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Monsanto-Deal Tumulte bei Bayer

Auf der Hauptversammlung von Bayer kommt es zu Protesten gegen die Übernahme des Konkurrenten Monsanto.

Bayer-Monsanto
Gegen die Fusion: Demonstranten vor der Bayer-Hauptversammlung. Foto: rtr

Dr. Scholl’s Repaircreme für schrundige Füße ist ein Ladenhüter. Auch Dr. Scholl’s „2 in 1 Hornhaut Entferner“ hat ein Absatzproblem. Das schien zunächst die einzige schlechte Nachricht zu sein auf der Jahreshauptversammlung der Bayer AG am Freitag. Doch schnell kannte man im Bonner World Conference Center am Platz der Vereinten Nationen nur noch ein Thema: die hochumstrittene und rund 60 Milliarden Euro teure Übernahme des US-amerikanischen Saatgut- und Gentechnikunternehmens Monsanto durch Bayer.

Schon im Vorfeld hatte es unter den Aktionären lebhafte Diskussionen darüber gegeben, ob die teuerste Firmenübernahme in der Geschichte von Bayer klug ist oder nicht. Böse Worte wie „Vertrauensverlust“, „Geldverschwendung“ und „Überrumplung der Aktionäre“ waren gefallen. Und in der Tat musste sich der Vorstand in den zunächst auf zehn, später auf fünf Minuten begrenzten Redebeiträgen der Aktionäre einer Fülle harter Fragen und Vorwürfe stellen.

Dabei hatte die Mammutveranstaltung, bei der mehr als 40 Redner zu Wort kamen, durchaus harmonisch begonnen. Alles prima, verkündete Vorstandsvorsitzender Werner Baumann zum Auftakt der Veranstaltung. Und zählte bedächtig auf, was im Konzern alles gut gelaufen ist. Dann kam er zum Monsanto-Deal und betonte, dass die Übernahme genau „der richtige Schritt zur rechten Zeit“ sei. Sie passe perfekt zur Bayer-Strategie und gebe dem Unternehmen die Möglichkeit, „den Landwirten auf der ganzen Welt ein überzeugendes Angebot zu machen“. Man wolle mit dem Deal zudem das eigene Unternehmen stärken.

Spätestens jetzt regte sich erster Unmut hoch oben auf den Tribünen. „Stoppt Bayer-Monsanto“, skandierten zaghaft einige vorwiegend junge Aktionäre. Um schnell wieder zu verstummen, als Aufsichtsratschef Werner Wenning „mangelnden Respekt vor den übrigen Aktionären“ beklagte und bei weiteren „Vorfällen“ mit Konsequenzen drohte. Wenig später stürmte ein schwarz gekleideter Demonstrant die Bühne und wurde eilig von Mitgliedern der Security weggeführt.

2500 Aktionäre hatten sich an diesem Vormittag im dicht bestuhlten Saal New York eingefunden, um zu hören, wie es um das Agrar- und Pharma-Unternehmen bestellt ist. Empfangen wurden sie von mehreren hundert kunterbunt gewandeten Demonstranten, die sich schon morgens um acht Uhr auf dem Platz der Vereinten Nationen versammelt hatten, um gegen die Praktiken von Bayer an sich und die Übernahme von Monsanto im Speziellen zu protestieren. Manche waren als Maiskolben verkleidet, andere als Kartoffeln und Bienchen.

„Vielfalt fördern, Marktmacht stoppen“, hieß es auf einem Schild des Hilfswerks „Misereor“. Ein Vertreter der „Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft“ wetterte gegen „die Lügen von Bayer“ und plädierte „für Demokratie statt Konzernmacht“. Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen in Berlin, war ebenfalls vor Ort, um seine Vorbehalte gegen den Monsanto-Deal zu formulieren. Der Druck auf die Landwirte werde dadurch noch größer als er ohnehin schon sei, der Ruf von Monsanto sei zudem nicht der beste. „Bayer kauft sich einen der schlimmsten Konzerne der Welt ein“, so Hofreiter.

Viele der Redner waren der gleichen Meinung. Kritisiert wurde – neben dem exorbitanten Preis für das US-Unternehmen – vor allem der schlechte Ruf von Monsanto. Dem wird unter anderem die Fälschung von wissenschaftlichen Untersuchungen und ein mehr als rigider Umgang mit Kleinbauern in aller Welt vorgeworfen. Inwieweit könne das Zusammengehen mit dem schlecht beleumdeten Konzern der Reputation von Bayer schaden, fragte etwa Mark Tümmler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz.

Harte Worte für das Zusammengehen von Bayer mit Monsanto, der Firma mit dem „Bienenkillerimage“, fanden vor allem Naturschützer, Imker und Vertreter des Bündnisses „Stop Bayer/Monsanto“. Ihr Vorwurf: Glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel, wie sie Monsanto unter dem Namen „Roundup“ oder „Glyfos“ herstelle, stünden unter Verdacht, Krebs zu erregen und seien mitverantwortlich für das Bienensterben. Stoppt die Übernahme von Monsanto, so das Credo der Redner.

Es scheint wenig wahrscheinlich, dass das so kommen wird.

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