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Neue Konzernstruktur bei EADS Alles nach Toulouse

Der Standort München verliert: Der künftige EADS-Chef Enders will die Konzernstrukturen neu ordnen - am Standort Toulouse.

11.02.2012 18:14
Thomas Magenheim
Thomas Enders. Im Juni übernimmt der 53-Jährige die Konzernführung. Foto: dpa

Er wird erst im Juni sein Amt als Vorstandschef des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS antreten. Intern wirbelt Thomas Enders schon kräftig. Gefühlt hat der 53-jährige, der noch Chef der Tochter Airbus ist, bereits für mehr Aufmerksamkeit gesorgt als der seit 2007 amtierende EADS-Boss Louis Gallois.

Gegen Widerstände aus Frankreich hat Enders sein Personaltableau für die künftige EADS-Führung und eine Machtkonzentration beim Mutterkonzern durchgeboxt. Unter seiner Regie agieren künftig die Finanz- und Personalvorstände von EADS und Airbus in Personalunion. Die deutsche Seite durfte sich aber nur kurz als Sieger fühlen. Enders plant bereits den nächsten Paukenschlag. Er will die beiden bestehenden EADS-Verwaltungszentralen binnen ein bis zwei Jahren aus München und Paris abziehen, um sie am größten Produktionsstandort des Konzerns im südfranzösischen Toulouse zu bündeln. Der für sein Durchsetzungsvermögen bekannte Hobbyfallschirmspringer will offenbar, dass eine zweistellige Zahl von Führungskräften nach Toulouse umzieht, um das Management dort zu vereinen.

Alle Werke blieben dabei unangetastet, aber der Imageverlust für Deutschland wäre offenkundig. Bayerns FDP-Wirtschaftsminister Martin Zeil hat bereits Kritik angemeldet. Noch sei das letzte Wort nicht gesprochen. „Enders lässt sich nicht von Politikern dominieren“, heißt es in dessen Umfeld. Der ehrgeizige Manager hat es sich zum Ziel gesetzt, EADS von jeder politischen Leine zu lösen, egal ob sie nach Frankreich oder Deutschland führt.

Offiziell zum Thema werden die neuen Pläne erst im Juni, wenn Enders von Gallois übernimmt. Abgesegnet werden müssen sie vom EADS-Verwaltungsrat, dem noch Daimler-Manager Bodo Uebber vorsitzt. Dessen designierter Nachfolger Arnaud Lagardere hat Verständnis für das Vorhaben signalisiert, hört man. Als Paket dürfe man die jüngsten Ereignisse im Übrigen nicht sehen. Der designierte EADS-Chef habe sich die französische Zustimmung für sein Personaltableau nicht mit dem Umzug der EADS-Verwaltung nach Toulouse erkauft. Das mag man glauben oder nicht. Fakt ist, dass EADS auf dem Weg zu normalen betriebswirtschaftlichen Strukturen ist.

In der Vergangenheit hatte das eine delikate deutsch-französische Machtbalance verhindert. Beide Seiten halten 22,5 Prozent an EADS. Im Topmanagement haben sich bislang Deutsche und Franzosen turnusmäßig abgelöst. Auch Entscheidungen über Standorte und Auftragsvergaben unterlagen dem politischen Proporz.

Das hat EADS viele Probleme beschert. Beispielsweise beim Bau des weltgrößten Passagierflugzeugs A380. Derzeit müssen alle Flieger wegen Haarrissen an Bauteilen überprüft werden. Solche Flops unterstützen Enders Forderung nach schlagkräftigen Strukturen und einem Ende der politischen Gängelei.

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