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Neumann in Uganda Wie ein deutscher Kaffee-Konzern Landraub ignoriert

Ein Kaffeehändler wirbt mit Nachhaltigkeit, aber für eine Plantage in Uganda wurden hunderte von Kleinbauern brutal vertrieben. Jahre später könnten die Bauern doch noch zu ihrem Recht kommen, aber der Widerstand wird gefährlich.

Bitterer Beigeschmack: Kaffee von Neumann (Symbolbild). Foto: Michael Schick

Kaffee von der ugandischen Kaweri-Plantage wird bei Dallmayr im Premiumsortiment „Grand Cru“ vermarktet. „Das Aroma-Bouquet erinnert an würzigen Zimt und dunkle Schokolade“, so bewirbt der Münchner Delikatessen-Händler die Espresso-Bohne Turaco. Mit ihr komme „die dunkle Seele Afrikas in die Espresso-Tasse“.

Für viele Kleinbauern der Region Mubende in Zentral-Uganda hat das einen ganz bitteren Beigeschmack. Die Geschichte der 2001 gegründeten Kaweri-Plantage – ein Tochterunternehmen des Hamburger Kaffee-Konzerns Neumann – ist ein dunkles Kapitel ihres kargen Lebens.

Um Platz für die 2500 Hektar große Kaweri-Farm zu schaffen, ließ Ugandas Präsident Yoweri Museveni vor elf Jahren rund 400 Kleinbauern samt Familien vom Militär vertreiben. Die Soldaten knüppelten, zerstörten Hütten wie Felder, damit Konzern-Chef Michael R. Neumann wenige Tage später mit Museveni den Grundstein der Plantage legen konnte.

Brutaler Fall von Landgrabbing

Für die Menschenrechtsorganisation Fian, welche die Bauern im Kampf um ihr Recht unterstützt, handelt es sich um einen brutalen Fall von Landgrabbing. Fian beklagt: Bis heute bekamen die etwa 2000 Vertriebenen weder für den Verlust ihres Besitzes noch für die extreme Not, in der sich viele seither befinden, eine Entschädigung.

Seit 2002 prozessieren die Kleinbauern gegen den ugandischen Staat und das Neumann-Tochterunternehmen Kaweri. Das Verfahren zieht sich hin. Mehrfach wechselten die Richter. Neumann ließ wiederholt Verhandlungstermine platzen.

Ein neuer Anlauf scheiterte in Kampala erst vergangenen Mittwoch. Die Kaweri-Anwälte lehnten den vom Obersten Gerichtshof Ugandas neu eingesetzten Richter Anup Singh Choudry mit Hinweis auf seine Vergangenheit ab.

Der Jurist hatte im Jahr 2000 in London wegen Betrugs in Asylverfahren die Zulassung als Anwalt verloren. Choudrys Vorgängerin im Kaweri-Prozess hatte den Fall Ende 2011 mit der Begründung abgegeben, sie fühle sich als Richterin dem Druck nicht gewachsen, den Fian mit der Kampagne für die Kleinbauern erzeuge.

Neumann spricht von "rechtmäßigem Eigentum"

Im Streit um die Entschädigung geht es vor allem auch um die Frage von Landrechten. Kleinbauern können zwar oft keine Landtitel vorweisen, besitzen aber, weil sie meist seit vielen Jahren auf ihren Parzellen ackern, ein Gewohnheitsrecht, das nach ugandischem Gesetz sogar vererbbar ist.

Doch Neumann interessiert offenbar nicht, unter welchen Umständen das Land der Farmer für die Großplantage frei wurde. Das Areal, auf dem Kaweri tätig sei, „ist rechtmäßiges Eigentum der Uganda Investment Authority (UAI) und von dieser für 99 Jahre an Kaweri verpachtet“, teilte der Kaffee-Konzern auf Anfrage der Frankfurter Rundschau mit.

Die klagenden Kleinbauern aber wollen jetzt beweisen, dass Kaweri sich über diese gepachtete Fläche hinaus in der Nachbarschaft rund 500 Hektar widerrechtlich angeeignet hat. Für einen Teil dieses Landes besitzt die bald 80-jährige Bäuerin Anna Nandyose Katende sogar einen registrierten Landtitel, der der Frankfurter Rundschau vorliegt.

Weiter: Geländevermessung und Drohungen gegen Bauern

Eine Vermessung des Geländes, mit der die Kleinbauern ein Ingenieurbüro beauftragt haben, soll in dieser Woche den Landraub dokumentieren. Dafür müssen Grenzsteine lokalisiert und ausgegraben werden. Fian ist besorgt, dass der Konflikt dabei eskalieren könnte. „Es hat Drohungen gegen mich gegeben“, sagte der Sprecher der klagenden Bauern, Peter Kayiira, am Freitag im Gespräch mit dieser Zeitung.

Er will sich von der Aktion dennoch nicht abhalten lassen. „Ich hoffe, dass die Polizei uns schützt.“ Fian hat vorsorglich die UN-Sonderbeauftragte für Menschenrechtsverteidiger, Margaret Sekaggya, über die Anfeindungen informiert und Neumann schriftlich aufgefordert sicherzustellen, dass Kayiira keine Gewalt angetan wird.

Reagiert hat der Kaffee-Konzern darauf bislang nicht. Der FR erklärte Neumann lediglich, die Besitzverhältnisse seien eindeutig, ein Betreten der Kaweri-Plantage zur Vermessung des Grundstücks daher nicht erforderlich. Die Nachfrage, ob Kaweri die Sicherheit Kayiiras garantieren könne, blieb unbeantwortet.

"Nachhaltiges Wirtschaften"

Ausführlich dagegen schilderte das Hamburger Unternehmen seine Prinzipien „nachhaltigen Wirtschaftens“. Ökologische und soziale Kriterien würden streng beachtet. Die Kaweri-Plantage habe Jobs gebracht, der Zugang zu Elektrizität, medizinischer Versorgung und Schulbildung die Lebensqualität der Menschen erhöht. Zudem beliefere Kaweri zwei Dörfer mit Frischwasser.

Fian-Expertin Gertrud Falk räumt ein, dass sich die Strom- und Wasserversorgung für einige Menschen verbessert habe. Wenn das Wasser auch nicht stetig fließe. Viele Bauern aber könnten sich seit der Vertreibung nicht mehr richtig ernähren und kein Schulgeld aufbringen.

Die Zahl der Kinder, die auf weiterführende Schulen gehen, sei stark zurückgegangen. Und die medizinische Versorgung bestehe im Verteilen von Kopfschmerztabletten.

„Wir werden nicht locker lassen“, sagte Falk. „Die Vertreibung ist durch nichts zu rechtfertigen und ein eklatanter Verstoß gegen Menschenrechte und nationale ugandische Gesetze.“

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