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Neue Kontrolleure Gegen-Lobby schreckt Banken

Ein vom Zocker zum Kritiker gewandelter Franzose wird Chef von Finance Watch: Die Organisation will die Macht des Geldgewerbes brechen. Manche halten sie für das neue „Greenpeace für die Finanzmarktregulierung“.

Geldautomat der Bank of America (Archivbild) Foto: dpa

Lobby gegen die Macht der Lobby: In Brüssel ist gestern eine internationale Organisation ins Leben gerufen worden, die den Interessenvertretern der Finanzbranche Paroli bieten will. Finance Watch heißt der neue Verein, er versteht sich als Sprachrohr der Zivilgesellschaft, der Verbraucher und Arbeitnehmer.

„Das Ziel ist, der Macht der Finanzkonzerne eine kraftvolle Stimme entgegenzusetzen“, sagte der grüne EU-Abgeordnete Sven Giegold, einer der Initiatoren des Projekts, im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Giegold, der einst zur Führungsriege von Attac Deutschland gehörte, spricht gar von einem „Greenpeace für die Finanzmarktregulierung“. Finance Watch solle eine Organisation mit hoher Kompetenz und Glaubwürdigkeit sein, die sich trotz eines bescheidenen Budgets der Macht der Wirtschaft entgegenstellt und für eine bessere Gesetzgebung kämpft – mit Kampagnen, Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit.

Hinter der Organisation stehen Verbraucherschützer und Gewerkschafter

Die Gründung von Finance Watch geht auf eine Initiative zurück, die mehrere EU-Parlamentarier unterschiedlicher Couleur vor einem Jahr starteten. In einem öffentlichen Aufruf beklagten sie damals, dass es kein Korrektiv zur Lobby-Macht des Geldgewerbes gebe. Dieser Mangel an Gegen-Expertise sei eine ernsthafte Gefahr für die Demokratie, hieß es.

Die Abgeordneten forderten deshalb die Gründung „einer oder mehrerer Nichtregierungsorganisationen“, um den Mangel zu beheben. Daraus entstanden ist Finance Watch. Die Volksvertreter ziehen sich jetzt zurück, die spendenfinanzierte Organisation soll politisch vollkommen unabhängig sein.

Stattdessen haben andere die Führung übernommen: Verbraucherverbände, Gewerkschaften, Hilfsorganisationen und politische Stiftungen aus ganz Europa. Aus Deutschland sind unter anderem der Verbraucherzentrale Bundesverband, die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und die Rosa-Luxemburg-Stiftung dabei. Die Mitglieder wählten gestern einen Vorstand, der Finance Watch noch im Laufe dieses Sommers arbeitsfähig machen soll.

Gesicht der Initiative ist ein ehemaliger Finanzmanager und Zocker

Zum Generalsekretär von Finance Watch wurde der Franzose Thierry Philipponnat bestimmt. Der 49-Jährige ist selbst ein ehemaliger Finanzmanager. Er arbeitete einst bei Großbanken, zockte an der Börse mit Aktienderivaten und stellte sich irgendwann die Frage nach dem Sinn seines Tuns. Dann schmiss er seinen Job und stieg bei Amnesty International ein. Philipponnat sagt: „Unser Ziel ist es, das Interesse der Allgemeinheit in den Debatten über die Finanzmarktregulierung zu vertreten.“ Leicht wird das nicht mit einigen wenigen Mitarbeitern und einem vergleichsweise geringen Etat.

Ein gutes Dutzend Beschäftigte soll die Geschäftsstelle von Finance Watch in Brüssel künftig haben, dazu kommen Kräfte in den wichtigsten Hauptstädten der Europäischen Union. Die großen Banken und Versicherungen sowie ihre Verbände beschäftigen nach Schätzungen von Finance Watch allein in Brüssel 700 Lobbyisten, die über einen Gesamtetat von bis zu 400 Millionen Euro pro Jahr verfügen sollen. Aus Sicht der Finanzbranche ist das Geld gut angelegt, wenn es gelingt, Einfluss auf die Gesetzgebung zu nehmen. Finance Watch hingegen wird sich mit einem Budget von rund zwei Millionen Euro begnügen müssen.

Twitter-Feed von Finance Watch

Homepage von Finance Watch

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