere Naturschutzgebiete und der Nicaragua-See. Durch diesen soll rund ein Drittel der 278 Kilometer langen Schifffahrtsroute verlaufen. Die Verschmutzung des nach dem Titicaca-See größten Süßwasserreservoirs Lateinamerikas würde nicht nur die ohnehin prekäre Trinkwasserversorgung der Bevölkerung beeinträchtigen, sondern auch das gesamte Ökosystem. Der Kanal soll zwischen 230 und 520 Meter breit und 30 Meter tief sein. Das chinesische Konsortium soll dann für mindestens 50 Jahre die Betreiber-Rechte erhalten.

Präsident Ortega, der den Chinesen die Konzession für den Kanal ohne Ausschreibung zuerkannt hat, lobt hingegen die wirtschaftlichen Vorteile, die der Kanal mit sich bringt. Denn die Investoren wollen auch Autobahnen, zwei Häfen, einen künstlichen See, eine Freihandelszone, einen Tourismuskomplex sowie eine Stahl- und Betonfirma errichten. Dass China auch noch die Lizenzen zum Abbau der Rohstoffe bekommt, hinterlässt bei vielen nicaraguanischen Kritikern einen faden Beigeschmack.

Politische Experten gehen trotz aller gegenteiligen Beteuerungen Wang Jings davon aus, dass sich hinter dem weitgehend unbekannten Investor Wang die chinesische Regierung verbirgt. China ist für sein Wirtschaftswachstum auf die Rohstoffe Lateinamerikas angewiesen. Und eine der wichtigsten Wasserstraßen der Welt unter chinesischer Kontrolle passt da genau in das Konzept der Regierung in Peking.

Wangs Unternehmen hat ursprünglich Infrastruktur und Ausrüstung für Telekomanlagen hergestellt. Aber vor einem Jahr gründete der 40 Jahre alte Unternehmer in Hongkong die Kanalbaugesellschaft HKND. Es fanden sich laut Finanzexperten in Hongkong vor allem chinesische Staatsbanken dazu bereit, gewaltige Summen für die Gesellschaft bereitzustellen.

Experten bezweifeln allerdings, dass der Kanal jemals fertiggestellt und dann auch konkurrenzfähig betrieben wird: „Es ist aus finanzieller Sicht schwer, mit Panama zu konkurrieren“, sagt der nicaraguanische Ökonom Alejandro Rostrán Coen.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen