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Naturkatastrophen Teuerstes Jahr der Geschichte

Nie zuvor mussten Versicherungen so viel Geld an Opfer von Naturkatastrophen zahlen.

Brände
Naturkatastrophen sind teuer. Foto: dpa

Nie zuvor haben Versicherer weltweit so viel Geld an Opfer von Hurrikanen und anderen Naturkatastrophen zahlen müssen wie 2017. Die Bilanz des Rückversicherers Munich Re zeigt zwar für die Gesamtschäden den zweithöchsten Wert seit Beginn der Aufzeichnungen auf, weil 2011 das schwere Tohoku-Erdbeben in Japan noch höhere finanzielle Lasten verursachte. Dennoch wurde es für die Assekuranzen teurer als jemals zuvor, vor allem weil sich diesmal die Katastrophen in den USA ballten.

Der Marktführer unter den Rückversicherern, bei denen sich die eigentlichen Versicherer absichern können, stellt sich auf weitere Rekorde in der Zukunft ein, wie Vorstandsmitglied Torsten Jeworrek betont: „Auch wenn einzelne Ereignisse nicht direkt auf den Klimawandel zurückgeführt werden können, erwarten unsere Experten künftig häufiger solche extreme Ereignisse.“ Die Gesamtschäden aus allen Kategorien lagen mit 330 Milliarden Dollar fast doppelt so hoch wie im Zehn-Jahres-Durchschnitt. Die finanziellen Folgen der Wetterkatastrophen erreichten einen Rekord. 

Die Hurrikane wüteten zwar im vergangenen Jahr in weiten Teilen Mittel- und Nordamerikas und besonders natürlich in der Karibik heftig. Doch finanziell schlug dies besonders in den USA zu Buche, weil dort zahlreiche finanzkräftige Unternehmen und Privatpersonen entsprechende Policen abgeschlossen haben. Die höchsten Zahlungen verursachte 2017 der Hurrikan Harvey, der Ende August als Sturm der vierthöchsten Kategorie in Texas an Land ging. 

Danach verharrte das Auge des Sturms tagelang an der Küste und saugte immer mehr Feuchtigkeit vom sehr warmen Golf von Mexiko auf. Das Ergebnis waren sintflutartige Regenfälle in der Region um Houston mit einer Heftigkeit, wie sie statisch gesehen weniger als einmal in 1000 Jahren auftritt. Kurz danach zog Hurrikan Irma mit der höchsten Kategorie 5 und Windgeschwindigkeiten von über 300 Kilometern pro Stunde durch die Karibik, bevor er nach Florida weiterzog. Zudem führte der Hurrikan Maria auf der zu den USA gehörenden Insel Puerto Rico zu schweren Verwüstungen. 

Daher dominieren die USA die Statistik noch stärker als traditionell. Ihr Anteil an den Gesamtauszahlungen der Versicherer lag bei 50 Prozent und übertraf daher den langfristigen Durchschnitt von 32 Prozent deutlich. Die Ballung in Nordamerika dürfte aber auch erklären, warum es zu weniger Todesfällen kam. Rund 10.000 Menschen verloren durch Naturkatastrophen ihr Leben, mehr als zwölf Monate zuvor, aber weniger als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre (60.000). In ärmeren Ländern, etwa in Asien, führen Überschwemmungen oder Erdbeben häufig zu deutlich mehr Todesopfern als in den Industriestaaten, die sich einen höheren Schutz der Bevölkerung leisten können. 

In Südasien dauerte der Monsun vier Wochen länger als üblich, was besonders die indischen Provinzen nahe des Himalaya und in der Terai-Ebene in Nepal traf. Diese Katastrophe kostete 2700 Menschen das Leben. Bei den Versicherern wirkte sie sich vergleichsweise gering aus, da nur ein verschwindend kleiner Teil der Bevölkerung versichert war. 

In Europa bekamen Landwirte und Verbraucher die Auswirkungen des späten Frosts zu spüren. Die ungewöhnlich tiefen Temperaturen im April vernichteten bei bestimmten Früchten bis zur Hälfte der eingeplanten Ernte. Auf den ersten Blick erscheint es paradox, dass die Experten von Munich Re gerade wegen des Klimawandels künftig häufiger mit solchen Phänomen rechnen. Die Erklärung: Zwar beginnt die Vegetationsphase wesentlich früher. Die Frostgefahr nimmt aber nicht im gleichen Ausmaß ab, so dass die Risiken wachsen. Allerdings mussten die Bauern die finanziellen Lasten zum Großteil selbst Tragen. Von dem Gesamtschaden in Höhe von 3,3 Milliarden Euro waren nur 600 Millionen Euro versichert. 

Weltweit gehen von Überschwemmungen durch Flusshochwasser oder Sturzfluten die größten Gefahren aus. Sie dominieren mit großem Abstand die Statistik der Naturkatastrophen vor Erdbeben oder Stürmen. 

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