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Mt.Gox Das Ende der Bitcoins?

Die einst größte Bitcoin-Börse Mt.Gox ist abgeschaltet, umgerechnet 400 Millionen Dollar sollen verschwunden sein. Das FBI ermittelt wegen Betrugs. Doch noch ist es zu früh, den Tod der „Hacker-Währung“ auszurufen.

Ein Bitcoin-Händler demonstriert gegen Mt.Gox. Foto: REUTERS

Man stelle sich vor: die Internet-Seite der Deutschen Bank ist nicht erreichbar, Online-Banking unmöglich, das Bank-Management schweigt, die Filialen sind geschlossen, Geldautomaten funktionieren nicht mehr. Die Kunden der Bank dürften mehr als verunsichert sein. In etwa so geht es derzeit Menschen, die Bitcoins bei der einst größten Bitcoin-Börse Mt.Gox hinterlegt hatten. Mt.Gox hat geschlossen, umgerechnet 400 Millionen Dollar sollen verschwunden sein, niemand weiß, was los ist. Nur eines weiß man: Es gibt Probleme.

Bitcoins sind eine Art elektronisches Zahlungsmittel und erfreuen sich seit Monaten wachsender Beliebtheit bei Computer-Freaks, Bank-Kritikern, Spekulanten und zunehmend auch bei Normalbürgern. Ihr weltweiter Gesamtwert soll derzeit sieben Milliarden Dollar betragen. Gehandelt und zum Teil aufbewahrt werden Bitcoins an verschiedenen Handelsplätzen. Zum Beispiel bei Mt.Gox in Japan.

Das FBI ermittelt wegen Betrug

Dort begannen die Probleme Anfang Februar. Nach Hacker-Attacken musste Mt.Gox das Abheben von Bitcoins am 7. Februar stoppen. Am vergangenen Sonntag erklärte Börsen-Chef Mark Kapeles seinen Rücktritt, am Dienstag ging die Internetseite plötzlich offline. Als Grund gaben die Betreiber den Schutz der Nutzer an. Anleger kommen nicht mehr an ihre dort gespeicherten Einlagen.

Seitdem schießen die Spekulationen ins Kraut. Laut einem im Internet kursierenden Papier könnten mehr als 740000 Bitcoins verschwunden sein – oder geklaut. „Das ist die Frage“, so Uwe Zimmer von der Vermögensverwaltung Meridio, der selbst Bitcoins hält. „Die Bitcoins könnten einfach auf anderen, anonyme Konten verschoben worden sein, oder sie sind zerstört.“ Der New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara und das FBI ermitteln wegen des Verdachts auf Betrug. Aber vorerst weiß niemand Genaues. Mt.Gox-Chef Kapeles ließ die Öffentlichkeit am Donnerstag nur eines wissen: „Ich bin noch in Japan“, schreibt er auf der Internet-Seite der Bitcoin-Börse, „und wir arbeiten hart daran, eine Lösung für die Probleme zu finden.“ Von weiteren Nachfragen bittet er abzusehen.

"Das Vertrauen in die digitalen Münzen ist für allemal zerstört"

Ist der neue Skandal der Sargnagel für die junge „Hacker-Währung“? Die Börsen-Zeitung ist sich sicher: „Bitcoin hat sich erledigt“, das „Vertrauen in die digitalen Münzen ist ein für allemal zerstört“. Dagegen wehren sich die anderen Bitcoin-Börsen wie auch die Bitcoin-Stiftung. Sie geben den Betreibern von Mt.Gox die Schuld am plötzlichen Scheitern. Die Schließung von Mt.Gox sei auf Fehler des Unternehmens zurückzuführen, sagte Stiftungsdirektor Jon Matonis.

Tatsächlich scheint es noch zu früh, das Ende der Bitcoins auszurufen. Das zeigt ihr Kurs: Bei Mt. Gox ist er zwar abgestürzt. An den anderen Börsen wie CoinDesk aber hat er sich wieder gefangen. Die Mt.Gox-Krise hat bislang nicht zu einem allgemeinen Ausverkauf von Bitcoins geführt, im Gegenteil: Investoren sind bei Kursen knapp über 500 Dollar wieder eingestiegen. „Offensichtlich gibt es inzwischen so viele Teilnehmer, dass der Markt die aktuelle Krise aushält“, sagt Investor Zimmer, der auch Bitcoins bei Mt.Gox hat. Oder hatte. „Für den Bitcoin-Markt ist das Mt.Gox-Debakel ein reinigendes Gewitter“, so Zimmer, „und total blöd.“

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