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Neuer Fahrplan Deutsche Bahn streicht Nachtzüge

Die Deutsche Bahn muss die Kosten senken, um im harten Wettbewerb gegen die Konkurrenz zu bestehen. Deshalb streicht der bundeseigene Konzern im neuen Fahrplan einige Nachtzugverbindungen. Österreichs Bahn baut ihr Nachtzugnetz hingegen aus - auch in Deutschland.

05.12.2014 17:16
Daniel Kortschak
Weniger Züge fahren künftig durch die Nacht. Die Bahn muss sparen und stellt einige Nachtreiseverbindungen der Marke "Citynightline" ein. Foto: dpa

Die Deutsche Bahn stöhnt unter der wachsenden Konkurrenz von Fernbussen und Billigfliegern. In diesem Jahr dürfte sie dem Staatskonzern Einbußen von rund 120 Millionen Euro bescheren, Tendenz steigend. Um Kosten zu senken, hat die Bahn bereits nach dem Ende der Sommersaison zahlreiche Autoreisezüge gestrichen sowie auf einigen Strecken den Autotransport von der Schiene auf die Straße verlegt.

Mit dem Fahrplanwechsel am 14. Dezember kommt nun das Aus für so manchen Intercity-Zug: Gestrichen werden unter anderem die Fernverkehrs-Züge nach Luxemburg sowie einzelne Verbindungen im Schwarzwald und in Südostbayern. Besonders kräftig setzt die Bahn den Rotstift bei den Nachtzügen an, deren Waggons zum Teil noch aus Beständen der DDR-Reichsbahn stammen und die längst am Ende ihrer Lebensdauer angekommen sind.

Paris und Kopenhagen sind in Zukunft überhaupt nicht mehr per Nachtzug erreichbar, eingeschränkt wird auch die Verbindung nach Amsterdam. „DB Fernverkehr fährt seit Jahren mit dem Nachtreisezuggeschäft hohe Defizite in zweistelliger Millionenhöhe ein. Vor diesem Hintergrund haben wir uns entschieden, kurzfristig geplante Sonderaufwendungen in den Fuhrpark zu vermeiden und verlustbringende Verbindungen aufzugeben. Damit wollen wir das Angebot im Nachtzugverkehr auf nachfragestarke und betrieblich beherrschbare Netze konzentrieren“, sagte eine Sprecherin der Deutschen Bahn der Frankfurter Rundschau.

Nachtzüge bringen hohe Verluste

Dabei war es nicht unbedingt die mangelnde Nachfrage, die jetzt das Aus für einige Nachtzüge bedeutet: Gerade die Verbindungen von Hamburg, München und Berlin nach Paris waren nach Informationen aus Bahnkreisen fast immer gut ausgelastet. Allerdings sind die Kosten für die Benutzung des Schienennetzes in Frankreich in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Außerdem hat der DB-Fernverkehr keine eigenen Lokomotiven, die bis nach Paris durchfahren können, und muss sie stattdessen teuer bei der Staatsbahn SNCF anmieten. Auch für den Nachtzug von Basel und Prag nach Kopenhagen musste die dänische Bahn extra Lokomotiven bereithalten, hinzu kamen häufige Bauarbeiten, die zu Umleitungen oder Ersatzverkehr mit Bussen führten und viele Fahrgäste verärgerten.

Der Bahn bescherte das tiefrote Zahlen: „Im Jahr 2013 kam es bei diesen Verbindungen bei einem Umsatz von 48 Millionen Euro zu Verlusten von 12 Millionen Euro“, erläutert die Bahnsprecherin.

Sorgen, die die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) offenbar nicht haben. Denn sie bauen ihr Nachtzuggeschäft ab Dezember aus und werben dabei auch gezielt um Kunden, die ihr Fahrzeug mitnehmen möchten: „Die ÖBB sind mit ihrem Angebot der mit Abstand größte Anbieter von Nachtreisezügen mit Auto- und Motorradtransport in Europa“, sagte ÖBB-Sprecher Michael Braun der Frankfurter Rundschau. Neu aufgenommen werden soll unter anderem der Autotransport von Wien nach Düsseldorf.

