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Nachhaltigkeit der Textilindustrie Textilindustrie vernachlässigt Umweltschutz

Die Textilindustrie bleibt eine ökologische Sünderbranche. Die Firmen zahlen Hungerlöhne, erwarten Überstunden und nutzen giftige Chemikalien. Umdenken Fehlanzeige. Eine Studie identifiziert ausgerechnet die Konzerne Nike, Adidas und Puma als Vorreiter.

Vom Sündenbock zum Musterknaben: Nike setzt auf umweltfreundlichere Produktion. Foto: rtr

Textilkonzerne stehen im Ruf, schwer belehrbare Umweltsünder zu sein. Ihre Zulieferer werden seit Jahren massiver Arbeitsrechtsverletzungen bezichtigt. Mit ihrer Kampagne "detox our future" (entgiftet unsere Zukunft) hat die Umweltorganisation Greenpeace 2011 das Problem giftiger Chemikalien in der Textilproduktion in den Fokus gerückt und die Sportartikler Adidas, Puma sowie Nike, dazu gebracht, giftigen Stoffen bis 2020 abzuschwören. Die Gegenwart in puncto ökologischer und sozialer Verantwortung  bleibt aber branchenweit größtenteils trübe, zeigt eine aktuelle Studie für Nachhaltigkeitsrating.

Angefertigt hat sie darauf spezialisierte Münchner Ratingagentur Oekom. 38 Sportartikler und andere börsennotierte Textilkonzerne sind unter die Lupe genommen worden. Am Ende stand eine katastrophale Durchschnittsnote von D auf einer von A+ bis D- reichenden Skala.

Nur fünf Firmen hat Studienleiterin Lisa Häuser als relative Vorzeigeunternehmen identifiziert, die begonnen haben, auf grünen Pfanden zu wandeln. "Auch bei den Branchenbesten fällt die Bilanz des bisher Erreichten zwiespältig aus", stellt Häuser allerdings klar.

"Bestnoten" trotz giftiger Chemikalien

Ratingsieger mit C+ ist der weltgrößte Sportartikler Nike, gefolgt von Adidas mit derselben Note. Das gilt auch für Puma auf Rang fünf. In anderen Branchen erreichen die Besten B-Noten. Das zeigt, dass in der Textilindustrie noch einiges im Argen liegt.

An der Tagesordnung seien ungebrochen Löhne unterhalb des Existenzminimums, extreme Überstunden, giftige Chemikalien speziell in chinesischen Textilfabriken und enorm hoher Wasserverbrauch, kritisiert Oekom.

Vor allem Nike, Adidas und Puma seien aber glaubhaft am Umdenken, lobt Häuser vorsichtig. So kontrolliere Puma heute nicht nur direkte Zulieferer, sondern auch solche die als zweites oder drittes Glied in der bis zu fünfstufigen Produktionskette liegen auf grüne Mindeststandards. Die Franken haben mit einer ökologischen Gewinn- und Verlustrechnung auch für in der Branche ungekannte Transparenz gesorgt.

Adidas punktet unter anderem mit dem Ziel, den Anteil an Biobaumwolle bis 2015 auf 40 Prozent und bis 2018 auf 100 Prozent zu erhöhen. Die größten Fortschritte habe zuletzt Nike gemacht, erkennt Oekom an.

So erkenne der US-Konzern an, dass die Ursachen extremer Überstunden bei Zulieferern auf eigene Einkaufspraktiken zurückgehen. Nike strafft nun sein Sortiment, um die Herstellung zu vereinfachen und sie für Zulieferer besser planbar zu machen. Auch beim Wassermanagement in der Produktion sei Nike führend, sagt Häuser.

Spiel auf Zeit

Als eigentlichen Vorreiter der Branche nennt sie allerdings die US-Outdoormarke Patagonia, die nicht bewertet wurde, weil sie nicht börsennotiert ist. Die Kalifornier würden wie kein Wettbewerber auf Recycling bauen. Unter anderem biete das Unternehmen in Kooperation mit Ebay  eine Internetplattform für gebrauchte Patagonia-Produkte.

Zwiespältig sieht Häuser den Einsatz winzigster Nanopartikel, um Textilen schmutzabweisend zu machen oder geruchsfrei zu halten. Dann müsse man sie einerseits weniger waschen. Andererseits seien die Auswirkungen von Nanopartikeln auf Mensch und Umwelt noch weitgehend unerforscht.

Kritisch bleibt auch Greenpeace. "Das ist uns zu wenig", sagt der Chemie-Experte der Organisation zu den Schritten von Adidas, Puma und Nike, giftige Chemikalien aus der Produktion zu verbannen. Das Trio spiele auf Zeit und sei immer noch mit einer Bestandsaufnahme beschäftigt. Für viele kritische Chemikalien gebe es sofort einsetzbare Alternativen.

Andererseits gibt es auch Textilfirmen wie den französische Luxuskonzern LVMH Moet Hennessy Louis Vuitton, die bei Oekom mit D-Noten auf den untersten Rängen zu finden sind und sich kaum in Richtung Nachhaltigkeit bewegen. "Um dem Ziel einer nachhaltigen Textilindustrie näher zu kommen, müssten viele Konzerne ihr Geschäftsmodell grundsätzlich überdenken", sagt Häuser. Weit verbreitet sei die Bereitschaft dazu aber nicht.

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