Dazu wird die schon jetzt als Wagengruppe im Nachtzug Wien – Hamburg bestehende Verbindung Wien – Köln als eigener Zug geführt und bis nach Düsseldorf verlängert. „Um die Autobeförderung nach Düsseldorf 2015 zu ermöglichen, müssen wir jedoch noch die Autoverladung vor Ort regeln,“ erklärt ÖBB-Sprecher Braun. Gewiss kein einfaches Unterfangen zu einem Zeitpunkt, wo die Deutsche Bahn zahlreiche Autoverladeterminals aufgibt. Fix ist jedoch laut Braun bereits, dass im neuen Nachtzug auch Fahrräder mitgenommen werden.

Probleme bei der Fahrkartenbuchung

Für Frankfurt bringt die ÖBB-Nachtzugoffensive aber nicht unbedingt Vorteile: Der Nachtzug auf der Strecke Wien – Düsseldorf kommt in Zukunft bereits vor sechs Uhr morgens in Frankfurt an, in Richtung Wien verschiebt sich die Abfahrt auf kurz nach Mitternacht. Um das aufwändige Kopfmachen samt teurem Lokwechsel im Hauptbahnhof einzusparen, hält der Zug außerdem in Zukunft nur mehr in Frankfurt-Süd. Hinzu kommen Probleme bei der Buchung von Fahrkarten: Wer mit dem Nachtzug nach Österreich fahren und dort auf einen anderen Zug umsteigen wollte, konnte einige Wochen lang keine Fahrkarte über das Online-Portal der Deutschen Bahn kaufen: „Preisauskunft nicht möglich“, war die einzige Information, die das Reservierungssystem anbot. Bucht man stattdessen über die Internetseiten der ÖBB, muss man wiederum auf den Bahncard-Rabatt verzichten.

Beim Verkauf über die Online-Vertriebskanäle der Deutschen Bahn gebe es Probleme wegen einer geänderten Verrechnung durch die DB, erklärt ÖBB-Sprecher Braun. Inzwischen sind einzelne Destinationen wieder im Angebot, führt die Reise allerdings über den neuen Wiener Hauptbahnhof, gibt es online nach wie vor keine Fahrkarte zu kaufen. "An der Lösung des Problems wird gemeinsam von ÖBB und DB gearbeitet", verspricht Braun. Vielen Fahrgästen bleibt also vorerst nur der Weg ins Reisezentrum, und die Bahn muss hoffen, dass durch die Hindernisse bei der Buchung nicht weitere Kunden zur Konkurrenz abwandern. Sonst könnten die sinkende Auslastung und wachsende Verluste bald das Aus für eine weitere Nachtzugdestination bedeuten.

Trotz aller Probleme ist eine komplette Einstellung der Nachtzüge bei der Deutschen Bahn aber derzeit kein Thema: „Für die Zeit ab 2016 ist es unser Ziel, auf einer dann verkleinerten Umsatz- und Kostenbasis, ein zukunftsfähiges Nachtzug-Konzept zu etablieren. Ebenso möchten wir weiter eine Möglichkeit anbieten, sein Auto mit uns transportieren zu lassen“, erklärt die Sprecherin des DB-Personenverkehrs gegenüber der FR. Wie auch bei der Debatte über neue Angebote für Kunden ohne Bahncard wird eine Entscheidung darüber, wie viele Nachtzüge die Bahn in Zukunft einsetzen wird, aber wohl erst im ersten Halbjahr 2015 fallen.

Anmerkung der Redaktion: Wie erneute Recherchen ergeben haben, wurde nach der Veröffentlichung des Artikels ein Teil der im Text genannten Buchungsprobleme bei den Nachtzügen nach Österreich behoben. Wir haben den Text dementsprechend aktualisiert.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Deutsche Bahn

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